VdW Bayern: Wohnen muss bezahlbar sein

Für Bundesfinanzminister a.D. Theo Waigel ist Wohnraum Heimat.

Der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel war Gast bei der Herbsttagung der Bayerischen Wohnungswirtschaft in Reit im Winkl. Das Thema bezahlbarer Wohnraum stand im Mittelpunkt des Treffens, an dem rund 550 Vertreter aus Wohnungswirtschaft, Politik und Wissenschaft teilnahmen.

Reit im Winkl – Das Wohnen und Bauen der Zukunft waren die zentralen Themen der Fachtagung „VdW im Dialog“ des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) in Reit im Winkl. Rund 550 Teilnehmer aus Wohnungswirtschaft, Politik und Wissenschaft tagten im Festsaal. Gebäudedämmung und -sanierung seien wichtige Bestandteile für ökologisch-nachhaltiges Bauen, sagte der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber. sprach zum Thema „Vertrauen als Grundvoraussetzung für Handeln in Wirtschaft und Politik“.

Spannungsfeld und viele Anforderungen

Bürgermeister Josef Heigenhauser dankte dem VdW Bayern für die Treue, die er Reit im Winkl mit der Abhaltung dieser Wohnbautagung nun schon seit über 50 Jahren entgegenbringe. Auch für die Gemeinde Reit im Winkl stelle sich das Problem mit bezahlbarem Wohnraum.

Nahezu jede Immobilie, die hier auf den Markt komme, werde aktuell von Käufern erworben, die einen Zweitwohnsitz begründen wollten. Daher habe auch die Gemeinde, wie andere Orte in der Umgebung, dies deutlich erschwert.

Lesen Sie dazu auch diesen Bericht in den OVB-Heimatzeitungen.

Die derzeit herrschende Vollbeschäftigung im Handwerk führe andererseits auch dazu, dass man oft keine Firmen mehr bekomme oder die Baupreise deutlich überhöht seien, was die Gemeinde jetzt wieder bei zwei Hochwasserschutzprojekten erfahren habe.

„Die Wohnungswirtschaft befindet sich im Spannungsfeld zwischen dem Ziel, preisgünstige Wohnungen zu bauen und den Anforderungen Flächensparen, Klimaschutz und steigende Baukosten“, sagte Hans Maier, Verbandsdirektor des VdW Bayern, bei einer Podiumsdiskussion.

Der Branche müsse es gelingen, diese Herausforderungen in Einklang zu bringen. In seinem Vortrag betonte er, dass es in Bayern zu wenige bezahlbare Wohnungen gebe. Die prognostizierte Zuwanderung werde die Nachfrage noch verschärfen.

Gesprächsrunde mit der Politik

Bei einer Gesprächsrunde mit dem bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber, dem Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Horst Arnold, der baupolitischen Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Ursula Sowa, und Thomas Schmid, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Bauindustrieverbands, wurde über die zukünftigen Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau in Bayern diskutiert.

Verbandsdirektor Maier ging auf die Herausforderungen Flächensparen, klimaneutrales Bauen und die steigenden Baukosten ein.

Mehr Neubau notwendig

Sein Fazit: „Der Mangel an preisgünstigem Wohnraum muss durch mehr Neubau behoben werden.“ Dabei dürften die Anforderungen an das Wohnen nicht zu weiteren Belastungen für die Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen führen. „Wachsende Anforderungen bedeuten steigende Kosten. Gesamtgesellschaftlich muss diskutiert werden, wer welchen Teil der Rechnung bezahlen soll. In Frage kommen nur Vermieter, Mieter oder der Staat“, so der Verbandsdirektor. „Wir stehen vor großen Herausforderungen hinsichtlich enormer Baukostensteigerungen sowie der Grundstücksbevorratung und -beschaffung“, sagte Thorsten Glauber, der bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz. Die Bayerische Staatsregierung begegne dem mit einer Verstetigung der Wohnraumförderung auf hohem Niveau. Dem vor kurzem von der Bundesregierung verabschiedeten Klimaschutzpaket werde durch Förderung von ökologisch nachhaltigem Bauen begegnet. Gebäudedämmung und -sanierung seien dabei sehr wichtig. Dabei müssten erneuerbare Energien stärker eingebaut und Baustoffe angewandt werden, die nachhaltig seien. Als Beispiel nannte der Minister regionales Holz aus Bayern, das hier genügend vorhanden sei. „Bauen mit Holz, da stecken enorme Möglichkeiten drinnen“, versicherte er. Für die Umsetzung der vorgenommenen Maßnahmen habe sich die Staatsregierung als Ziel einen Zeitraum von fünf Jahren gesteckt. Lesen Sie dazu auch ein Interview mit dem neuen Obermeister der Zimmer-Innung Rosenheim, Thomas Pichler.

Stück Heimat und Wohlbefinden

„Die Wohnung ist ein Stück Heimat und gehört zum Wohlbefinden des Menschen“, sagte Bundesfinanzminister a.D. Theo Waigel, der einen Vortrag zum Thema „Vertrauen als Grundvoraussetzung für Handeln in Wirtschaft und Politik“ hielt. Kompromisse schließen und aufeinander Rücksicht nehmen seien in der Politik unabdingbar, stellte er fest.

„Es gibt keine Gräben zum politischen Gegner, die nicht überwunden werden können“, so eine seiner Kernaussagen. Dies sei besonders auch heute notwendig in einer Zeit, die unsicherer geworden sei. Da sei es besser, in der Zuversicht als in der Furcht zu leben. Und diese Zuversicht sollten die Tagungsteilnehmer auch den Menschen, mit denen sie kommunizieren würden, mit auf den Weg geben. sh

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