Ausbildungsbilanz für Rosenheim, Mühldorf und Traunstein: Viele Stellen, weniger Bewerber

Produktion und Handel im Trend: Die beliebtesten Berufe der aktuellen Azubis im Überblick.Klinger
+
Produktion und Handel im Trend: Die beliebtesten Berufe der aktuellen Azubis im Überblick.Klinger

Viele Stellen, weniger Bewerber: Dieses Fazit zieht die Bundesagentur für Arbeit für die Kreise Rosenheim, Mühldorf und Traunstein in puncto Ausbildung. Bei den beliebtesten Ausbildungsberufen machte der Kfz-Mechatroniker bei den Männern und die Medizinische Fachangestellte bei den Frauen das Rennen.

Von Korbinian Sautter

Rosenheim/Traunstein/Mühldorf – Für die Bezirke Rosenheim und Traunstein der Bundesagentur für Arbeit, die auch den Landkreis Mühldorf umfassen, ist ein schweres Ausbildungsjahr zu Ende gegangen. Neben den mittlerweile gewohnten Herausforderungen wie beispielsweise die sinkende Anzahl von Bewerbern für Ausbildungsberufe sorgte dieses Jahr auch das Coronavirus für eine unsichere Lage am Arbeitsmarkt. Einen Monat nach dem Ausbildungsstart sind beide Standorte dennoch zufrieden mit der Auswertung der Agentur-Bilanz.

Viele Plätze sind noch unbesetzt

„Wir freuen uns sehr, dass der Start in die betriebliche Ausbildung trotz der aktuell schwierigen Rahmenbedingungen vielfach geglückt ist“, erklärt Michael Vontra, der stellvertretende Leiter der Agentur für Arbeit Rosenheim, die neben Rosenheim die Landkreise Miesbach und Bad Tölz/Wolfratshausen abdeckt. Die insgesamt 2 829 Bewerber konnten demnach wie in den Vorjahren häufig zwischen mehreren Ausbildungsangeboten wählen. Denn mit 3 701 zu besetzenden Lehrstellen waren in diesem Zyklus 872 mehr Ausbildungsplätze als Bewerber gemeldet. Während also die Azubis die Qual der Wahl hatten, war es für die Betriebe schwer, ihre offenen Stellen zu besetzen.

Lesen Sie auch:Trotz Corona-Krise – Noch erholt sich der Arbeitsmarkt in der Region

Eine ähnliche Problematik zeichnete sich auch im Agenturbezirk Traunstein in letzter Zeit immer deutlicher ab, wie die dortige Vorsitzende Jutta Müller berichtet: „Um trotz sinkender Bewerberzahlen die Ausbildungsplätze zu besetzen, hat bei vielen Arbeitgebern ein Umdenken eingesetzt. Sie werben nun auch um ältere Kandidaten, anstatt sich nur auf die Schüler zu konzentrieren.“

Lesen Sie auch:Volkswirte warnen vor nächsten Corona-Auswirkungen – „Dürfte bis zum Frühjahr zum Erliegen kommen“

Trotzdem blieben auch in den zugehörigen Landkreisen Traunstein, Altötting, Berchtesgadener Land und Mühldorf 20,4 Prozent mehr Stellen unbesetzt als im Beratungsjahr zuvor. Die Bundesagentur ruft daher Spätentschlossene dazu auf, sich noch möglichst bald bei den zuständigen Beratungsstellen zu melden. Denn bis zum Ende des Kalenderjahres sei es für die Arbeitsagenturen nach wie vor möglich, einen passenden Ausbildungsplatz zu vermitteln.

Der Trend geht zur Weiterbildung

Der Grund für das sinkende Angebot ist laut Müller, neben dem Trend zum Besuch einer weiterführenden Schule in diesem Jahr auch auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen. „Durch den Lockdown im Frühjahr wurde die klassische Zeitschiene der Berufswahl unterbrochen. Zu Beginn des zweiten Schulhalbjahrs werden üblicherweise Praktika angetreten, es gibt Berufsinformationsveranstaltungen und Schulmessen.“ Doch diese persönlichen Informationsmöglichkeiten seien für die Ausbildungssuchenden dieses Jahr nicht im sonst üblichen Maße möglich gewesen.

Lesen Sie auch:Wie komme ich noch an einen Ausbildungsplatz?

An der geschlechtsspezifischen Berufsverteilung hat sich dagegen in beiden Bezirken kaum etwas geändert. Laut Vontra rangieren beispielsweise in Rosenheim bei den jungen Frauen wie im Vorjahr die medizinische Fachangestellte, die Kauffrau-Büromanagement und die Kauffrau im Einzelhandel auf den vordersten Plätzen. „Bei den jungen Männern standen, ebenfalls wie gewohnt, der Kfz-Mechatroniker, der Verkäufer und der Kaufmann im Einzelhandel ganz oben auf der Wunschliste der Zielberufe.“Ein nahezu identisches Bild lässt sich laut Müller auch in Traunstein erkennen.

Ausbildungsplätze für 2021 schon verfügbar

Bezüglich der zukünftigen Bewerber blickt der stellvertretende Rosenheimer Agenturleiter allerdings mit Sorge auf das vor ihm liegende Berufsberatungsjahr. Denn laut Vontra werden die Jugendlichen durch die bestehende Corona-Situation direkt an den Schulen nur schwer zu erreichen sein. Sein Tipp für alle Interessenten ist daher, sich schon jetzt auf direkten Weg mit der Berufsberatung in Verbindung zu setzen. „Es sind schon Ausbildungsplätze mit Starttermin im Sommer 2021 gemeldet. Wer sich jetzt schon um eine Stelle kümmert, kann sich auf die meisten und attraktivsten Angebote bewerben.“

Kommentare