Bei Symposium „Logistik Innovativ“ in Prien: Weltneuheit für mehr Klimaschutz präsentiert

Nach der Zulassung für den Personennahverkehr soll das Transport System Bögl (TSB) als „Weltneuheit aus Bayern“ künftig auch im Gütertransport in Metropolen für Entlastung sorgen.
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Nach der Zulassung für den Personennahverkehr soll das Transport System Bögl (TSB) als „Weltneuheit aus Bayern“ künftig auch im Gütertransport in Metropolen für Entlastung sorgen.

Welchen Beitrag kann der Güterverkehr zur Reduzierung der CO2-Emissionen leisten, speziell durch die Verlagerung der Transporte von der Straße auf die Schiene? Mit dieser Frage und aktuellen Anwendungsbeispielen für die praktische Umsetzung beschäftigte sich das elfte Symposium „Logistik Innovativ“.

Von Axel Effner

Prien – Coronabedingt konnte der vom Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ) Prien organisierte Austausch mit 300 Teilnehmern aus der Logistikbranche, Industrie, Wissenschaft und Banken nur als Online-Veranstaltung stattfinden.

Wirkungsvolle CO2-Reduzierung

Karl Fischer, Geschäftsführer der Priener Gedankenschmiede, erklärte zur Einstimmung, dass es wichtig sei, für eine wirkungsvolle CO2-Reduzierung alle Betei-ligten des kombinierten Verkehrs, also des Güterverkehrs standardisierter Landeeinheiten auf verschiede-nen Verkehrsträgern, zusammenzubringen. Nur so sei das Ziel der EU-Kommission für einen „Europäischen Green Deal“ zu erreichen. Dass eine deutlich effektivere Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene zeitnah möglich sei, zeigen aktuelle Praxisprojekte, so Fischer.

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Der Rosenheimer Landrat und LKZ-Aufsichtsratsvorsitzende Otto Lederer bekräftigte die Notwendigkeit innovativer Lösungen in der Logistikkette. Die gelte gerade mit Blick auf die Problemlagen beim Nordzulauf des Brenner-Basistunnels, der den Landkreis direkt tangiere. Bayerns Bau- und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer zeigte auf, dass trotz der Probleme wie Innovationsstau, Preiskampf und Kapazitätsengpässen eine „weitere Verbesserung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit“ im Güterschienenverkehr notwendig sei.

Familienkonzern mit 6500 Mitarbeitern

Eine Weltneuheit aus Bayern stellte Johann Bögl, Geschäftsführer und Aufsichtsratsvorsitzender der Firmengruppe Max Bögl aus Neumarkt in der Opferpfalz, vor. Der Familienkonzern gehört mit 6500 Mitarbeitern weltweit und 1,7 Milliarden Euro Jahresumsatz zu den größten Bau-, Technologie- und Dienstleistungsun-ternehmen der deutschen Bauindustrie.

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Seit 20 Jahren beschäftigt sich das Unternehmen mit der Magnetbahntechnologie. Nach dem erfolgreichen Testbetrieb hat das vollautomatische Transport System Bögl (TSB) bereits eine Zulassung vom Eisenbahn-Bundesamt. Als leise, emissionsarme, platzsparende und flexible Lösung soll das fahrerlose Shuttlesystem in enger Taktung den Nahverkehr in Metropolen neu definieren. Neben der Teststrecke im heimischen Sengenthal wird der Fahrbetrieb seit kurzem auch auf einer 3,5 Kilometer langen Teststrecke im chinesischen Chengdu erprobt.

Erfolgreicher Einsatz im Personenverkehr

Wie Bögl erläuterte, soll das TSB nach dem erfolgreichen Einsatz im Personenverkehr nun auch als Weltneuheit „TSB Cargo“ für eine Entlastung im Güterverkehr sorgen. Denkbar sei etwa der Transport von Containern und Sattelanhängern aus einem Seehafen zu einem Terminal vor der Stadt, „wodurch die Innenstädte der Metropole vom Lkw-Verkehr entlastet werden“, erklärte Bögl. Wie bereits jetzt optimierte Logistikketten mit Fertigbauteilen bei der schnellen Realisierung von Großprojekten helfen, zeigte Bögl am Bau der Gigafactory von Tesla in Brandenburg, bei der die Firmengruppe miteingebunden ist.

Kooperation „Pure Green Pioneers“

Wie sich durch die Kooperation „Pure Green Pioneers“ mehr Güterverkehr auf die Schiene bringen lässt, stellten Albert Bastius und Franz Blum gemeinsam vor. Erster ist Produktionsvorstand von TX Logistik, einem der größten privaten Schienenlogistikunternehmen. Blum ist Gesellschafter und Geschäftsführer von Vegatrans, einer der größten Logistik-Dienstleister im Nutzfahrzeugtransport.

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Beide stellten zwei neue Umschlaglösungen vor, mit denen sich Adapter-Transportsysteme einfach und zeitsparend von der Straße auf die Schiene verladen lassen: Nikrasa macht nicht kranbare Sattelauflieger kranbar, roadrailLink (r2L) macht aus Standard-Taschenwagen Autotransport-Waggons für Nutzfahrzeuge. Blum zeigte sich überzeugt, dass sich durch „mehr grünes Bewusstsein und Verantwortung in den Führungsetagen“ viel bewegen ließe.

Nur fünf Prozent sind kranbar

Karl Fischer erklärte, dass von den 1,8 Millionen Sattelaufliegern, die jährlich den Brenner passieren, der-zeit gerade mal fünf Prozent kranbar seien. Aktuell mache die Schiene 22 Prozent des Güterverkehrs im bayerischen Inntal aus gegenüber 70 Prozent im alpenquerenden Verkehr durch die Schweiz. Auf über 70 Prozent bringe es der Schienenanteil beim Transport von Seehafengütern von Bayern nach Hamburg.

Harmonisierte Digitalisierung

Zusammen mit der neuentwickelten Standard-Ladeeinheit des Future Trailers böten Nikrasa und r2L die Möglichkeit für eine deutlich höhere Schienenauslastung und damit CO2-Einsparung, so Fischer. In der Diskussion waren sich die Experten einig, dass zusätzliche Verladeterminals und eine europaweit harmonisierte Digitalisierung des Schienenverkehrs weitere Voraussetzungen für eine Erhöhung der Akzeptanz seien.

Als Handlungsanweisung für die Erreichung der Klimaziele stellten die Symposionsteilnehmer den Zehn-Punkte-Plan „Green Deal on Track“ vor.

Wegweisende Lösungen, wie sich zugunsten des Klimaschutzes mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagern lässt, stellten die Teilnehmer des Symposiums vor: (von links) Moderator Tim-Oliver Frische (Deutsche Verkehrszeitung), Franz Blum (Vegatrans), Albert Bastius (TX Logistik) und Karl Fischer (LKZ Prien).

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