Maschinenbauer Wackerbauer: Von Ampfing auf den Weltmarkt

Maschinenbauer in dritter Generation:Die Geschwister Claudia und Günther Wackerbauer aus Ampfing (Landkreis Mühldorf). Im Hintergrund: eine Maschine, die Fremdstoffe wie Plastik oder Glas aus Speiseresten filtern kann. Weltweit nutzen Betreiber von Biogasanlagen die Maschinen. 50 Stück wurden ins Ausland verkauft. Jochim
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Maschinenbauer in dritter Generation:Die Geschwister Claudia und Günther Wackerbauer aus Ampfing (Landkreis Mühldorf). Im Hintergrund: eine Maschine, die Fremdstoffe wie Plastik oder Glas aus Speiseresten filtern kann. Weltweit nutzen Betreiber von Biogasanlagen die Maschinen. 50 Stück wurden ins Ausland verkauft. Jochim

Biomüll und Hubschrauber haben wenig miteinander zu tun: Aber genau darauf beruht der Erfolg des Maschinenbauers Wackerbauer. Weltweit nutzen Hubschrauberstaffeln und Biogaserzeuger die Spezialmaschinen aus Ampfing. Dafür gab es den Exportpreis Bayern.

VON SEBASTIAN HÖLZLE

Ampfing – Als sich Johann Wackerbauer Ende der 30er-Jahre selbstständig machte, hatte er mit dem Exportgeschäft wenig zu tun. Johann Wackerbauer war Zimmerer und Mühlenbaumeister, 1938 gründete er mit seiner Ehefrau Therese in Mühldorf einen Mühlenbaubetrieb.

Mit Erfolg: 1947 beschäftigte er in seiner Firma rund 60 Mitarbeiter. Nach dem Krieg erschien es aber so, als hätte Wackerbauer seine besten Jahre hinter sich. Kleinmühlen, die mit Wasserkraft liefen, wurden mehr und mehr zum Auslaufmodell.

 

Lösungen kommen von Wackerbau

Als 1985 der Sohn des Firmengründers, Hans-Günther Wackerbauer, das Unternehmen übernahm, war der Betrieb längst zu einem klassischen Maschinenbaubetrieb geworden. Kunden aus der Lebensmittel-, Chemie- oder Luftfahrtindustrie zählten zu den Kunden. Die Unternehmen benötigten eine spezielle Anlage – Wackerbauer entwickelte die Lösung. Nur eines gab es nicht: Eine Maschine, die immer wieder aufs Neue gebaut und ausgeliefert werden konnte.

Das änderte sich nach der Jahrtausendwende. 2001 wurde Wackerbauer vom Hubschrauberbauer Eurocopter – heute Airbus – gefragt, ob es möglich sei, ein kleines Fahrzeug zu bauen, mit dem Hubschrauber vom Landeplatz in den Hangar transportiert werden können. Die Maschinenbauer aus Ampfing waren sich sicher: Das geht. Die Idee des „Helilifter“ war geboren. „Die Herausforderung für uns bestand darin, dass unser Bauteil nicht versagen darf, denn sonst kommt der Hubschrauber nicht in die Luft“, erinnert sich Claudia Wackerbauer.

Ein Hubschrauber der österreichischen Flugpolizei mit einem Helilifter von Wackerbauer. 

Die Lösung der Ingenieure: Eine Hydraulik hebt den Hubschrauber an, der Helilifter nimmt den Hubschrauber Huckepack, per Fernsteuerung wird er an seinen Bestimmungsort gefahren. 2001 lieferte Eurocopter erstmals einen Hubschrauber gemeinsam mit einem Helilifter aus Ampfing an einen Kunden nach Frankreich. Die Rettungskräfte der dortigen Sécurité civile hatten den Hubschrauber samt dem neuen Zubehör bestellt. Mit dem Helilifter war der Hubschrauber der französischen Luftretter innerhalb weniger Minuten einsatzbereit. Immer öfter interessierten sich nun Hubschrauberflotten für den Helilifter, das Gerät wurde zum Exportschlager.

