Vom Ampfing aus nach Europa

Firmengründer Manfred Nutz (links) mit Geschäftsführer Christian Gruber.

Die Handwerker sind noch recht beschäftigt, es riecht nach frisch gestrichenen Wänden und Holz: Erst vor knapp zwei Wochen haben die 188 Mitarbeiter des Elektrotechnikspezialisten Nutz die Räumlichkeiten am neuen Firmensitz in Ampfing bezogen.

Ampfing – In unmittelbarer Nähe der Autobahn A94 hat die ursprünglich in Aschau am Inn beheimatete, mittelständische Nutz GmbH, einer der europaweit führenden Anbieter auf dem Gebiet der Sicherheitstechnik, ein 13 000 Quadratmeter großes Gelände erworben. Die neu errichtete Firmenzentrale ist aktuell zu rund 75 Prozent belegt. Nutz war das erste Unternehmen, das sich im neu ausgewiesenen Ampfinger Gewerbegebiet angesiedelt hat.

Entscheidung gegen Aschau am Inn

Für Ampfings Ersten Bürgermeister Josef Grundner eine Bestätigung dafür, dass die kleine Gemeinde in der Mitte des Landkreises Mühldorf ein Anziehungspunkt für Industrie und Gewerbe ist und so Arbeitsplätze gesichert werden oder neu entstehen (siehe Infokasten).

Während sich Grundner über den Neuzugang freut, findet es Alois Salzeder, Erster Bürgermeister der Gemeinde Aschau am Inn, schade, dass mit Nutz ein alteingesessener Betrieb das örtliche Industriegebiet verlassen hat. Denn der Standort Aschau, obgleich zehn Kilometer von der A94 entfernt, habe viele Vorteile: „Der Weg vom Autobahnanschluss Weidenbach bis in unser Industriegebiet verläuft durch keine Ortschaft und ist daher gut für Schwerlast- und Gefahrguttransport geeignet. Das gilt auch für den Schienentransport.“ Die Unternehmen auf der 70 Hektar großen Fläche –  von internationalen Konzerntöchtern wie Rheinmetall oder ZF bis hin zu mittelständischen Spezialisten wie die Linster AG – bieten immerhin rund 2500 Menschen einen Arbeitsplatz. Der Aschauer Hebesatz ist mit 300 Prozentpunkten niedriger als der Ampfinger mit 330 Punkten. „Wir hätten auch ein Grundstück für die Nutz GmbH gehabt“, so Bürgermeister Salzeder, „aber wir respektieren freilich die Entscheidung, in die Nachbargemeinde zu ziehen.“

Rund 6,7 Millionen Euro hat die Nutz GmbH in den neuen Standort investiert. Geschäftsführer Christian Gruber schildert mit Blick auf verschneite Ampfinger Äcker, dass er und Firmengründer Manfred Nutz – der sich Ende 2018 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat – es sich nicht leichtgemacht hätten mit der Entscheidung für den neuen Standort.

Ausschlaggebend sei gewesen, dass man nun dreimal so viel Fläche wie in Aschau zur Verfügung hätte und dazu noch das An- und Vorkaufsrecht für die angrenzenden, weiteren 12 000 Quadratmeter. Denn die Nutz GmbH wächst, erschließt sich neue Geschäftsfelder. Elektro- und Sicherheitstechnik mit jeweils einem Kern- und einem Großprojektbereich bilden die Schwerpunkte der Leistungen. Dazu kommt die Planung und Projektierung. Ein zukünftiges Standbein soll die Gebäudeautomation werden.

Vor 40 Jahren von Manfred Nutz als Garagenunternehmen ins Leben gerufen, beschäftigt der Betrieb heute europaweit rund 280 Mitarbeiter an acht Standorten, machte zuletzt 33 Millionen Euro Jahresumsatz.

Die Strukturen sind familiär geblieben; Christian Gruber war vor 35 Jahren selbst der erste Auszubildende. Neben der integralen Sicherheitstechnik gehören Brand- und Einbruchmeldetechnik sowie Zugangskontrollen zum Portfolio sowie ausgeklügelte Sicherheitsmanagementsysteme. Die Kunden: Industrie und Konzerne, darunter etwa namhafte aus dem Bereich Technologie und Pharma sowie Großbanken. Unternehmen, die sich in einem potenziell risikoreichen Feld bewegen, sich und ihren Mitarbeiter ein gewisses Maß an Schutz gewähren wollen – oder müssen.

Gruber nennt ein Beispiel aus der Praxis, um zu verdeutlichen, was ein Sicherheitsmanagementsystem für einen Auftraggeber bedeutet: Ein deutscher Konzern möchte die Vision eines Bildungscampus´ auf dem eigenen Gelände in Innenstadtlage realisieren. Nutz entwirft dazu ein in Zonen eingeteiltes Sicherheitskonzept und bezieht alle möglichen Risikofaktoren im Vorfeld dafür ein. „Sind alle Risiken mit einbezogen, stellen wir dem Kunden dar, welche Sicherheitstechnik für sein Projekt erforderlich sein könnte – von der Parkplatzschranke über Frauenstellplätze bis hin zur Videoüberwachung des kompletten Geländes.“ Bei Nutz arbeitet man derzeit auch an der Umsetzung einer 24/7-Servicezentrale, zusätzlich zu der bereits bestehenden, um rund um die Uhr in Notrufbereitschaft zu sein.

Gebäudetechnik hilft, Kosten zu sparen

Ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld ist der Bereich Gebäudeautomation mit dem Feld intelligente Gebäudetechnik. Zielgruppe sind hier der Hallen- und Industriebau. Zwei Zeiterscheinungen trägt Nutz hier Rechnung, wie Gruber erläutert: Dem Trend „Technik aus einer Hand“, indem Elektro-, Daten-, Sicherheits- und Medientechnik von einem Dienstleister ausgeführt werden. „Kunden wollen Schnittstellen verständlicherweise aus Zeit- und Kostengründen vermeiden. Wir werden mehr und mehr zum Generalunternehmer.“ Zum anderen seien die Nebenkosten eines Gebäudes mittlerweile die „zweite Miete“. Energieeffizientes Bauen sei schon lange nicht mehr nur für Private inte ressant: „Intelligente Gebäudetechnik steigert die Attraktivität eines Objekts.“ Von Ampfing aus will man bei Nutz auch auf diesem Gebiet eine führende Rolle anstreben.

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