IHK AUSBILDUNGSSCOUTS

Ansprache auf Augenhöhe

Stefanie Voss, Auszubildende Industriekauffrau bei Neenah Gessner GmbH. Privat

Welchen Beruf möchte ich später einmal lernen? Diese Frage stellen sich viele Schüler im Laufe ihrer Schulzeit. Die Ausbildungsscouts der Industrie- und Handelskammer (IHK) sollen hier Abhilfe schaffen. Dieser Tage hat die Kammer in den Landkreisen einige von ihnen für ihren Einsatz geehrt.

Rosenheim/Mühldorf– Die Ausbildungsscouts der IHK sind Auszubildende, die sich mindestens im zweiten Lehrjahr ihrer dualen Ausbildung befinden. In abgangsnahen Schulklassen stellen sie ihren Ausbildungsberuf vor und beantworten Fragen der Schüler. Da zwischen den Schülern und den Azubis oft kein großer Altersunterschied liegt, kommt eine Ansprache auf Augenhöhe zustande. Die Scouts werden auf die Schuleinsätze von der IHK vorbereitet. Mehr als 1 600 Ausbildungsscouts haben seit dem Start des Projekts im Jahr 2016 rund 41 000 Schüler an fast 500 Schulen im Freistaat erreicht, darunter 100 Gymnasien. Im Raum Südostbayern sind es bisher 3000 Schüler.

„Die Scouts besuchen ein eintägiges Seminar und bekommen danach ein Zertifikat der IHK“, beschreibt Martina Rudolf, Regionalkoordinatorin der IHK-Ausbildungsscouts für Südostbayern den unkomplizierten Schulungsvorgang.

Wegen des großen Zuspruchs von Azubis und Schulen gleichermaßen, wurde das Projekt – es ist gefördert vom Bayerischen Wirtschaftsministerium – nun für drei Jahre verlängert. Ab Mitte des Jahres wolle man eine flächendeckende Präsenz in ganz Oberbayern sicherstellen, sagt Wolfgang Janhsen, Leiter der IHK Geschäftsstelle Rosenheim. Ein großer Teil der beteiligten Firmen habe Interesse an einer dauerhaften Zusammenarbeit.

Sophia Zängerl, auszubildende Kauffrau im Bereich Tourismus und Freizeit bei der Tourist Info Aschau im Chiemgau, ist einer der Scouts. Sie berichtet den OVB-Heimatzeitungen von vielen positiven Erfahrungen. Besonders in Erinnerung sei ihr ein Schüler geblieben, der sie gefragt habe, wieso sie denn eine Ausbildung mache, obwohl sie Abitur habe. „Mir ist dadurch klar geworden, wie sehr in den Köpfen der Schüler verankert ist, dass man mit Abitur studieren müsste“, erzählt die 22-Jährige. Für sie war eine Ausbildung genau der richtige Weg nach dem Abitur. In den Klassen werde nach ihrem Vortrag häufig nach Praktika in ihrer Berufsrichtung gefragt.

Auch Stefanie Voss, 20 Jahre und Auszubildende zur Industriekauffrau bei der Neenah Gessner GmbH in Bruckmühl berichtet von ihren Schuleinsätzen. Es habe ihr viel Spaß gemacht, den Schülern ihren Beruf vorzustellen. Den Schülern erzähle sie zum Beispiel, dass sie viele Abteilungen für eine gewisse Zeit durchlaufe und in jeder eigenverantwortlich Aufgaben erledigen kann. Am Scoutprojekt gefalle ihr, dass sie dadurch selbst viele Berufe kennengelernt habe. Denn die Scouts treten immer im Doppelpack vor eine Klasse und stellen zwei Berufe aus unterschiedlichen Richtungen vor.

Lisa Sandner ist Auszubildende Oberflächenbeschich terin bei der ODU GmbH in Mühldorf. Für sie es keine große Überwindung gewesen, vor den Schülern zu sprechen. „Es ist sehr interessant zu sehen, wie die Schüler auf einen eher unbekannten Beruf reagieren“, so die 20-Jährige. Gerade zu ihrem bekomme sie viele Fragen gestellt, weil er nicht so gängig sei. Auch Sandner würde das Projekt anderen Azubis weiterempfehlen: „So lernt man neue Leute kennen und kann herausfinden, wie man selbst auf andere wirkt.“

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