Corona-Hilfspaket: Regionale Wirtschaft zwischen Freude und Skepsis

Der Einzelhandel kann einen Impuls brauchen: Ein Blick gestern Nachmittag in die Rosenheimer Fußgängerzone. Auch nach den Lockerungen sind in der Stadt deutlich weniger Besucher unterwegs als vor der Corona-Krise.
+
Der Einzelhandel kann einen Impuls brauchen: Ein Blick gestern Nachmittag in die Rosenheimer Fußgängerzone. Auch nach den Lockerungen sind in der Stadt deutlich weniger Besucher unterwegs als vor der Corona-Krise.
  • Josef Bauer
    vonJosef Bauer
    schließen
  • Michael Weiser
    Michael Weiser
    schließen

Rosenheim/Mühldorf– Von freudiger Überraschung bis zu skeptischem Abwarten: Die Bandbreite der Reaktionen in der heimischen Wirtschaft auf das Milliarden-Paket der Bundesregierung zur Überwindung der Corona-Nachwirkungen ist groß. Ein Überblick.

Ingrid Obermeier-Osl, IHK-Vizepräsidentin für München und Oberbayern und Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf: „Grundsätzlich begrüße ich als IHK Regionalausschussvorsitzende und IHK Vizepräsidentin dieses Konjunkturpaket sehr. Hier handelt es sich wirklich um ein umfangreiches, breit gefächertes Programm für Bürger und Unternehmen. Wir freuen uns, dass endlich mit der Mehrwertsteuersenkung über alle Bereiche besondere Konsumanreize geschaffen werden und Familien mit einem zusätzlichen Kinderbonus unterstützt werden. Digitale Zukunftsinvestitionen und Investitionen in Klimatechnologie stärken die Vorreiterrolle Deutschlands, Hilfen für die Bewirtschaftung der Wälder sind auf den Weg gebracht, eine Offensive für eine weitere nachhaltige Bewirtschaftung der geschädigten Wälder.

Lesen Sie auch: Ein Paket für alle: So kommen die Milliarden des Bundes in der Region an

Existenzielle Bedeutung haben die Überbrückungshilfen, womit Unternehmen Umsatzausfälle generieren können. Hervorzuheben sind die Erweiterung des steuerlichen Verlustrücktrages, steuerliche Investitionsanreize bei der degressiven Abschreibung – gerade für uns regional – die Senkung der EEG-Umlage, etwa für die Chemieindustrie. Wir als IHK setzen uns besonders für langfristige Hilfen ein und sind zufrieden, dass die Bundespolitik breit gefächert reagiert hat.“

Sabrina Obermoser, Geschäftsführerin von City Management Rosenheim: „Es ist für die Unternehmen eine kleine Erleichterung. Viel wichtiger wäre jedoch, den Anreiz zu schaffen, wieder gerne einkaufen zu gehen. Dazu muss die Maskenpflicht so schnell wie möglich fallen, wenn es die Infektionszahlen zulassen. Unsere Unternehmer wollen nicht unterstützt werden, sondern ihrem Beruf mit Freude nachgehen und die Kunden beraten und dadurch ehrliche Umsätze erwirtschaften.“

Gerhard Schloots, Kreishandwerksmeister für den Landkreis Rosenheim: „Man sollte genauer hinschauen, wenn man Geld in die Hand nimmt. Wie sich das auswirkt, kann man noch nicht sagen. Es brennt an vielen Stellen ganz gewaltig. Wie sich die Konjunktur erholt, kann man nicht voraussehen. Ich hoffe, dass die Gelder, die ausgezahlt werden, nicht nur Mitnahmeeffekte erzeugen. Es muss ja schließlich irgendwann auch alles wieder bezahlt werden. Immerhin stellt aber die allgemeine Senkung der Mehrwertsteuer doch eine Entlastung dar.“

Michael Erber, Geschäftsführer der Mühldorfer Waldbesitzervereinigung: „Natürlich freuen wir uns über diese Unterstützung. Die Waldbauern in Bayern haben es in den letzten zwei Jahren nicht leicht gehabt. Es muss sich jetzt zeigen, wie viele dieser 700 Millionen Euro nach Bayern fließen und welche bürokratischen Hürden damit verbunden sind. Insgesamt sehen wir diese Unterstützung auch als Anerkennung unserer Arbeit.“

Lesen Sie auch: 130 Milliarden gegen die Krise: Viel Lob für Schwarz-Rot

Willi Bonke, Geschäftsführer von Auto Eder Kolbermoor:„Grundsätzlich ist jede Förderung der Wirtschaft begrüßenswert. Wir hoffen, mehr Elektrofahrzeuge verkaufen zu können. Es ist schade, dass Benziner und Diesel nicht mit einer Prämie gefördert werden. Wenn Sie sich etwa den CO-2-Ausstoß anschauen, dann merken Sie, wie umweltfreundlich die sind. Sie sind ja auch günstiger als E-Autor oder Plug-in-Modelle. Und wenn Sie Vielfahrer sind, ist ohnehin ein Benziner oder Diesel die Wahl. Es ist aber gut, dass das Paket durch Mehrwertsteuersenkung einen Impuls setzt. Vielleicht schafft man’s, dass für 2021 geplante Käufe bereits 2020 getätigt werden.“

Theresa Albrecht, Kreisvorsitzende des Landkreises Rosenheim im Hotel- und Gaststättenverband: „Ich bin wirklich perplex. Uns hilft das, natürlich. Es ist nun die Frage, wie sich das Konsumverhalten entwickelt. Weitergeben können wir die Mehrwertsteuerentlastung kaum. Gastronomie und Hotellerie haben keine Möglichkeit, die Preise zu senken, weil alle nach so vielen Wochen der Schließungen so viele Schulden angehäuft haben. Es wird ohnehin eine Pleitewelle geben. Nach einer Umfrage unter vielen tausend Betrieben deutschlandweit haben zwischen 25 und 30 Prozent ernsthafte Schwierigkeiten.“

Mehr zum Thema

Kommentare