Corona-Krise drückt die Wirtschaft in der Region: Arbeitsmarkt weiter angespannt

Weiterhin weit über 2019: Die Arbeitslosenquoten in der Region.
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Weiterhin weit über 2019: Die Arbeitslosenquoten in der Region.

Die Zahlen steigen nicht mehr oder nur noch leicht, sind aber im Vergleich zu wirtschaftlich besseren Zeiten noch immer hoch: Die Region Rosenheim leidet unter den Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Wie auch viele andere Teile Bayerns. Zwei Landkreise allerdings verzeichnen sinkende Zahlen.

Rosenheim – Der Jahrestrend 2020 sieht zunächst gut aus, der Vergleich mit dem Vorjahr bereitet dann aber doch Sorgen. Michael Schankweiler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rosenheim, stellt eine „anhaltend angespannte Lage“ auf dem Arbeitsmarkt fest.

So ist die Arbeitslosenquote im gesamten Bezirk Rosenheim gegenüber dem Vormonat unverändert geblieben, sie liegt weiterhin bei 3,5 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen liege wie schon im Vormonat bei 10.666. „Diese Zahlen vermitteln in Zeiten der Corona-Pandemie auf den ersten Blick ein positives Signal“, sagte Schankweiler, „doch muss der Wert in Relation gesetzt werden.“ Und zwar in Relation zum Vorjahr: Der Blick auf 2019 lässt erkennen, wie Corona der Wirtschaft zusetzt. Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2019 noch bei 2,1 Prozent.

Heuer blieb außerdem die für die Jahreszeit übliche Entlastung aus. Während im Bezirk Rosenheim 2019 die Zahl von Mai auf Juni um 180 (2,7 Prozent) auf 6.510 Betroffene sank, ist sie in diesem Jahr unverändert geblieben.

Leichter Anstieg in Rosenheim

Die Stadt Rosenheim weist im Juni eine Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent auf (0,1 Prozent mehr als im Vormonat, 2,1 Prozentpunkte mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres). Derzeit sind insgesamt 2071 Rosenheimer ohne Arbeit.

Zwischen den drei Landkreisen, die im Bezirk der Agentur für Arbeit zusammengefasst sind, gibt es nach den Worten des Agenturchefs auffällige Unterschiede. „Im stark vom Bereich Tourismus und Gastronomie geprägten Landkreis Miesbach ist die Arbeitslosenzahl im aktuellen Berichtsmonat im Vergleich zum Vormonat um 120 zurückgegangen. In den anderen Regionen des Agenturbezirks, dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen (plus 20) sowie der Stadt (plus 50) und dem Landkreis Rosenheim (plus 50), hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt dagegen leider nicht entspannt“, sagt Schankweiler.

Unsicherheit bei den Arbeitgebern - mehr Kurzarbeit

Im Juni sei zwar die Arbeitslosenzahl in den stark von der Corona-Pandemie betroffenen Bereichen wie dem Tourismus und der Gastronomie (130 weniger) sowie der Lebensmittelherstellung und -verarbeitung (70 weniger), insgesamt ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt jedoch weiter angespannt. In den Wirtschaftszweigen Metallerzeugung, -bearbeitung, Metallbau oder Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe (jeweils 30 mehr) ist die Arbeitslosenzahl beispielsweise weiter gestiegen. Insgesamt liegt der Wert in allen Bereichen deutlich über dem Vorjahreswert: Im Juni waren 4160 Personen oder knapp 64 Prozent mehr arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr.

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Die Unternehmen sind unsicher, was ihre Perspektiven betrifft. Diese Unsicherheit schlägt sich in der leicht ansteigenden Zahl der Anzeigen für Kurzarbeit nieder. Bis zum Stichtag am 25. Juni seien weitere 140 Anzeigen für Kurzarbeit eingegangen, seit Anfang März insgesamt 6630 Anzeigen für insgesamt 64.890 Mitarbeiter. Ein probates Mittel der Unternehmen gegen Krisen, sagt Schankweiler: „Wir begrüßen es, dass viele Betriebe das Instrument der Kurzarbeit nutzen, um an ihrem Personal festzuhalten.“ Die Statistik aber ist nur vorläufig, das unterstrich er auch: Kurzarbeit kann bis zu drei Monate nach Beginn abgerechnet werden, wie viele Unternehmen dieses Instrument wirklich in Anspruch genommen haben, wird sich daher erst in den kommenden Monaten zeigen.

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Die Gruppe der 15- bis unter 25-Jährigen ist mit am stärksten von der verschlechterten Situation am Arbeitsmarkt betroffen. In dieser Altergsgruppe sank die Zahl im Mai um zehn auf 1220, liegt jedoch noch um 630 über dem Juni des Vorjahres.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften bewegt sich insgesamt auf einem niedrigen Niveau. Die Betriebe im Agenturbezirk haben dem Arbeitgeberservice im Juni 850 zu besetzende Arbeitsstellen neu gemeldet, 280 mehr als im Vormonat, aber 160 weniger als vor einem Jahr. Das Stellenangebot verschlechterte sich damit im Jahresvergleich weiter und lag mit 3480 gemeldeten Stellen um 33 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Die Zahlen aus den Landkreisen

Im Landkreis Rosenheim sind 4733 Menschen arbeitslos gemeldet, das ergibt eine Quote von 3,3 Prozent (0,1 Prozentpunkte mehr als im Vormonat und 1,3 Prozentpunkte mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres). 3323 der Arbeitslosen sind bei der Hauptagentur in Rosenheim gemeldet, 33 mehr als im Vormonat.

Die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Traunstein sank im Juni um 0,2 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent. 10.085 Menschen sind aktuell arbeitslos gemeldet, das sind 674 weniger als im Mai und 3146 oder

45,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Sinkende Zahlen im Bezirk Traunstein

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Traunsteinbetrug im Juni 3,3 Prozent, das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,1 Prozentpunkte und ein Rückgang um 0,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Mai. 3252 Menschen sind arbeitslos gemeldet, das sind 1060 Menschen mehr als vor einem Jahr und 216 weniger als im Vormonat. Unter den 10.085 Menschen sind 1170 Arbeitslose jünger als 25 Jahre darunter 213 unter 20 Jahre. Im Mai waren es noch 79 junge Menschen mehr, im Vorjahr 481 weniger.

Alarmierend aus Sicht von Jutta Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein: Langzeitarbeitslose und Schwerbehinderte sind die einzigen Gruppen, bei denen im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg festzustellen ist. Das sei „eine Situation, die eine entmutigende Eigendynamik entwickeln kann“.

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Mühldorf betrug im Juni 3,8 Prozent, 0,1 Prozentpunkte weniger als im Mai. 2494 Menschen waren im Juni arbeitslos gemeldet, 57 oder 2,2 Prozent weniger als im Mai. Im Vorjahresve-gleich ist dies ein Anstieg um 44,1 Prozent, 763 Menschen weniger waren im Juni 2019 gemeldet.

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