NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

Auf diese Null ist die Privatmolkerei Bauer stolz

Die Privatmolkerei Bauer – im Bild das Firmengelände in Wasserburg – soll bis Ende 2021 komplett CO2-neutral werden.
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Die Privatmolkerei Bauer – im Bild das Firmengelände in Wasserburg – soll bis Ende 2021 komplett CO2-neutral werden.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Zahlen spielen bei Unternehmensbilanzen die größte Rolle: Eine Zahl will eigentlich niemand aufweisen: die 0. Doch die Privatmolkerei Bauer in Wasserburg legt viel Wert auf diese Ziffer. Das hat gute Gründe

Wasserburg – Die Privatmolkerei Bauer ist ihr Engagement zugunsten einer nachhaltigen Unternehmensführung zertifiziert worden.

Beispiel Klima: Bis Ende 2021 soll der Wasserburger Unternehmensstandort komplett CO2-neutral werden, teilt Geschäftsführer Dr. Michael Münch mit. Das heißt also: Die Privatmolkerei wird den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases auf null reduziert haben – ein wichtiger Beitrag auch zum Klimaschutz in Wasserburg, eine Stadt, die den Klimanotstand ausgerufen hat.

Geschäftsführer Dr. Michael Münch

Zu 100 Prozent Ökostrom

Ebenso wichtig wie die Null ist bei Bauer die Zahl 100: Bereits seit 2019 bezieht die Unternehmensgruppe zu 100 Prozent Ökostrom und betreibt Projekte zur Wasserreduzierung, erläutert Münch. Nahezu 100 Prozent der von der Privatmolkerei verarbeiteten Milch würden von eigenen Vertragsbauern aus dem Alpenvorland stammen – ab Jahresmitte sogar aus einem Umkreis von nur maximal 80 Kilometern.

Ein weiteres Ziel, an dem Bauer täglich arbeite, betreffe die Verpackungen: Sie sollen bis 2025 zu 100 Prozent recyclingfähig sein. Schon heute habe Bauer 100 Prozent seiner Kartonagen auf Papier aus nachhaltiger FSC-Waldwirtschaft umgestellt, der Kunststoffeinsatz sei um über 120 Tonnen reduziert worden.

Beispiel Tierwohl: Gemeinsam mit ihren Vertragsbauern fördere die Privatmolkerei Bauer eine artgerechte Haltung und Tiergesundheit, so Münch weiter. Dafür arbeite das Unternehmen oftmals über Generationen hinweg mit regionalen familiengeführten Höfen zusammen, die im Schnitt 45 Milchkühe halten würden. Ausnahmslos alle Tiere würden gentechnikfrei gefüttert. 100 Prozent der Milch sei QM-zertifiziert (Qualitätsstandard für Milcherzeugung), davon entspreche 96 Prozent der obersten Qualitätsstufe. Das nächste Etappenziel, das der Geschäftsführer ausgibt: Bis 2024 sollen 90 Prozent Laufstall- und Kombinationshaltung erreicht werden.

Beispiel Produkte: Die neue pflanzliche „GrünKraft“-Range soll sukzessive ausgebaut werden. Ziel sei es, bis zum Jahr 2025 etwa 25 Prozent des Umsatzes mit pflanzlichen Alternativen zu genieren, so Münch. Zentraler Rohstoff und damit auch der Mittelpunkt des Unternehmens bleibe jedoch die Milch. Hier habe sich die Privatmolkerei Bauer die Zuckerreduktion auf die Fahnen geschrieben. Bis Ende 2022 soll der durchschnittliche Zuckergehalt bei allen Bauer-Joghurtprodukten auf unter zehn Gramm sinken, teilt der Geschäftsführer weiter mit.

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Beispiel Mitarbeiter:Wirtschaftliche Ziele wollen nicht nur mit ökologischem Handeln in Einklang gebracht werden, auch die soziale Komponente spielt eine entscheidende Rolle, findet Münch. 30 Prozent der Belegschaft seien seit über 20 Jahren dabei. Die Kranken- und Fluktuationsquote liege bei jeweils nur vier Prozent. Fast 100 Prozent aller Mitarbeiter befänden sich in einem unbefristeten Beschäftigungsverhältnis.

Für dieses ganzheitliche Nachhaltigkeitsbemühen sind die Privatmolkerei Bauer und die J. Bauer GmbH &

o. KG mit dem Standard „Nachhaltiger Wirtschaften“ vom Zentrum für nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) zertifiziert worden. Damit bescheinigen die unabhängigen Prüfer auf Initiative der Universität Witten/Herdecke dem Molkereibetrieb eine ganzheitlich nachhaltige Unternehmensführung. „Die Auszeichnung der ZNU zeigt, dass wir in Sachen Nachhaltigkeit auf dem richtigen Weg sind“, freut sich Münch.

„Wenn man bis spät in die Nacht mit seinen Töchtern über den Klimawandel, Artenvielfalt und ‚Fridays for Future‘ diskutiert, dann kann man sich dieser Dringlichkeit einfach nicht entziehen“, so der Familienvater. „Ein Unternehmen, das sich nicht nachhaltig aufstellt, ist schlichtweg nicht mehr zukunftsfähig“, ist Münch überzeugt.

Energieeffizienz in Wasserburg

Eine wichtige Rolle spielen beim Ziel der Stadt Wasserburg, den CO2-Ausstoß zu redzieren, die Betriebe. Denn in der Innstadt verbrauchen Industrie und Gewerbe mehr als zwei Drittel der Endenergie. 13 Unternehmen haben sich zu einem Energieeffizienznetzwerk zusammengeschlossen. Sprecher der Initiative ist Wasserburgs Klimaschutzmanager Josef Allio von den Stadtwerken.

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