Wie Bruckmühl zur finanzstärksten Gemeinde im Landkreis wurde

Ein neues Gewerbegebiet entwickelt die Marktgemeinde Bruckmühl an der Wernher-von-Braun-Straße. Wirtschaftsförderer Markus Zehetmaier und das Bürgermeister-Trio Anna Wallner, Richard Richter und Klaus Christoph – unterstützen die Ansiedlung neuer Unternehmen.
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Ein neues Gewerbegebiet entwickelt die Marktgemeinde Bruckmühl an der Wernher-von-Braun-Straße. Wirtschaftsförderer Markus Zehetmaier und das Bürgermeister-Trio Anna Wallner, Richard Richter und Klaus Christoph – unterstützen die Ansiedlung neuer Unternehmen.

Bruckmühl. – Die Marktgemeinde Bruckmühl war eine der ersten Kommunen im Landkreis Rosenheim, die sich im Jahr 2006 einen hauptamtlichen Wirtschaftsförderer leistete.

„Eine Kommune kann nur mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen existieren“, bekräftigt der damalige Bürgermeister Franz Xaver Hein ritzi heute, 14 Jahre später, seine Entscheidung, die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde anzukurbeln. Die Fakten sprechen für ihn: Im Jahr 2006 lagen die Gewerbesteuereinnahmen der Marktgemeinde bei 4,7 Millionen, im vergangenen Jahr bei 14,1 Millionen Euro.

Bruckmühl hat sich zur finanzstärksten Kommune im Landkreis entwickelt und zahlt in diesem Jahr mit elf Millionen Euro auch die höchste Kreisumlage. „Dieser Erfolg macht mich stolz auf die Leistung unserer Gemeindebürger, denn er ist allein dem Fleiß und der Innovation unserer Unternehmen und ihrer Mitarbeiter zu verdanken“, betont Richard Richter, seit sechs Jahren Bürgermeister der Marktgemeinde.

VielfältigerBranchenmix

In Bruckmühl gibt es einen vielfältigen Branchenmix – von kleinen Handwerksbetrieben über Chemie- und Papierindustrie, Naturarzneimittelhersteller, Automobilzulieferer und Maschinenbauer bis hin zu großen Einzelhandelsunternehmen. Alle zusammen bieten derzeit 4902 Menschen Arbeit. Im Vergleich dazu gab es zu Beginn der kommunalen Wirtschaftsförderung in Bruckmühl 3432 Arbeitsplätze, also 1470 weniger. Und so stieg auch der Anteil an der Einkommenssteuer in den vergangenen 14 Jahren von 5,9 auf 11,5 Millionen Euro.

Trotzdem fehlen noch immer Arbeitsplätze in der Marktgemeinde. 1898 Menschen pendeln nach Angaben des Statistischen Landesamtes Bayern aus Bruckmühl in die umliegenden Orte oder nach München zur Arbeit. „Deshalb bemühen wir uns darum, die Expansion der bestehenden und die Ansiedlung neuer Unternehmen weiter zu unterstützen“, betont Wirtschaftsförderer Markus Zehetmaier. Er ist Ansprechpartner für die Unternehmen, Ämterlotse und Netzwerker. Er stimmt in Mischgebieten private und wirtschaftliche Interessen ab und ist immer auf der Suche nach neuen Gewerbeflächen.

„Das Interesse am Gewerbestandort Bruckmühl ist sehr groß, wird derzeit aber gebremst, weil wir nicht ausreichend verfügbare Gewerbegebiete haben“, informiert er. Momentan steht nur eine freie Fläche von 3600 Quadratmetern zur Verfügung, aber mehr als 30 Unternehmen wollen sich ansiedeln oder ihren Bruckmühler Betrieb erweitern, darunter Handwerker, Händler, Bauunternehmen, produzierendes Gewerbe und ein Hotel.

„Wir entwickeln gegenwärtig ein neues Gewerbegebiet mit einer Fläche von 13 000 Quadratmetern im Bereich der Wernher-von-Braun- und Albert-Mayer-Straße“, so der Wirtschaftsförderer. Die Gemeinde hat die Fläche für eine gewerbliche Ausweisung gekauft. Der Bebauungsplan „Bei den Nussstauden“ wird gerade aufgestellt. Ehe Baurecht geschaffen und damit eine Vermarktung der Parzellen möglich ist, werden aber noch Monate vergehen.

Wie viel Wachstumist gewünscht?

Doch wie weit darf Bruckmühl wirtschaftlich expandieren? „Es ist die Grundsatzfrage, die der Markgemeinderat zu beantworten hat, welches Wachstum erwünscht und verträglich ist“, erklärt der Bürgermeister. Bei Wirtschaftsförderung gehe es aber nicht allein um die Ausweisung neuer Gewerbegebiete auf der grünen Wiese, sondern auch um Umwandlungsprozesse, Modernisierungen, um Netzwerke und Symbiosen. Es gehe darum, zwischen ansiedlungswilligen Unternehmen und den Besitzern ausgewiesener Gewerbeflächen zu vermitteln, um alle bestehenden Ressourcen auszuschöpfen.

In den nächsten Jahren muss der 30 Jahre alte Flächennutzungsplan der Marktgemeinde überarbeitet werden. Dann wird es auch um die Frage gehen, ob weitere Gewerbegebiete erschlossen werden sollen. Die Flächen zu beiden Seiten der Staatsstraße 2078 scheinen geradezu optimal für ein großes Gewerbegebiet zu sein. Sie stehen aktuell aber nicht zur Verfügung, da sie einerseits landwirtschaftlich genutzt werden und andererseits Landschaft und traditionelle Bauerndörfer erhalten bleiben sollen.

„Für eine weitere gewerbliche Entwicklung müssen wir ein verträgliches, ausgewogenes Maß finden“, betont Richard Richter. Bruckmühl mit seinen 45 Ortsteilen solle seine Identität nicht verlieren. Zudem sei die wichtigste Grundlage für die Entwicklung der Marktgemeinde die Akzeptanz der Bürger. Kathrin Gerlach

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