WIRTSCHAFTSFORUM MANGFALLTAL

„Auf breiter Basis zusammenarbeiten“

Roland Bräger, im „ersten Beruf“ Brauereidirektor bei Maxlrainer, will mit dem Wirtschaftsforum Mangfalltal einige Themen besonders vorantreiben. Dazu muss – mit dem Einverständnis seines Arbeitgebers – auch mal das Büro in der Brauerei genutzt werden. sen
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Roland Bräger, im „ersten Beruf“ Brauereidirektor bei Maxlrainer, will mit dem Wirtschaftsforum Mangfalltal einige Themen besonders vorantreiben. Dazu muss – mit dem Einverständnis seines Arbeitgebers – auch mal das Büro in der Brauerei genutzt werden. sen

Tuntenhausen – Brauereidirektor Roland Bräger hat einen ausgefüllten Arbeitstag in der Schlossbrauerei Maxl-rain.

Über seine zusätzliche Aufgabe, den Vorsitz des Wirtschaftsforums Mangfalltal e.V. – Ende Februar ist er ein Jahr im Amt – sagt er: „Ich bin mit vollem Herzen dabei, es macht mir großen Spaß.“ Von Stress also keine Spur; stattdessen hat sich Bräger mit seinem Vorstandsteam jede Menge Themen vorgenommen, die in die Praxis umgesetzt werden wollen. Die OVB-Heimatzeitungen haben mit ihm gesprochen.

Welche Themen bewegen die Unternehmer im Mangfalltal, was davon beschäftigt das Wirtschaftsforum?

Das ist auf jeden Fall das Thema Infrastruktur; da geht es zum einen um die starke Belastung der Straßen durch das steigende Verkehrsaufkommen, zum anderen um die Erreichbarkeit der Unternehmen im ländlichen Raum. Man muss es den Menschen einfach machen, ihren Arbeitsplatz zu erreichen, dabei spielt auch der Öffentliche Personennahverkehr eine Rolle. Was uns außerdem sehr beschäftigt, ist das Thema bezahlbarer Wohnraum. Wir werden uns demnächst in München Referenzprojekte der Bad Aiblinger B&O Gruppe ansehen, die dort auf bereits bebauten Flächen Wohnraum geschaffen hat. Mit der knappen Ressource Fläche umzugehen, ist ein Zukunftsthema, aber auch eines, das die Unternehmen als Arbeitgeber etwas angeht. Das Mangfalltal ist vollgebaut, hier leben rund 30 Prozent der Landkreisbewohner. Der Mittelstand kann einen Beitrag dazu leisten, alternative Wohnkonzepte zu entwickeln.

Wie könnte das in der Praxis aussehen?

Die Überlegungen sind noch ganz frisch, aber wir haben Ideen gesammelt, wie sich regionale Unternehmen zusammentun und gemeinsam Wohnprojekte für ihre Mitarbeiter verwirklichen könnten – denkbar sind beispielsweise genossenschaftliche Modelle; wer sich einbringt, erhält im Gegenzug Wohnraum, den er zur Verfügung stellen kann.

Was möchte das Wirtschaftsforum seinen Mitgliedern künftig bieten?

Zunächst eine Plattform, sich untereinander zu vernetzen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Beim Beaujolais-Empfang Ende 2017 in Kolbermoor haben wir gemerkt, dass das gut angenommen wird, wir haben dadurch auch neue Mitglieder gewonnen. Wir werden diesen Empfang alle zwei Jahre veranstalten. Grundsätzlich stellen wir uns vor, die Verbindung zwischen regionaler Wirtschaft und kommunaler Politik zu stärken, um Prozesse mit anzustoßen und mit unseren Ressourcen zu helfen, Ideen umzusetzen. Das kann, muss aber bei Weitem nicht immer finanzielle Hilfe sein, sondern auch Kontakte, Know-how, bestimmte Kompetenzen. Die Gemeinden des Mangfalltals wachsen ohnehin schon aufeinander zu; manche Projekte lassen sich gar nicht mehr im Alleingang verwirklichen.

Sie haben einmal gesagt, die Wirtschaft gestaltet nicht nur das ökonomische Umfeld einer Region, sondern auch deren Lebensräume.

Ja, indem die Unternehmen, die sich an einem Standort angesiedelt haben, zum Beispiel auch zur Gestaltung der Umgebung als Freizeitraum beitragen. Ob das nun Radwege sind, von denen es im Mangfalltal sicher noch genügend gibt, die man ausbauen könnte, oder andere Freizeitwerte – für die Arbeitgeber ein wichtiges Thema, da Freizeit ja auch bei den Fachkräften einen hohen Stellenwert hat.

Wie grenzt sich das Forum zum Gewerbeverband ab?

Wir verfolgen eine andere Strategie und uns beschäftigen größtenteils andere Fragestellungen als der Einzelhandel, den ja der Gewerbeverband vor allem vertritt. So haben die Mitglieder des Wirtschaftsforums eher nicht das Problem mit der Konkurrenz aus dem Internet wie der Einzelhandel. Abgrenzen wollen wir uns gar nicht, vielmehr können wir zusammenarbeiten.

Was ist Ihr persönliches Ziel, als Vorsitzender des Forums?

Ich möchte vor allem das Netzwerken weiterentwickeln. Das haben meine Vorgänger schon angefangen und auch mir macht es große Freude, Menschen zu vernetzen. Ich habe zum Glück viele Kontakte auch überregional, die ich einsetzen kann, da kommt mir mein Beruf entgegen (lacht). Interview: Elisabeth Sennhenn

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