Statt Corona-Zettelwirtschaft: Aiblinger entwickelt Corona-Registrierungs-Tool für die Gastro

Der Bad Aiblinger Stefan Michalk hat das Registrierungstool www.darfichrein.de eingerichtet.
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Der Bad Aiblinger Stefan Michalk hat das Registrierungstool www.darfichrein.de eingerichtet.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Bad AiblingDie corona-bedingte Zettelwirtschaft in der Gastronomioe könnte bald ein Ende haben. Der Bad Aiblinger Stefan Michalk (32) hat gemeinsam mit dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) ein Online-Regiestrierungstool entwickelt. Wie es funktioniert, verrät der Softwarespezialist im Interview.

Wie viele Zettel habe Sie ausgefüllt, um in einem Lokal Platz zu nehmen?

Stefan Michalk: Einen bei meinem Friseur. Im Lokal gar keinen. Ich habe Menschenansammlungen vermieden. Das Klischee des Entwicklers also vollständig erfüllt. (lacht)

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, so ein Tool einzurichten?

Michalk: Ich fand die Form der Kontaktdatenerhebung datenschutzrechtlich äußert bedenklich. Die Liste war mit persönlichen Informationen für mich einsehbar. Ein böses Foul nach Datenschutz-Grundverordnung.

Für wen ist es gedacht?

Michalk: Die erste Intention war es, die Webanwendung gerade im Bereich der Gastronomie zu etablieren. Jetzt haben sich aber so viele andere Zielgruppen ergeben, die uns nutzen, mit denen wir gar nicht gerechnet haben: Universitäten, Freibäder, Unternehmen, um ihre Meetingt eilnehmer zu protokollieren, selbst ganze Kommunen setzen es ein.

Welche Vorteile haben die Gewerbetreibenden?

Michalk:Sie müssen sich weder um den endlosen Papiernachschub, noch um das Aufbewahren und Vernichten der Kontaktinformationen kümmern. Sie müssen sich nur einmal registrieren und den QR-Code ausdrucken.

Warum sollen es Gäste nutzen?

Michalk: Für mich als Gast trage ich ein einziges Mal meine Daten in der Web-Anwendung ein und kann dann in jedem anderen Lokal/Unternehmen, welches Darfichrein.de nutzt, einchecken. Es ist schnell und bequem – und nur via PIN gesichert auf dem Smartphone.

Wie viel Zeit haben Sie für die Entwicklung benötigt?

Michalk: Der Prototyp stand innerhalb eines Wochenendes. Die Idee mit dem Tool ist in der Community des Hackathons der Bundesregierung geboren. Dort kam ich mit Dominik Wörner von der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB) an einem Freitagnachmittag ins Gespräch. Er bat mich, bis Montag eine kleine Präsentation zu erstellen mit der Idee – für seinen Vorstand. Das fand ich langweilig, wenn man ein Wochenende Zeit hat. So habe ich mit meinem Kompagnon Benedikt Schneppe den Prototypen entwickelt. Die Zeit wurde von meiner Frau und Tochter abgesegnet – ein Glück.

Wie lange wurde es getestet?

Michalk: Knapp zwei Wochen mit Schwiegereltern, Freunden und Familie. So gelang es, quer durch die Bevölkerungsschicht eine intuitive Web-Anwendung zu entwickeln.

Wo wurden die Tests denn überall durchgeführt?

Michalk: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Bayern hat beim Knüpfen von Kontakten geholfen. Die Pilotbetriebe waren unter anderem „Paulaner Nockherberg“ und das „Ayinger Bräustüberl“. Es kam auch die erste große Änderung. Wir hatten zunächst die Daten auf dem Gerät mit einem Passwort verschlüsselt, praktikabler war es auf eine vierstellige Pin umzustellen.

Was benötigt man, um dieses Tool als Verbraucher zu erhalten?

Michalk: Ein Smartphone. Der Rest erledigt sich durch das Scannen des QR-Codes von allein.

Welche Vorteile gibt es in Urlaubszeiten?

Michalk: Dadurch, dass wir uns stark verbreiten, ist der Vorteil, die Kontaktdaten nur einmal angeben zu müssen, wenn ich viele Restaurants oder Freizeiteinrichtungen besuche, die uns nutzen. Wir haben die gültigen Bestimmungen, sprich welche Kontaktinformationen zu erfassen sind, pro Bundesland eingepflegt.

Können es auch Vermieter von Ferienwohnungen nutzen?

Michalk: Klar. Dadurch, dass sich auch spezifische QR-Codes drucken lassen – egal ob Tisch, Meetingraum oder eben Ferienwohnung – kann auch dieser Anwendungsfall abgedeckt werden.

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Wie vielen nutzen das Tool bereits?

Michalk: Wir liegen aktuell bei knapp 820 Unternehmen wild über Deutschland verteilt. Es haben sich knapp 110 000 Personen digital eingecheckt. Das nimmt zum Wochenende hin zu. Wir hatten jetzt im Schnitt 5000 Eintragungen pro Tag. Tendenz stark steigend.

Ist das Tool kostenlos?

Michalk: Das Tool bieten wir bis Ende August kostenlos an. Ab September beträgt der reguläre Preis zehn Euro pro Monat. Für Mitglieder der Deutscher Hotel- und Gaststättenverband zum Beispiel fünf Euro pro Monat auf.

Schirmherrin ist die Bayerische Ministerpräsidentin für Digitales Judith Gerlach. Sind Sie stolz?

Michalk: Klar ist man stolz, dass man direkt solchen Rückhalt auf dieser Ebene bekommt. Das zeigt, dass man seine Freizeit sinnvoll vertrödelt hat.

Deshalb will die Dehoga-Kreisvorsitzende das Tool nicht nutzen

Theresa Albrecht DEHOGA-Kreisvorsitzende

„Ich finde die elektronische Lösung sinnvoll“, sagt Theresa Albrecht, Kreisvorsitzende der Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, auf Anfrage der OVB Heimatzeitungen. Dennoch: Sie ist nicht registriert und sie bietet das Tool auch nicht für die Gäste, die das Hotel „Zur Post“ in Rohrdorf besuchen, an. „Ich möchte einfach schriftlich sehen, dass sich die Gäste eintragen“, erklärt sie ihre Zurückhaltung gegenüber des neuen Angebots. Jeder müsse selbst entscheiden, wie er sich absichert, sagt sie. Und deshalb nutzt sie die Listen, in die sich die Gäste eintragen müssen. „Obwohl es ein erheblicher Zeitaufwand ist“. Bei ihr sehen die anderen Gäste nicht, wer sich bereits eingetragen hat, erklärt sie. Albrecht will auf Nummer sicher gehen – denn noch eine Schließung würden viele nicht verkraften, ist sie sich sicher. 

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