Autozulieferer ZF: In Aschau setzen Mitarbeiter ein Zeichen gegen den Stellenabbau

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Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen will in den nächsten Jahren in Deutschland bis zu 7500 Stellen abbauen. Welche Konsequenzen das für den Standort Aschau hat, ist bislang nicht bekannt.
  • Raphaela Lohmann
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Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen will in den nächsten Jahren weltweit bis zu 15.000 Stellen abbauen, die Hälfte davon in Deutschland. Bereits am  Mittwoch (24. Juni) haben Beschäftigte dagegen protestiert. Am Donnerstag beteiligen sich Mitarbeiter am Standort Aschau am Inn an den Aktionen.

Update 25. Juni 

Der Autokorso der Demonstranten ist gestartet. 

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24. Juni

Aschau – Die IG Metall hatte zu Protestaktionen an mehreren Standorten aufgerufen, unter anderem vor den Werkstoren in Passau und Bayreuth. Neben einer Kundgebung und einem anschließenden Autokorso in Nürnberg wollen heute auch Beschäftigte am Standort Aschau ein Zeichen setzen. Geplant ist ein Autokorso, der vom Werk zunächst nach Aschau führt und dann weiter zum Volksfestplatz in Waldkraiburg, wo abschließend eine Kundgebung geplant ist.

Anfang des Jahres Sparziele für den Standort Aschau ausgegeben

Ende Mai hatten Vorstandsvorsitzender Wolf-Henning Scheider und Personal-Vorständin Sabine Jaskula in einer Email an alle Mitarbeiter den geplanten Stellenabbau angekündigt. Darin war die Rede von einer angespannten Situation, in deren Folgen es auch Umsatzeinbußen gebe, war aus Mitarbeiterkreisen zu erfahren. Auch wenn die Mitarbeiter das höchste Gut des Unternehmens seien, gebe es keine andere Möglichkeit als einen Stellenabbau, um zukunfts- und krisensicher zu bleiben.

Auch in Aschau sorgen sich die Mitarbeiter um ihre Zukunft, dennoch haben manche einigermaßen gefasst auf die Mail reagiert, wie von Mitarbeitern zu erfahren war. Denn bereits Anfang des Jahres seien für Aschau Sparziele ausgegeben worden. Von 20 bis 25 Prozent sei die Rede gewesen. Ein möglicher Stellenabbau stand schon zu diesem Zeitpunkt im Raum.

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Was die Nachrichten aus Friedrichshafen aber nun konkret für den Standort Aschau bedeuten, darüber kann aktuell noch keine Aussage getroffen werden. Das bestätigt auch Jürgen Bogner, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Rosenheim. „Keiner weiß bislang, wie ein Konzept laufen soll. Man weiß auch nicht, ob sich das Unternehmen von bestimmen Sparten trennen will.“ Aktuell sei man intensiv im Austausch mit dem Standort wegen der Kurzarbeit.

Nicht kampflos aufgeben

Ziel der geplanten Aktionen sei es, Solidarität mit allen Standorten zu zeigen. „Es ist den Mitarbeitern nicht egal, was an den anderen Standorten passiert.“ Und es soll ein Zeichen sein in Richtung Konzernspitze, dass die Mitarbeiter bereit sind, etwas zu unternehmen. „Wir werden nicht kampflos aufgeben“, sagt Bogner.

Zu möglichen Auswirkungen auf einzelne Standorte kann das Unternehmen derzeit noch keine Aussagen treffen. „Die Corona-Pandemie hat die Automobilindustrie in eine beispiellose Krise gestürzt. Wir können verstehen, dass sich die Beschäftigten in dieser Situation Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen. Unser Ziel ist, mit den Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft in konkreten Verhandlungen ein zukunftsweisendes Gesamtkonzept für ZF und seine Mitarbeiter zu vereinbaren“, teil ein ZF-Sprecher auf Nachfrage mit. 

Nach der kürzlichen Übernahme von WABCO Holdings beschäftigt ZF Friedrichshafen weltweit rund 160 000 Mitarbeitern an rund 260 Standorten in 41 Ländern. Im Jahr 2019 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 36,5 Milliarden Euro. In Aschau entwickelt und produziert ZF mit rund 1200 Mitarbeitern Airbag-Gasgeneratoren für die Automobilindustrie. 

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