3. X-Conference in Rosenheim beschäftigt sich am 30. Oktober mit der digitalen Verantwortung

Der Umgang mit Daten ist eines der Themen, mit dem sich das Feld „digitale Ethik“ beschäftigt.
+
Der Umgang mit Daten ist eines der Themen, mit dem sich das Feld „digitale Ethik“ beschäftigt.

Mit den Schwerpunkten „Digital Responsibilty“ und der digitalen Ethik beschäftigt sich die 3. X-Conference in Rosenheim am Freitag, 30. Oktober. Coronabedingt findet die Veranstaltung erstmals rein digital statt. Was sich hinter den Schwerpunkten verbirgt, verrät Josef Willkommer im Interview.

Von Katharina Heinz

Rosenheim – Ein anspruchsvolles Thema und eine ganz neue Form: Am Freitag, 30. Oktober, findet die dritte X-Conference statt, die „Crossfunctional Conference“ der Firma TechDivision und der Hochschule Rosenheim rund um Digitalisierungs-Themen. Sie wird erstmals als reines Digital-Event durchgeführt und beschäftigt sich mit dem Schwerpunkt der „Digital Responsibility“ und der digitalen Ethik. Doch was ist das überhaupt? Und wie läuft eine digitale Konferenz ab? Josef Willkommer, Mitgründer und Geschäftsführer der TechDivision GmbH, gibt im Interview einen Einblick.

Die X-Conference greift die Themen der digitalen Verantwortung und Ethik auf. Wie kamen Sie auf diese Schwerpunkte?

Josef Willkommer: „Das Wissenschaftsjahr 2019 stand unter dem Motto der Künstlichen Intelligenz und wir hatte deswegen auch dieses Thema letztes Jahr als Aufhänger gewählt. Durch die fortschreitende Digitalisierung, eine immer größer werdende Menge an Daten und auch durch die Möglichkeiten, die sich mit modernen Technologien wie etwa durch KI ergeben, wird ein entsprechend verantwortungsvoller Umgang mit modernen Technologien und Daten aus unserer Sicht immer wichtiger. Hier geht es nicht nur um Kundendaten, sondern beispielsweise auch um verschiedenste interne Informationen, wie Mitarbeiterdaten. Dabei landet man zwangsläufig recht schnell bei der Frage nach einem verantwortungsvollen Umgang. Genau darum geht es im wesentlichen bei „Digital Responsibility“. Insofern sehen wir das diesjährige Thema der X-Conference im Prinzip als Fortsetzung und Konsequenz des Themas KI.“

„Digital Responsibility“ und digitale Ethik – was ist das eigentlich? Haben Sie ein Beispiel?

Willkommer: „Die Grenzen zwischen Digital Responsibility und digitaler Ethik sind häufig fließend. Generell ist es so, dass ein Algorithmus Daten effektiv analysieren kann, und Menschen auf Grundlage der Ergebnisse – im Idealfall – bessere Entscheidungen treffen können. Bei TechDivision zum Beispiel beschäftigen wir uns mit E-Commerce-Themen. Hier versuchen wir mit Hilfe algorithmischer Systeme, das Kaufverhalten der Kunden zu analysieren, um dann Produkte vorzuschlagen, die dem Kunden möglicherweise auch gefallen könnten. Man kennt das von Amazon über die dortigen Empfehlungen.

Doch in Zukunft werden Maschinen uns nicht nur beratend zur Seite stehen, sondern selbst auch Entscheidungen fällen können. Man denke hier an das Beispiel eines Autopiloten im Auto, der die Entscheidung treffen soll, ob er im Worst-Case eine alte Frau oder ein Kind überfährt. Generell stellt sich die Frage, wie weit wir solche Entscheidungen Maschinen und Algorithmen überlassen möchten und in welchen Bereichen KI basierte Entscheidungen in Ordnung sind und wo nicht.“

Lesen Sie auch:Wie künstliche Intelligenz die Arbeitswelt künftig prägen wird – Vorreiter aus Kolbermoor

Es geht nicht nur um den Umgang mit Daten – es geht auch um den Umgang mit Menschen. Inwiefern kann der digitale Fortschritt die Arbeitswelt an sich verändern und warum ist hierbei ein ethischer Ansatz notwendig?

Willkommer: „Sehr guter Einwand! Durch die Digitalisierung wird es nicht so sein, dass Menschen plötzlich obsolet werden, sondern die Anforderungen und Berufsbilder ändern sich mit der Zeit. Wenn man die aktuelle Corona-Situation betrachtet, dann merkt man, dass digitaler Fortschritt und ethische Ansätze sehr eng miteinander verwoben sind.