Helilifter als Export-Schlager

Bilanz nach knapp 20 Jahren: „180 Helilifter haben wir inzwischen verkauft, davon gingen 150 in den Export“, sagt Claudia Wackerbauer. In Deutschland sind es die Bundespolizei und die Sicherheitsbehörden der Bundesländer, die auf die Helilifter aus Ampfing angewiesen sind. Auch nutzen Sicherheitsbehörden unter anderem in Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Spanien und Polen den Hubschraubertransporter. Selbst in Thailand, Usbekistan, Australien, Peru Marokko und in den USA ist das Gerät im Einsatz. Und der Helilifter sollte nicht der einzige Exporterfolg für Wackerbauer bleiben. Der Grund war ausgerechnet eine neue Verordnung der Europäischen Union. 2006 stoppte die EU die bis dahin gängigePraxis, Lebensmittelreste an Schweine zu verfüttern.

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Die Folge des Verbots: Speisereste wurden ab sofort massenweise in Biogasanlagen verbracht, um dort aus den Gärgasen Strom zu erzeugen. Ein Problem blieb: In Speiseresten und Bioabfall fanden sich oft Fremdkörper wie Plastik oder Glas.

Auch nach Rückrufaktionen im Einzelhandel konnten die Biogaserzeuger die Joghurtbecher aus Plastik nicht einfach mitsamt dem Inhalt in die Anlagen werfen. Die Lösung für das Problem hatte Wackerbauer. Mit Sortieranlagen kannte sich der Betrieb bereits aus. „2009 haben wir eine Anfrage bekommen, ob unsere Maschinen auch in der Lage sind, Plastik und Tetrapaks aus Speiseresten auszusieben“, sagt Claudia Wackerbauer.

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Ihr Bruder Günther entwickelte gemeinsam mit seinem Vater eine Trennmühle, die genau das konnte. War beispielsweise ein Kühllaster mit Lebensmittel versehentlich im Sommer auf der Autobahn liegen geblieben und warm geworden, konnte die gesamte Lastwagenladung in die Wackerbauer-Maschine gekippt werden. Zuverlässig filterte der Apparat die Fremdstoffe aus den Speiseresten. Übrig blieb eine Art Püree, das in Kraftwerken zu Strom und später zu Dünger verarbeitet werden konnte.

Trennmühle entwickelt

Damit hatte Wackerbauer ein zweites Produkt, für das sich weltweit immer mehr Kunden interessierten. „65 Trennmühlen haben wir inzwischen gebaut – 50 davon gingen ins Ausland“, sagt Claudia Wackerbauer. Heute arbeiten die Biomülltrenner aus Ampfing unter anderem in Österreich, Italien, Dänemark, Spanien und Kanada.

Inzwischen macht Wackerbauer die Hälfte seines Umsatzes mit den beiden Exportschlagern. Die andere Hälfte entfällt nach wie vor auf Spezialanfertigungen. Seit fünf Jahren führt Claudia Wackerbauer gemeinsam mit ihrem Bruder Günther das Unternehmen. 25 Mitarbeiter hat ihr Betrieb.

Wachstum weiterangestrebt

Trotz ihrer Erfolge bleibt das Führungsduo bescheiden: Zwar strebt das Unternehmen auch in Zukunft Wachstum an, hat aber eine ganz eigene Vorstellung davon: „Wachstum zeigt sich bei uns nicht in der Anzahl der Köpfe oder in mehr Umsatz: Wir wollen uns technologisch verbessern“, sagt die Chefin. Die Qualität der Produkte müsse stimmen und die Qualifizierung der Mitarbeiter gewährleistet sein. Denn gerade auf dem Weltmarkt gilt: „Einfach und billig können andere – wir dagegen liefern Qualität“, verspricht die Ingenieurin.

Einziger Ausweg: Statt sich auf den Mühlenbau zu beschränken, entwickelte Wackerbauer auch andere Maschinen für die Industrie. „Heute würde man sagen, mein Großvater hat das Produktportfolio erweitert“, sagt Claudia Wackerbauer, die Enkelin des Firmengründers. Lösungen kommen von Wackerbauer

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