SERIE: WIE GEHT INNOVATION? INTERNET DER DINGE BEI HÖHENRAINER DELIKATESSEN

Alles im Datenfluss

Maschinendaten direkt aufs Handydes Produktionsleiters: Höhenrainer-IT-Leiter Florian Kunze (kleines Bild) beschreibt, wie die smarte Industrie 4.0-Lösung die Alltagsarbeit entlastet. Mobile2b/re

Die Lebensmittelbranche ist im Wandel: Smarte Industrie 4.0-Ansätze halten Einzug, so auch bei der Höhenrainer Delikatessen GmbH in Großhöhenrain. Im Familienunternehmen wollte man erst einmal in kleinen Schritten vorgehen, wenn man sich auch an das globale Thema „Internet of Things“ – kurz: IoT – herangewagt hat.

Großhöhenrain – Höhenrainer wertet Maschinendaten seit Neuestem in Echtzeit aus und sendet relevante Informationen automatisiert an mobile Endgeräte, etwa das Smartphone. Die Maschinen wurden dafür mit einer Hardware ausgestattet, deren Sensormodule vereinfacht ausgedrückt die Daten sammeln und sie an eine Cloud weiter senden. Die Führungskräfte, zum Beispiel der Produktionsleiter, werden so frühzeitig über eine eigens entwickelte App informiert, sollte es zu Ausfällen oder anderen Ereignissen in der Produktion kommen. „Das erleichtert ihren Arbeitsalltag enorm“, weiß Florian Kunze, IT-Leiter des Unternehmens, zu berichten. „Führungskräfte haben stets einen topaktuellen Überblick über alle relevanten Prozesse. Fällt eine Maschine aus, wird automatisch ein Reparaturauftrag erstellt und an den verantwortlichen Mitarbeiter weitergeleitet.“ Kunze ist verantwortlich für die Umsetzung der digitalen Transformation des Geflügelfleischproduzenten. „Wie können wir unsere Prozesse in der Produktion durch digitale Hilfsmittel noch effizienter gestalten und vor allem den Kollegen die digitale Welt nahebringen?“, erklärt er die ursprüngliche Fragestellung.

Auch ältere Maschinen nachrüstbar

Zur Umsetzung des Projekts habe man sich den Digitalisierungsexperten Mobile2b aus Köln ins Boot geholt. Wichtig sei auch gewesen, so Kunze, dass dieser Einstieg in die Digitalisierung nicht zu viel Zeit und finanzielle Ressourcen binde: „Von der ersten Idee bis zur Umsetzung ging gerade einmal ein Monat ins Land.“ Mit dem beauftragten Softwarespezialisten habe man zunächst bei geringem finanziellem Aufwand getestet, „ob die Lösung auch in der Realität hält, was sie verspricht.“ Nach den ersten, positiven Ergebnissen habe man Schritt für Schritt weitere Anlagen industrie-4.0-fähig gemacht. Die genauen Kosten für die Entwicklung der Datenlösung und der App will Kunze nicht nennen – die nun laufenden Kosten bezeichnet er als „überschaubar“.

Der Einsatz einer sogenannten Retrofit-IoT-Lösung habe sich ebenso als kostengünstig erwiesen: „Wir konnten so selbst unsere bestehenden Maschinen einer Frischzellenkur unterziehen und ins Industrie 4.0-Zeitalter überführen.“ Retrofit-Lösungen, erklärt der IT-Experte, sorgten dafür, dass auch bestehende, ältere Maschinen mit geringem Aufwand nachgerüstet werden können. „In vielen Industriebetrieben ist die Industrie-4.0-Anlage noch fern der Wirklichkeit. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass ältere Maschinen im Einsatz sind, die noch nicht über die nötigen Schnittstellen verfügen.“

Insgesamt ließen sich durch die digitale Lösung Kosten bei Betrieb und Instandhaltung von Maschinen sowie Anlagen weiter reduzieren: „Durch die App entstehen Einsparungen an verschiedenen Stellen. Es gibt weniger Zeit- und Reibungsverluste, da Produktionsdaten in Echtzeit automatisch erfasst werden und in ausgewerteter Form den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden.“

Durch das digitale System würden auch bisher papierbasierte Prozesse in der Produktion abgelöst. Operativ tätige Mitarbeiter erhielten Arbeitsaufträge mitsamt aller erforderlichen Dokumente auf das Smartphone oder Tablet. „Nach Beendigung einer Aufgabe oder eines Auftrags fließen alle erfassten Daten automatisch ins IT-System.“

Immer mehr Vorgänge sind papierlos

Die Archivierung von Papierstapeln falle weg. „Digitale Formulare lassen sich in wenigen Sekunden abrufen, auswerten und weiter verschicken.“ Die Verwaltungskosten im Bereich der Instandhaltung und Wartung hätten sich dadurch allein um rund 60 Prozent gegenüber den papierbasierten Abläufen reduziert, weiß man bei Höhenrainer schon jetzt. „Aufgrund unserer Erfahrungswerte gehen wir davon aus, dass die eigentlichen Instandhaltungsaufgaben mit App-Unterstützung um etwa 30 Prozent schneller durchgeführt werden können“, rechnet Kunze vor.

Florian Lechner, Inhaber der Höhenrainer Delikatessen GmbH, stellt sich bereits weitere smarte Lösungen für den Betrieb vor: „Ein nächster Schritt könnte die Vertiefung der ,Predictive Analytics‘-Anwendung sein, die auf einer Künstlichen Intelligenz basiert.“ Die anfallenden Daten würden analysiert und daraus automatisch Vorhersagen über zukünftige Ereignisse getätigt. „Fällt beispielsweise eine Maschinenkomponente immer dann aus, wenn eine bestimmte Temperatur über einen gewissen Zeitraum überschritten wird, warnt die Industrie 4.0-Lösung rechtzeitig.“ Allerdings, so Lechner, stünde im Bereich der Digitalisierung nach wie vor der Mensch im Mittelpunkt. Die Herausforderungen schaffe man nur gemeinsam mit den Mitarbeitern. „Wir nehmen alle auf die Reise mit.“

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