Corona bringt das Geschäft in den Reisebüros in der Region Rosenheim zum Stillstand

Reisebüros kämpfen in der Corona-Krise um ihre Existenz. Licht am Ende des Tunnels ist momentan noch nicht zu sehen. Viele hoffen aber, dass nach Corona die Kunden wieder den Weg in die Büros finden und Reisen buchen. dpa
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Reisebüros kämpfen in der Corona-Krise um ihre Existenz. Licht am Ende des Tunnels ist momentan noch nicht zu sehen. Viele hoffen aber, dass nach Corona die Kunden wieder den Weg in die Büros finden und Reisen buchen. dpa

Nur noch Stornierungen und kaum Buchungen: Regionale Reisebüros kämpfen mit den Entwicklungen in der Corona-Krise. Durch die andauernden Ausgangsbeschränkungen und die weltweite Reisewarnung ist das Geschäft in der Reisebranche praktisch auf Null gefallen. Mit einem Aufschwung ist im Moment nicht zu rechnen.

Von Alexandra Schöne

Rosenheim/Landkreis – Stornierungen, abgesagte Pauschalreisen, insolvente Reiseveranstalter: Die Corona-Krise stürzt die regionalen Reisebüros ins Chaos. Die Bundesregierung will eine Gutscheinlösung ermöglichen: Statt sofortiger Rückzahlung sollen Verbraucher Gutscheine für ihre bereits gebuchten Tickets erhalten. Damit sollen Organisatoren in der aktuellen Krisensituation vor dem Existenzverlust bewahrt werden. Doch nicht überall kommt das gut an.

Weder Einnahmen noch Neubuchungen

„Ich führe das Reisebüro jetzt schon seit 33 Jahren und habe von den Golfkriegen über den 11. September 2001 alles mitgemacht. Aber so etwas wie Corona erlebe ich zum ersten Mal“, sagt Jutta Mauritz, Geschäftsführerin des Reisebüros am Marienplatz in Wasserburg. „Wir haben fast keine Einnahmen, keine Neubuchungen und die Provision von bereits gebuchten Reisen müssen wir zurückzahlen“, berichtet Mauritz. „Das geht an die Substanz, sämtliche Rücklagen werden momentan aufgebraucht.“ Und wenn diese weg sind? „Dann sperre ich endgültig zu, denn ich werde sicherlich keine Schulden machen“, sagt sie bestimmt. Drei Monate könne sie vielleicht durchhalten, dann wird es eng. Den fünf Angestellten von Mauritz, die jetzt schon in schon in Kurzarbeit sind, droht dann Arbeitslosigkeit. Erschwerend in dieser schon angespannten Situation kommt hinzu, dass sie immer noch auf die staatlichen Soforthilfen wartet.

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Im Bad Aiblinger Reisebüro Thomas ist das Geschäft ebenfalls zum Stillstand gekommen. „Wir haben nur noch Stornierungen und quasi die doppelte Arbeit für nichts“, sagt Inhaber Martin Seisenberger. „Wie sich die Touristik weiterentwickelt, ist fraglich.“

Die Reisen in den laufenden Osterferien seien alle abgesagt, bis zum 30. April konnten sie aber überall kostenlos storniert werden. „Für die Pfingstferien, eine der beliebtesten Reisezeiten im ganzen Jahr, hoffe ich, dass überhaupt etwas stattfinden kann“, sagt Seisenberger. Auch die Nachbeben der Thomas-Cook-Insolvenz im vergangenen September wirken noch. „Diese Pleite hat uns stark gebeutelt, da Thomas Cook und Neckermann Reisen unsere Leitveranstalter waren“, erklärt er. Er erwartet bei den Kunden Zurückhaltung in der nächsten Zeit.

Die jüngsten Aussagen von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geben ebenfalls wenig Anlass zur Hoffnung. Er gehe davon aus, dass Auslands-Urlaubsreisen in diesem Jahr eher nicht möglich sein werden.

Verband der Reisebüros: Gutscheine keine Lösungen

Im Zuge der Corona-Krise und ihren Folgen für die Reisebranche hat sich auch der bundesweite Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR) eingeschaltet. Die Gutschein-Regelung, die die Bundesregierung vorschlägt, ist für den VUSR keine Lösung. „Das Geld als Gegenwert der Gutscheine wird nur eingefroren und kann jetzt nicht für den täglichen Geschäftsalltag eingesetzt werden, da ja dafür später noch eine Leistung erbracht werden muss“, teilt ein Sprecher mit. Gutscheine würden nicht liquide machen, sondern im Gegenteil den Herausgeber nur überschulden.

Der VUSR befürwortet den Einsatz eines Deutschen Reise-Rettungsfonds, ein bundesgestützter Fonds für Rückzahlungsverpflichtungen aus abgesagten beziehungsweise noch abzusagenden Reisen.

In Rosenheim beschäftigt sich Sandro Sacco, Inhaber des Reiseservice Sacco, derweil mit Flügen. „Wir versuchen, die Flüge im April und Mai umzubuchen, sofern die Airlines das zulassen“, erklärt er. „Retten, was zu retten ist“, sei hier die Devise. Viele würden jedoch keine Rückerstattung der Tickets anbieten. „Im Pauschalsektor ist die Lage äußerst schwierig. Hier gibt es gar keine Buchungen“, sagt Sacco.

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Wann mit einer Entspannung geschweige denn einem Aufschwung im Reisesektor zu rechnen ist, ist derzeit noch nicht absehbar. Die Ausgangsbeschränkungen mit Kontaktsperren und verpflichtendem Mindestabstand in der Öffentlichkeit wurden kürzlich bis zum 3. Mai verlängert. Sie schränken das öffentliche Leben und Reisevorhaben immens ein. Das Auswärtige Amt hat außerdem eine Reisewarnung für alle nicht notwendigen oder touristischen Reisen ins Ausland ausgesprochen. Deutsche Staatsbürger dürfen nach wie vor nach Deutschland einreisen, sind jedoch an den Binnengrenzen unter anderem zu Österreich, der Schweiz, Frankreich und Dänemark mit vorübergehenden Grenzkontrollen konfrontiert. Personen, die von außerhalb Deutschlands nach Bayern einreisen, müssen sich zudem für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben.

Hoffnung für die Reisebranche

Trotz allen Einschränkungen und Ungewissheiten blickt Tanja Dittmar im Priener Reisebüro Tui Travelstar RT-Reisen optimistisch in die Zukunft. „Ich habe Hoffnung für die Tourismusbranche, da die Menschen ja doch gerne reisen. Das werden sie auch nach der Krise tun“, glaubt sie.

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Trotz Kurzarbeit sei das Priener Reisebüro personell gut aufgestellt und täglich vier Stunden lang für seine Kunden da. „Vereinzelt haben wir auch schon Flugbuchungen für den Herbst“, berichtet die Büroleiterin.

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