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„MAN KRIEGT NICHTS MEHR“

Konrad Irlbacher, Firmenchef vom Rosenheimer Sportgeschäft Iko, befürchtet große Durststrecke

Wenn bestimmte Bauteile fehlen: Konrad Irlbacher, Geschäftsführer der Raublinger Fahrradmarke „Corratec“, steht alleine in seiner derzeit auf Eis gelegten Produktionshalle.
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Wenn bestimmte Bauteile fehlen: Konrad Irlbacher, Geschäftsführer der Raublinger Fahrradmarke „Corratec“, steht alleine in seiner derzeit auf Eis gelegten Produktionshalle.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
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Der Suezkanal blockiert, die Lieferung limitiert und die Nachfrage enorm: Konrad Irlbacher, Geschäftsführer der Raublinger Fahrradmarke „Corratec“, erklärt im Interview auf was man sich als beim Radkauf im Landkreis zukünftig einstellen muss.

Raubling – Für Konrad Irlbacher, Geschäftsführer der Fahrradmarke „Corratec“ und Firmenchef des Sportgeschäfts „Iko“ in Raubling, ist die Situation aktuell „schwieriger als je zuvor“. Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen erläutert der Gründer des Fahrradherstellers, warum seine Produktion derzeit lahmgelegt ist, wie sich die Lieferzeiten für Fahrräder entwickeln könnten und was man tun muss, um in diesem Sommer noch an sein Wunschrad zu kommen.

Wie hat Sie der Stillstand am Suezkanal beeinflusst?

Konrad Irlbacher: Die aktuelle Problematik ist der tagelang blockierte Suezkanal durch das Schiff „Ever Given“. Auch wenn der Durchgang aktuell wieder frei ist, verzögert sich die Ankunft unserer folgenden Schiffe. Das bedeutet, dass die von uns dringend benötigten Teile gerade nicht ankommen. Daher mussten wir zwangsweise die Produktion einstellen.

Suezkanal-Blockade verstärkt den Rückstau

Von welchen Dimensionen reden wir hier?

Irlbacher: Größtenteils sind Rahmen und Teile von unserem Zulieferer „Shimano“ betroffen. Acht Container auf dem ersten Schiff hängen aktuell fest. Weitere 15 Container auf einem anderen Schiff verzögern sich und werden erst in zehn Tagen ankommen. So lange können wir nicht weitermachen. Denn sobald ein Teil am Rad fehlt, können wir es eben nicht fertigstellen. Sobald die Lieferung eintrifft, werden wir aber alles daran setzen, die Produktion wieder langsam nach oben zu fahren.

Wie wird sich das auf den allgemeinen Fahrradmarkt auswirken?

Irlbacher: Das Problem ist der allgemeine Engpass, der bereits weltweit zu spüren ist. Der Vorfall auf dem Suezkanal macht es nur noch extremer. Die Nachfrage wächst vor allem durch die Corona-Pandemie schneller als die Produktionskapazitäten mitwachsen. Das passiert allerdings gerade auf der ganzen Welt. Wenn in jedem Land circa zehn Prozent mehr Räder verkauft werden, dann wächst der Markt so stark, dass die Produzenten nicht hinterherkommen. Dadurch entsteht die Situation, die wir jetzt haben. Nämlich, dass wir Lieferzeiten von circa zwei Jahren haben.

Lieferzeiten nicht nur nach Raubling enorm

Das heißt, wer jetzt ein Fahrrad bestellt, der muss bis 2023 warten?

Irlbacher:Nicht ganz. Wir als Hersteller haben bis Ende 2023 alles bestellt. Alles, was wir also jetzt neu planen und bestellen, wird erst 2024 ankommen. Wenn jetzt aber ein Händler bei uns Räder ordert, dann sind wir im Moment bei einer Auslieferung im nächsten Jahr Juli. Das geht ab jetzt aber Schritt für Schritt immer weiter nach hinten und kann sich für bestimmte Räder auch auf zwei Jahre ausweiten.

Irlbacher: Die bekommen das mit Verzögerung zu spüren. Noch sind die Händler einigermaßen versorgt. Dieses Jahr wird es auf jeden Fall so sein, dass bereits im Mai oder Juni einige schwierige Monate auf die Händler und ihre Kunden zukommen, da sie so schnell keine neuen Räder bekommen werden können. Es ist nichts mehr zusätzlich bestellbar, egal bei wem und egal wo. Du kriegst nichts mehr. Das betrifft übrigens nicht nur das komplette Rad, sondern auch Zubehör und Ersatzteile.

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Welche Räder sind von dem Engpass besonders betroffen?

Irlbacher: In den letzten Jahren ging der Trend eindeutig zum E-Bike. Das ist auch immer noch ein riesiger Trend. So wie es heute – auch coronabedingt – aussieht, sind allerdings alle betroffen. Egal ob Mountainbike, Gravelbike oder Rennrad. Wir könnten unseren Export theoretisch um das Zwanzigfache erhöhen, so groß ist die Nachfrage. Aber natürlich haben wir dafür nicht die Ware. Denn da bekommen wir nur so viel, wie wir maximal für die nächsten zwei Jahre bestellen konnten.

Wird sich die spezielle Situation auch im Preis bemerkbar machen?

Irlbacher: Natürlich. Wir haben einerseits das Problem, dass die Ware nicht kommt. Andererseits eine allgemeine Preiserhöhung. Die Rohstoffpreise steigen extrem. Aluminium ist beispielsweise aktuell gar nicht verfügbar. Über die nächsten drei Jahre gehen wir von einer Preissteigerung von Minimum zwanzig Prozent aus. Das sind je nach Rad circa 60 bis 80 Euro.

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf Angebot und Nachfrage?

Irlbacher: Die Corona-Pandemie spielt da natürlich eine große Rolle. Denn sie motiviert die Leute dazu, vermehrt das Fahrrad zu benutzen. Das Rad hat in dieser Zeit eine ganz andere Akzeptanz. Das Angebot bleibt aber begrenzt. Die Lieferzeiten sind extrem und die Nachfrage ist enorm. Da kommt einfach alles zusammen. Es ist derzeit wirklich so, dass wir so viel es geht ausliefern und von den Händlern trotzdem noch fast jeden Tag beschimpft werden, weil es zu wenig ist. Das ist schon kurios.

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Kann man den aktuell entstandenen Rückstand irgendwann wieder aufholen?

Irlbacher: Nein. Wir haben eine Kapazität von 300 E-Bikes, die wir pro Tag produzieren können. Wir können aber auch morgen und übermorgen nur 300 machen. In zwei Wochen sind wir also mit 3000 Räder uneinholbar im Rückstand. Wir können nur versuchen, jetzt die Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken oder sie zu motivieren, Urlaub zu nehmen, um später, wenn hoffentlich wieder Material da ist, mit mehr Leuten produzieren zu können.

Irlbacher: Nein, so schlimm war es noch nie. Es gab schon einmal Zeiten, als zum Beispiel das Mountainbike auf den Markt kam oder das E-Bike boomte, wo wir mal sechs Wochen im Verzug waren. Das war aber eine ganz andere Dimension als jetzt.

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Was ist Ihr Tipp, wenn man sich für den Sommer noch ein Fahrrad zulegen will?

Irlbacher: Gehe jetzt so bald wie möglich zum Händler, lass dich beraten und entscheide dich zeitnah. Es ist immer schade, wenn man Geld ausgibt und bekommt nicht das Rad, was man gerne will. Stattdessen muss man sich dann eines kaufen, mit dem man dann vielleicht gar nicht so glücklich ist. Deswegen sollte man so früh wie möglich bestellen.

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