Bäckereien kämpfen – und mit ihnen der Bäckereimaschinenhersteller aus Rechtmehring

Firmengründer Kurt Wapler vor einem Transportband, mit dem die Teiglinge oder Rohprodukte zum nächsten Arbeitsgang transportiert werden. Sein Unternehmen bmTec GmbH hat sich auf Bäckereimaschinen spezialisiert.
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Firmengründer Kurt Wapler vor einem Transportband, mit dem die Teiglinge oder Rohprodukte zum nächsten Arbeitsgang transportiert werden. Sein Unternehmen bmTec GmbH hat sich auf Bäckereimaschinen spezialisiert.

Bäckereien gibt es viele, Hersteller von Bäckereimaschinen nur wenige. Ein Unternehmen, das sich hierauf spezialisiert hat, ist in Rechtmehring (Landkreis Mühldorf) ansässig: die bmTec GmbH.

Von Franz Manzinger

Rechtmehring – Gründer und geschäftsführender Gesellschafter Kurt Wapler, der den Betrieb mit dem für dem kaufmännischen Bereich zuständigen Geschäftsführer Alexander Sommer leitet, stellt fest: Obwohl Bäckereien beim Lockdown ihre Backwaren verkaufen durften, brachen die Umsätze aufgrund der geschlossenen Café-Bereiche stark ein. Das merkt auch der Maschinenhersteller.

Begonnen hat Firmengründer Wapler mit einer kleinen Kellerwerkstatt in Haag. Seit 2004 ist er in Rechtmehring. Waren es vor sechs Jahren noch 16 Mitarbeiter, sind derzeit etwa 40 für bmTEC tätig, darunter sieben Konstrukteure und 25 Mitarbeiter in Produktion und Montage. „Außerdem bilden wir jedes Jahr ein bis zwei junge Leute als Industriemechaniker aus“, sagt der Chef.

In der 2010 dazu genommenen, angemieteten Halle wird produziert und im seit 2004 betriebenen Gebäude erfolgt die Montage.

Technologisch eine Nische im Markt besetzt

Für Bäckereien ab etwa zehn Filialen sind die Maschinen des Rechtmehringer Unternehmens geeignet. Mit ihnen kann eine Bäckerei Teigwaren mit Salz oder Körnern bestreuen, Brezen „belaugen“ oder mittels Transportbändern die Backwaren zum nächsten Arbeitsschritt bringen. Auch Maschinen für das „Fettbacken“, zum Verarbeiten von Teig oder für die Kistenbestückung stellt die „Bakery Maschines Technologie“ her, die eine Nische besetzt. „Bei uns gibt es keine Produkte von der Stange, sondern ausschließlich Individualfertigungen für die Kunden“, sagt Wapler. Öfen und Kneter baut bmTEC nicht.

Die Kunden kommen überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum, wobei neben Europa auch knappe fünf Prozent der etwa fünf Millionen Euro Jahresumsatz außereuropäisch erzielt wird, berichtet der Geschäftsführer.

Sein Unternehmen hat in der über 20-jährigen Firmengeschichte Höhen und Tiefen erlebt. „Die Folgen der Finanzmarktkrise 2008 waren für uns kein Problem. Jetzt mit Corona ist das anders. Die Aufträge sind um etwa die Hälfte eingebrochen“, sagt der 58-Jährige.

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Bei seinen Kunden, den Bäckereien, herrsche im Moment starke Verunsicherung rund um die Folgen der Pandemie und ihre Auswirkungen. In vielen Bäckereien werde heute viel Umsatz mit dem Kaffeeausschank gemacht, der während des Lockdowns fast komplett weggebrochen war. „Das Brot haben die Kunden dann im Supermarkt gekauft.“

Innungsmeister: Jedes Jahr schließt ein Betrieb im Landkreis

Den Rückgang – vor allem kleinerer Handwerksbetriebe – bestätigt auch Werner Daumoser aus Rechtmehring, Innungsobermeister der Bäckerinnung im Landkreis Mühldorf. Er sieht die Entwicklung noch dramatischer als Wapler. „In den vergangenen Jahren hat meistens jeweils eine Bäckerei im Landkreis Mühldorf geschlossen“, so seine Erfahrung. Für Ein-Mann-Betriebe sei es fast unmöglich, die notwendigen Investitionen zu stemmen. „Und Bäckernachwuchs gibt es sehr wenig.“

Derzeit gehe es um den Zusammenschluss der Innungen Altötting und Mühldorf, letztlich aus den gleichen Gründen. Etwa 30 selbstständige Bäckereien zählen die beiden Landkreise noch. Wobei der Freistaat Bayern noch gut dastehe im Vergleich zu anderen Bundesländern, wo es noch mehr Großbetriebe gebe, so Daumoser.

Immer weniger kleine Handwerksbetriebe, immer mehr große Ketten mit vielen Filialen, die industriell fertigen: Dahin gehe die Entwicklung. Die bmTech GmbH, spezialisiert auf Maschinen für mittelständische oder größere Bäckereien, ist nicht nur vom Produktfolio, sondern auch personell für die Zukunft nach Corona gerüstet. Neben Waplers Frau werden bald auch beide Söhne in der Firma tätig sein. Die Unternehmensnachfolge ist also gesichert.

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