Wir bei TechDivision sind beispielsweise seit Mitte März komplett im Homeoffice. Dank entsprechender Cloud-Technologien hat der Übergang von unseren gut 120 Mitarbeitern innerhalb von wenigen Tagen problemlos geklappt. Gerade in der Anfangszeit haben wir natürlich auch genauer auf die Abarbeitung der Projekte geachtet, da wir zwar Erfahrung mit Homeoffice haben, allerdings nicht in einer solchen Dimension.

Wir haben festgestellt, dass sich die Arbeitszeiten im Homeoffice bei vielen Mitarbeitern verschieben und tendenziell eher mehr gearbeitet wird. Wir haben dann unserem Team vermittelt, dass Pausen und eine Work-Life-Balance insbesondere im Homeoffice enorm wichtig sind. Kurz gesagt: Durch die Digitalisierung und entsprechende Tools konnten wir sehr schnell auf die Corona-Situation reagieren.“

Lesen Sie auch:Digitaler Wandel als Treiber für neue Führung

Die X-Conference findet dieses Mal digital statt. Wie darf ich mir das vorstellen?

Willkommer: „Nachdem das Feedback auf die letztjährige Konferenz mit über 300 Teilnehmer enorm positiv ausfiel, war klar, dass wir auch in 2020 wieder eine X-Conference veranstalten werden. Als im Frühjahr Corona kam und wir aber recht schnell positive Erfahrungen mit verschiedenen digitalen Tools gesammelt haben, haben wir uns bereits im April dazu entschlossen, das diesjährige Event als reines Digital-Event auszurichten. Wir möchten hier aber nicht nur unterschiedliche Vorträge über ein Webmeeting-Tool abbilden. Uns ist es wichtig, dass wir das Feeling eines physischen Events soweit wie möglich online abbilden.

Daher werden wir eine Plattform nutzen, über die man nicht nur die Keynote-Vorträge auf der virtuellen Hauptbühne am Vormittag verfolgen kann, sondern es wird auch interaktive Breakout-Sessions am Nachmittag geben, die in unterschiedlichen virtuellen Räume parallel ablaufen und zwischen denen man nach Lust und Laune wechseln kann. Es wird auch eine virtuelle Ausstellungsfläche geben, über die man sich Informationen zu Partner-Unternehmen holen und mit diesen Unternehmen in Kontakt treten kann. Zusätzlich wird die Möglichkeit bestehen, dass sich die Teilnehmer untereinander austauschen und vernetzen können, wenn sie das möchten.“

Lesen Sie auch:Stichwort Arbeits- und Datenschutz – Darf der Arbeitgeber das Homeoffice kontrollieren?

Auf welchen Programmpunkt freuen Sie sich persönlich am meisten?

Willkommer: „Sehr schwierige Frage, nachdem wir es auch dieses Jahr wieder geschafft ein äußerst spannendes Programm mit sehr namhaften Referenten auf die Beine zu stellen. Ich freue mich neben der Begrüßung durch die Bayerische Staatsministerin für Digitales, Judith Gerlach, aber schon sehr auf den Vortrag von Dr. Rüdiger, einem der führenden Cyber-Kriminologen in Deutschland.“

Für die Mittagspausen haben Sie sich ein besonderes Angebot für die Teilnehmer ausgedacht...

Willkommer: „Wir bieten unseren Mitarbeitern bereits seit Längerem die Möglichkeit, einmal in der Woche an einer Yoga-Stunde teilzunehmen. Durch Corona und die Homeoffice-Situation ist dies im Büro aktuell nicht möglich. Daher haben wir im Sommer mit Remote-Yoga-Sessions experimentiert, was sehr gut angekommen ist. Bei der täglichen Arbeit mit inzwischen doch einer recht hohen Anzahl an Webmeetings, die aus meiner Sicht häufig deutlich anstrengender sind als physische Meetings, tut etwas Entspannung gut. Diese Möglichkeit wollen wir den Teilnehmern der X-Conference auch bieten – mit einer Online Yoga-Stunde. Ich bin gespannt, wie das Angebot genutzt wird.“

Von der Führungskraft bis zum Schüler

Die X-Conference findet am Freitag, 30. Oktober, von 9 bis 16 Uhr statt. Die Konferenz richtet sich unter anderem an Unternehmen, Führungskräfte, Schüler und Studierende sowie Hochschulmitarbeiter. Wer teilnehmen will, kann sich unter www.x-conference.de kostenlos registrieren und die Veranstaltung von seinem Rechner aus mitverfolgen.

Josef Willkommer Geschäftsführer TechDevision GmbH

Kommentare