WIRTSCHAFTSBEIRAT BAYERN: DIGITALISIERUNG IM MITTELSTAND

Chefsache digitaler Wandel

Podiumsdiskussion: Fritz Kreutzpointner, Geschäftsführer von Elektro Kreutzpointner, hat das Wort. Rechts neben ihm Bayerns Minister für Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Marcel Huber. wilmerdinger
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Podiumsdiskussion: Fritz Kreutzpointner, Geschäftsführer von Elektro Kreutzpointner, hat das Wort. Rechts neben ihm Bayerns Minister für Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Marcel Huber. wilmerdinger

Der Weg in die digitalisierte Wirtschaft und Gesellschaft ist längst beschritten, wenngleich in unterschiedlichem Tempo – je nach Branche und Unternehmensgröße. Zugleich scheint die Botschaft unbestritten, dass es nicht nur darauf ankommt, mit der Entwicklung Schritt zu halten, sondern auch darauf, sie aktiv mitzugestalten.

Burghausen – Die Wirtschaftsregion im Bayerischen Chemiedreieck ist aktiv dabei, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Das ist das Fazit der Podiumsdiskussion im Wirtschaftsbeirat Bayern gemeinsam mit der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner am Donnerstagabend bei der Wacker Chemie.

Kampf auf mehreren Seiten

Hinter dem Begriff Digitalisierung sind Veränderungen in Technologien und deren Anwendungen im täglichen Leben zu verstehen. Selbstlernende Algorithmen ermöglichen eine stets intelligentere Hilfe in unserem Berufs- und Privatumfeld. Für Unternehmen geht es um die Identifizierung von neuen Geschäftschancen und um die Absicherung eines Wettbewerbsvorteils und der Zukunftsfähigkeit.

Jean-Francois Pauly, Leiter des Kompetenzzentrums Digitalisierung bei Dr. Wieselhuber & Partner (W&P), definierte zwei unterschiedliche Triebkräfte: den Kampf um die Serviceerweiterung, wo sich klassische Produkthersteller und Dienstleister mit innovativen, datenbasierten Services überbieten. Und zweitens den Kampf um den Endkunden, wo kritische Nutzungs- und Verhaltensinformationen über den Endverbraucher einen Wettbewerbsvorteil ermöglichen.

Ob sich ein Unternehmen auf diesem dynamischen Spielfeld erfolgreich bewegen kann, hängt davon ab, welche Antworten es auf die Herausforderung der Digitalisierung gibt. Viele Unternehmen aus dem Mittelstand sieht Pauly in der Bewertung der Digitalisierung noch am Anfang und vor allem im Diskurs zwischen Senioren und Junioren. Das Geschäftsmodell werde in laufenden Nachfolgeprozessen nur bedingt digital hinterfragt.

Der Digitalisierungsexperte sieht außerdem im Mittelstand und bei Familienunternehmen Unsicherheiten in Bezug auf digitales Verhalten und digitale Erwartungen der Kunden, Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklung smarter Produkte und Services, aber zum Teil auch veraltete Anlagenparks ohne Sensorik und Aktorik.

Ein Neustart auf der sprichwörtlich „grünen Wiese“ sei zudem oft weder realisier- noch finanzierbar. Welche Herausforderungen sich in der Realität für die gesamte Volkswirtschaft stellen, das zeigte Staatsminister Dr. Marcel Huber in seinem Impulsreferat: Deutschland hat bereits in vielen Branchen Kompetenzen an andere Volkswirtschaften verloren – zum Beispiel in der Textilindustrie, aber auch in der Unterhaltungselektronik.

Keinen Zweifel daran, dass die Digitalisierung die Menschen mitnehmen müsse, ohne die sie nie funktionieren könne, ließen alle Teilnehmer der Diskussionsrunde aus Politik und Wirtschaft, zumal vor allem in der technikgetriebenen Wirtschaft der chemischen Industrie Automatisierung und Digitalisierung schon vor Jahrzehnten Einzug gehalten haben.

„Die ganze Welt der Digitalisierung funktioniert nur, wenn man sich auf Kernkompetenzen fokussiert – unterstützt durch mordernste Technik und vor allem durch bestens geschulte, begeisterte, aber auch authentische Mitarbeiter“, bestätigte Fritz Kreutzpointner, Geschäftsführer Elektro Kreutzpointner GmbH aus Burghausen.

Neue Technologien lernen und lehren

Entscheidend ist dem Digitalisierungsexperten Pauly zufolge auch die Einstellung im Unternehmen: „Die digitale Transformation muss zur Chefsache werden – denn sie betrifft das gesamte Geschäftsmodell.“

Für Dr. Dieter Gilles, Werkleiter der Wacker Chemie in Burghausen übernehmen Innovationen eine besondere Funktion in der Mitarbeiterschulung: „Wir sind immer auf der Suche nach Leuchtturmprojekten, denn: Von diesen können andere Bereiche im Unternehmen immens viel lernen und hilfreiches Wissen abschöpfen.“

Für Hans Peter Wagner, Geschäftsführer der Finze & Wagner Holding GmbH, heißt das: „Laufende Innovationen zwingen immer wieder dazu, sich auf die neuen Technologien einzustellen und diese zu erlernen. Wer da nicht mitgeht, der bleibt auf der Strecke.“ Auch neue Ausbildungsberufe und Studiengänge in der Region seien deshalb wichtig.

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