Corona-Lockdown hat Stangelmayer in Kolbermoor hart getroffen: Ein Drittel des Umsatzes fehlt

Für die 425 Mitarbeiter des Kolbermoorer Unternehmens gab es Ende Juni einen wichtigen Schritt zurück zur Normalität: die Kurzarbeit konnte beendet werden. Auch die 15 Ausbildungsplätze wurden nicht reduziert. Thomae
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Für die 425 Mitarbeiter des Kolbermoorer Unternehmens gab es Ende Juni einen wichtigen Schritt zurück zur Normalität: die Kurzarbeit konnte beendet werden. Auch die 15 Ausbildungsplätze wurden nicht reduziert. Thomae

Hygiene wird während der Corona-Pandemie groß geschrieben – das müsste doch dem Kolbermoorer Mietwäsche-Unternehmen ein dickes Umsatzplus beschert haben. Von wegen! Rund ein Drittel des Umsatzes fehlt, was nicht nur auf Maßnahmen in Deutschland, sondern auch in Österreich zurückzuführen ist.

Von Johannes Thomae

Kolbermoor – „Glücklicherweise gab es in dieser turbulenten Zeit eine feste Konstante – und das waren unsere Mitarbeiter, auf die wir uns felsenfest verlassen konnten.“ Mit diesen Worten fasst Gerhard Stangelmayer, einer der beiden Geschäftsführer des Mietwäsche-Unternehmens die von der Corona-Pandemie bestimmten Monate zusammen. Denn die Firma war noch früher als andere Erwerbszweige von den Einschränkungen erfasst worden. Ein Gutteil der Wäsche, die von Stangelmayer gewaschen und aufbereitet wird, ist in österreichischen Hotels im Umlauf.

Fuhrparkleiter war fassungslos

Die aber schlossen über Nacht und ohne Vorwarnung, 14 Tage bevor auch in Bayern Einschränkungen verordnet wurden. Stangelmayer erinnert sich gut an den Vormittag, als der Fuhrparkleiter fassungslos bei ihm anrief und sagte, die LKWs, die Richtung Österreich unterwegs waren, kämen voll beladen zurück, weil sie die Wäsche nicht mehr abladen konnten.

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Spätestens zu Pfingsten, so habe man am Anfang geglaubt, würde sich die Situation normalisiert haben. Stattdessen begann eine monatelange Zeit des „Fahrens auf Sicht“, wie Stangelmayer sagt, bei denen jeder Tag neue Überraschungen brachte. Denn auch in Deutschland kam der Lockdown.

Einbruch bei der Krankenhauswäsche

Dazu der Einbruch bei der Krankenhauswäsche: Wer sich an die Sorge um genügend Krankenhausbetten erinnert, würde vermuten, dass ein deutlicher Wäscheanstieg zu verzeichnen gewesen wäre. Das Gegenteil war der Fall: Die Krankenhäuser reduzierten die Patientenanzahl, um im Notfall für Corona-Erkrankte Kapazitäten freizuhaben, außerdem war die Bettenkapazität verringert, weil für Corona-Patienten keine Mehrfachbelegung der Zimmer möglich war.

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Für den laufenden Betrieb bedeutete das für den Großteil der Firma die Umstellung von 2,5 Schichten auf 1,2 Schichten pro Tag. Kurzarbeit für die 425 köpfige Belegschaft war die Folge. Die Herausforderung für die Firmenleitung war es, die Personalplanung so zu verändern, dass trotz dieser notwendigen Reduzierung Bedarfsspitzen gedeckt werden konnten.

28 Asylbewerber sind im Einsatz

Personalplanungsprobleme gab es auch von anderer Seite. Der Betrieb beschäftigt 28 Asylbewerber, die auf Grund von Coronafällen in ihren Unterkünften immer wieder in Quarantäne mussten. Damit aber mussten Mitarbeiter, die zuhause waren, kurzfristig aktiviert werden. Probleme, die, so Stangelmayer, vor allem deswegen gemeistert werden konnten, weil sich die Belegschaft solidarisch zeigte und alle Veränderungen mittrug. Die Coronabedingten Schutzmaßnahmen wären demgegenüber für die Mitarbeiter weniger ins Gewicht gefallen: Der Betrieb habe bei Wäsche, gerade bei der Wäsche aus den Krankenhäusern sowieso einen hohen Hygienestandard einzuhalten. Und das Tragen von Masken habe man vorsichtshalber schon zu Anfang, noch vor der Maskenpflicht verordnet und die Masken in der hauseigenen Näherei angefertigt.

Anstrengende Hochphase der Pandemie

So anstrengend die Hochphase der Corona-Pandemie war, so Stangelmayer, sei einem dies in dieser Zeit gar nicht so bewusst geworden: Sicher, die ersten Wochen seien besonders herausfordernd gewesen. „Unterm Strich aber“, sagt Stangelmayer, „war das weniger belastend als die spätere Phase, in der sich bei der Organisation eine neue Routine eingespielt hatte und man eigentlich nur noch eines tun konnte: Hoffen, dass der Spuk bald ein Ende nehmen wird.“

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Auch wenn die Kurzarbeit Ende Juni aufgehoben werden konnte und das Geschäft mittlerweile auch bei den Hotels wieder zu laufen beginnt, fehlt heuer ein Drittel des Umsatzes, den man selbst bei weiterer Normalisierung nicht hereinholen wird. Stangelmayer bleibt weiterhin vorsichtig und rechnet mit einem Normalbetrieb erst wieder zur Mitte nächsten Jahres.

Neubau ist gesichert

Dennoch ist der laufende Neubau einer 4000 Quadratmeter großen Produktionshalle und deren Finanzierung gesichert. Entscheidend ist für Gerhard Stangelmayer die Tatsache, dass der Mitarbeiterstab und auch die 15 Ausbildungsplätze erhalten werden konnten.

Dank der Solidarität aller Mitarbeiter, sagt Geschäftsführer Gerhard Stangelmayer blieben die Probleme während des Lockdowns beherrschbar. Foto: Thomae

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