BDS-Vorsitzende Christine Knoll im Interview: „Branchen kämpfen mit Umsatzeinbußen“

„Regional einkaufen“: Mit diesen Bannern wollen die Kommunen Einzelhandel und Co unterstützen –– jetzt hat Feldkirchen-Westerham eine Broschüre herausgegeben.
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„Regional einkaufen“: Mit diesen Bannern wollen die Kommunen Einzelhandel und Co unterstützen –– jetzt hat Feldkirchen-Westerham eine Broschüre herausgegeben.

Regional gegen die Krise: „Mit Herz für die Region“ heißt die Kampagne, die Werbering und der Bund der Selbständigen (BDS) Mangfalltal mit den Kommunen Feldkirchen-Westerham, Bruckmühl und Bad Aibling auf die Beine gestellt haben. Wie die Kampagne läuft, erzählt BDS-Vorsitzende Christine Knoll im Interview.

Von Ines Weinzierl

Feldkirchen-Westerham –  Ziel dieser Aktion ist es, den Einzelhandel, Handwerk und Gastronomie zu unterstützen.

Frau Knoll, wie ist die Resonanz auf „Mit Herz für die Region“?

Christine Knoll: Die Aktion wurde durchweg positiv aufgenommen – sowohl von den Einzelhändlern und Gastronomen, als auch von den Kunden und Gästen. Die Bauzaunbanner und Plakate sind im ganzen Mangfalltal sichtbar – und bleiben nach wie vor aktuell. Einige Betriebe waren sogar sehr gerührt, als wir die Schoko-Herzen vorbeigebracht haben. „Schön, dass ihr an uns denkt.“

Wie ergeht es den Gewerbetreibenden jetzt?

Knoll: Die Situation ist für viele Betriebe immer noch sehr sensibel – auch wenn die Geschäfte und Gastronomien wieder geöffnet sind, haben einige Branchen aufgrund der einzuhaltenden Vorschriften mit andauernden Umsatzeinbußen zu kämpfen. Generell möchte ich aber auch anmerken, dass trotz der sehr schwierigen Zeiten, alle mit den ihnen verfügbaren Mitteln für ihr Unternehmen und ihre Mitarbeiter kämpfen. Hier ist eine starke Solidarität und Verantwortung zu spüren – und das zeichnet die klein- und mittelständischen Betriebe bei uns im Mangfalltal besonders aus. Grund genug, sich für den regionalen Einkauf zu entscheiden.

Mussten einige aufgeben?

Knoll: Mir persönlich ist keiner bekannt, der bisher aufgeben musste – auch wenn einige sehr stark gefährdet sind. Allerdings wird es sich erst in den nächsten Monaten herausstellen, ob die Umsatzausfälle mit bestehenden Reserven weiterhin ausgeglichen werden können – und wie lange, falls es erneut zu Einschränkungen kommen sollte. Die Liquidität zu halten oder wieder zu erlangen ist daher ein wesentlicher Faktor für die kommende Zeit. Die Reduzierung der Mehrwertsteuer hat durch den buchhalterischen Mehraufwand hier nicht unbedingt für eine Vereinfachung der Situation gesorgt.

Was kann jeder einzelne Bürger tun?

Knoll: Ich würde mir wünschen, dass wir zukünftig keine Pandemie mehr benötigen, um zu verstehen, wie wichtig es ist, Eigenverantwortung für ein abwechslungsreiches Angebot in der Region zu übernehmen. Und dass nicht Quantität, sondern eine konstante Qualität für ein nachhaltiges Wirtschaften zählt.

Die Gemeinde Feldkirchen-Westerham hat die Broschüre „Einkaufen & genießen...“ herausgegeben. Inwieweit kann sie unterstützend wirken?

Knoll:Bei der Recherche für die Erstellung der Broschüre, bin ich selbst überrascht gewesen, wie vielfältig das Angebot in Einzelhandel und Gastronomie in der Gemeinde ist. Eine Übersicht dieser Angebote ist daher eine sehr gute und informative Unterstützung für die Stärkung des regionalen Handels. Gerade auch im Druckformat, weil es sich immer wieder zeigt, dass eine „fühlbare“ Sichtbarkeit manchmal länger im Gedächtnis bleibt als in digitaler Form. Der Gewerbeverband begrüßt die proaktive Aktion für die Betriebe sehr.

24-seitige Broschüre der Gemeinde

Um lokale Betriebe zu unterstützen hat dieGemeinde Feldkirchen-Westerham jetzt die 24-seitige Broschüre „Einkaufen & genießen in Feldkirchen-Westerham“ herausgegeben. Die 5000 Exemplare sind in der Gemeinde versandt worden. Rund 90 Geschäfte und Betriebe, speziell aus den Bereichen Einzelhandel und Gastronomie, die in den Conora-Virus-bedingten Monaten starke Rückgänge und zum Teil hohe Verluste hinnehmen mussten, werden in Inseraten vorgestellt.

„Wir halten zusammen – jetzt erst recht“, schreibt Bürgermeister Hans Schaberl in seinem Grußwort. Und weiter: „Der Einkauf vor Ort bietet Vorteile –  gerade in dieser schwierigen Krisenzeit. Kurze Wege, regionale Produkte, individuelle Beratung, persönlicher Service, alles geht Hand in Hand.“ Der„Bund der Selbstständigen“ und der „Werbering Mangfalltal“ begrüßen Aktion. Für den Farbdruck und das Porto musste die Gemeinde 4000 Euro aufwenden. Diesen Betrag haben die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses ohne Gegenstimme abgesegnet. me

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