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GEFRAGTER ROHSTOFF HOLZ

Bauern im Wasserburger Land kämpfen mit den Folgen des Waldsterbens 2.0

Der Waldumbau läuft – die Vermarktung können einzelne Waldbauern heute kaum noch stemmen, Dachverbände wie die WBV übernehmen.
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Der Waldumbau läuft – die Vermarktung können einzelne Waldbauern heute kaum noch stemmen, Dachverbände wie die WBV übernehmen.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Eigentlich befindet sich der Wald in den Voralpen im gelobten Land: Nach wie vor gibt es ausreichend Niederschläge. Eigentlich. Denn auch in der Region Wasserburg-Haag sind die Waldbesitzer in Sorge.

Wasserburg/Haag – „Schrecklich, diese Bilder aus östlichen Landesteilen, in denen die Trockenheit den Wäldern so zusetzt, dass sie sterben“, seufzt Ortholf von Crailsheim. Ganze Landstriche drohen zu versteppen – „es sieht aus wie in der Mongolei“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Waldbesitzervereinigung (WBV) Wasserburg-Haag. Das „Waldsterben 2.0.“ trifft die Region vor allem südlich der Bundesstraße 12 kaum, denn der Niederschlag reicht aus, doch in Richtung Dorfen wird die Lage ebenfalls immer schwierig, sagt von Crailsheim.

Waldumbau für den Klimaschutz

Doch auch die Waldbauern im Bereich des WBV Wasserburg-Haag sehen sich gezwungen, den Wald umzubauen – eine wirtschaftliche Entscheidung, um den Enkeln einen Ertrag zu sichern. Denn die Ernte für einen Baum, der heute gepflanzt wird, kann erst die übernächste Generation einholen. Angesichts der Tatsache, dass der Klimawandel eingesetzt hat und Extremwetterereignisse mit Stürmen keine Seltenheit mehr sind, müssen neue Arten gepflanzt werden. Die Libanonzeder beispielsweise, die Küstentanne, die Douglasie – fremdländische Arten, die noch vor Jahren ein „No-Go“ waren. Wobei: Am Herder in Wasserburg steht eine Douglasie, die über 100 Jahre alt ist, berichtet von Crailsheim. Und verweist darauf, dass viele Arten, die heute als fremdländisch gelten, vor der Eiszeit im Wasserburger und Haager Land durchaus heimisch waren.

Die Waldbesitzer kämpfen jedoch nicht nur gegen die Auswirkungen des Klimawandels, sondern auch gegen Schädlinge wie den Borkenkäfer. An dieser Front erwarten sie jedoch in diesem Jahr eine Entspannung, denn das kühle Frühjahr hat dem Käfer zugesetzt. So schlimm wie 2018, als die Transport-Lkw mit gefälltem Käferholz in langen Schlangen vor den Sägewerken anstanden, wird es 2021 wohl nicht werden, vermutet WBV-Geschäftsführer Alexander Graßl.

Dafür spürt selbst der kleine Waldbauer in der Region Wasserburg-Haag die Auswirkungen des großen Weltmarktes. Da unter anderem Kanada nur wenig Holz exportiert, bedienen sich die USA auf dem europäischen Markt – und mit ihnen China. Der erhöhte Bedarf hat die Holzpreise steigen lassen, so Graßl – auf 120 Euro pro Festmeter beim Langholz und auf 110 Euro pro Festmeter beim Kurzholz – eine Verdoppelung. Eine solche Entwicklung habe es das letzte Mal vor 30 Jahren gegeben.

Jetzt gelt es für viele Waldbesitzer, zu überlegen – die guten Preise mitnehmen und jetzt einschlagen oder warten, ob noch mehr geht? Gefragt ist derzeit die Beratungsleistung der WBV. Sie unterstützt die 2193 Mitglieder bei der Vermarktung – „gemeinsam sind wir stark“, sagt Graßl, „wollen wir auf einem Weltmarkt bestehen, sollte nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen.“ Die Zeiten, in denen die Waldbauern persönlich den Preis aushandelten, sind vorbei, betont auch von Crailsheim. Er erinnert sich schmunzelnd daran, wie sein Vater bei einer Brotzeit mit dem kleinen Säger vor Ort sein Rundholz an den Mann brachte.

Vor der Säge Situation anders als nach der Säge

Außerdem legt Graßl Wert auf die Feststellung: „Alle reden über Lieferengpässe von Holz auf dem Bau. Die Lieferengpässe betreffen aber alle Bereiche. Die Bauholzpreise sind im Verhältnis zu anderen Rohstoffen sogar nur gering gestiegen“, betont der WBV-Geschäftsführer. „Der europäische Rundholzmarkt vor der Säge kann nicht mit dem weltweiten Schnittholzmarkt verglichen werden. Der Durchschnittserlös über alle Sägewerksprodukte liegt bei etwa 230 Euro pro Kubikmeter. Um den Rundholzerlös herzuleiten, dürfen keine Spitzenpreise von Schnittholz verwendet werden“, so seine Erfahrung. Vor der Säge sei die Situation anders als nach der Säge – nach wie vor sei viel Rundholz auf dem Markt.

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Trotzdem ist sich auch die WBV bewusst, was der heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Marcel Huber bereits so ausformulierte: „Das Holzzeitalter kommt.“ Dies sei auch eine Folge der Notwendigkeit, klimaneutral zu bauen. Die Waldbesitzer haben also ein Produkt, das gefragt ist. Umso wichtiger ist der Waldumbau, sagt Graßl – und fordert, dass die nachhaltige Bewirtschaftung der Waldbesitzer wertschätzend und gerecht entlohnt wird. Ein neuer Ansatzpunkt: das Proekt Klimaschutzwald mit TÜV-Co2-Zertifikaten.

Die Waldpolitik und ihre Auswirkungen

Die Geschäftsführung der Waldbesitzervereinigung Wasserburg-Haag hatte heuer alle Hände voll zu tun, auf die aktuellen waldpolitischen Maßnahmen von Bund und Land zu reagieren und die Mitglieder mit Informationen zu versorgen.

Beispiel Forstschäden-Ausgleichsgesetz : Die Verordnung des Bundes regelte den Holzeinschlag im Jahr 2021 mit Beschränkungen für die Fichte auf 85 Prozent des durchschnittlichen Einschlags der Jahre 2013 bis 2017. Ausnahmen gab es für kleine Waldbesitzer. Komplizierte Rechenmodelle waren notwendig, um den Mitgliedern die Anwendung zu verdeutlichen.

Beispiel Nachhaltigkeitsprämie des Bundes : Gut 1000 Mitglieder aus der WBV beantragten die Förderung, die es für Waldbauern gibt, die für ihre nachhaltige Bewirtschaftung zertifiziert sind. Die WBV könnte bezogen auf die gut 12.000 Hektar Mitgliedsfläche eine Rekordprämie von 1,2 Millionen Euro erreichen.

WBV-Vorsitzender Ortholf von Crailsheim
WBV-Geschäftsführer Alxander Graßl.

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