aeronautec aus Seeon plant für die Zukunft – mit langlebigen Materialien für Gewächshäuser

Mit im Boden versenkten Nähmaschinen lassen sich großflächige Textilien verarbeiten: (von links) Prinz Alexander von Sachsen informierte sich bei Aeronautec in Seeon mit Geschäftsführer Johannes Fitz, Prinzessin Gisela von Bayern, Prinz Georg von Sachsen und Geschäftsführer Hubert Reiter über die Einsatzmöglichkeiten innovativer ETFE-Folien unter anderem für den Pflanzenbau. Aeronautec, Manfred Pernice
+
Mit im Boden versenkten Nähmaschinen lassen sich großflächige Textilien verarbeiten: (von links) Prinz Alexander von Sachsen informierte sich bei Aeronautec in Seeon mit Geschäftsführer Johannes Fitz, Prinzessin Gisela von Bayern, Prinz Georg von Sachsen und Geschäftsführer Hubert Reiter über die Einsatzmöglichkeiten innovativer ETFE-Folien unter anderem für den Pflanzenbau. Aeronautec, Manfred Pernice

Im Zeichen von Klimaschutz, Ressourcenschonung und nachhaltigem Materialeinsatz richtet das Unternehmen aeronautec aus Seeon-Seebruck ihr Augenmerk jetzt auf einen neuen Zukunftsmarkt: Das Potential von Hochleistungsfolien soll in der Landwirtschaft und bei Gewächshäusern zum Tragen kommen.

Von Axel Effner

Seeon-Seebruck – Mit spektakulären Projekten für textile Architektur und innovative Membrankonstruktionen hat das Seeoner Unternehmen aeronautec in den vergangenen Jahren immer wieder für Furore gesorgt. Dazu zählen Lichtsegelelemente für das Sprengel Museum in Hannover, eine verfahrbare Segelkonstruktion für das Hauptquartier von Siemens in München und ein maßgeschneidertes „Kühlsegel“ gegen Hitzestau im Raubtierhaus im dortigen Tierpark Hellabrunn. Seit 26 Jahren ist aeronautec in dieser Branche aktiv und zählt zu den Technologieführern und -treibern.

Hochleistungsfolien aus Fluorpolymer

Im Zeichen von Klimaschutz, Ressourcenschonung und nachhaltigem Materialeinsatz richten die Tüftler vom Chiemsee jetzt ihr Augenmerk auf einen neuen Zukunftsmarkt: Das Potential von Hochleistungsfolien aus Fluorpolymer (ETFE) und neuer Pflanzengewebe aus Polytetrafluorethylen (PTFE) für den Einsatz in der Landwirtschaft und bei Gewächshäusern. „Wir arbeiten mit Hochdruck an wegweisenden Neuentwicklungen und sehen darin einen großen Zukunftsmarkt“, erklärt Geschäftsführer Johannes Fitz. Unterstützung bekommt er dabei von Hubert Reiter. Der Mitgründer des Obinger Membranbauers „Covertex“, das mit der Hülle für die Allianz Arena in München Geschichte schrieb,verstärkt seit letztem Jahr das Team als Geschäftsführer.

Internationale Erfahrung

Reiter bringt seine internationale Erfahrung mit Großprojekten ein und erklärt zum neuen Geschäftsfeld von aeronautec: „Obwohl die neuen ETFE- und PTFE-Werkstoffe teurer sind als konventionelle Folien in der Landwirtschaft und im Gewächshausbau zahlt sich die Anschaffung durch die deutlich längere Lebensdauer und Recyclingfähigkeit aus.“ Herkömmliche Folien zerfallen unter UV-Einstrahlung und reichern sich als Mikroplastik im Boden an. Die neuen Hightechmaterialien aus dem Hause aeronautec können zudem bezüglich der wirksamen Lichtmenge und des optimalen Lichtspektrums genau auf den Bedarf der Pflanzenkulturen angepasst werden. Dazu kommt die Möglichkeit zum Aufbau eines pflanzenfreundlichen Mikroklimas, wodurch sich der Einsatz von Dünger und Schutzmitteln verringern lässt.

Lesen Sie auch:Trotz Abstands verbunden – Seeoner Firma entwickelt wegen Corona-Krise Schutzsystem für Einzelhandel

Zur besseren Vermarktung speziell in Nord- und Südamerika wurde eigens ein Unternehmen in Kalifornien gegründet. Auch in Deutschland wird ein großes Potenzial gesehen. Ergänzend soll im kommenden Jahr ein wissenschaftlich begleitetes Versuchsprojekt in Nordrhein-Westfalen starten. Inzwischen hat das neue Geschäftsfeld sogar prominente Befürworter: Prinz Alexander von Sachsen, Urenkel des letzten Königs von Sachsen, und seine Frau Prinzessin Gisela von Bayern, Urenkelin des letzten Bayernkönigs Ludwig III, informierten sich mit Sohn Prinz Georg bei aeronautec in Seeon über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der ETFE-Folien, speziell in der Landwirtschaft.

Lesen Sie auch:28-Mio.-Auftrag! Buchbacher Elektrospezialist macht im neuen Berliner Schloss das Licht an

Prinz Alexander und seine Familie leben in Mexiko-Stadt, nachdem seine Vorfahren vor über 100 Jahren nach Südamerika ausgewandert sind. Als Notar des privatwirtschaftlich organisierten Zolls und Spediteur ist er dort sehr gut vernetzt. Nach seinem Betriebswirtschaftsstudium in München war er zudem als Technologie-Berater des sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt tätig. „Der Prinz hat großes Interesse an den neuen Einsatzmöglichkeiten gezeigt“, erklärt Johannes Fitz voller Zuversicht.

Reflektierende Oberflächen

Er ergänzt: „Aktuell arbeiten wir im Bereich Gewebe und Beschichtungssysteme durch Einsatz neuer Fluorpolymerkombinationen mit Hochdruck an neuen Membranen für den Pflanzenbau sowie designgeprägte, stark reflektierende Oberflächen für die Architektur.“ Fitz hofft nach erfolgsversprechenden Ergebnissen auf eine zeitnahe Markteinführung.

Lesen Sie auch:Traunstein: Lösen „Tiny Houses“ die Wohnungsproblematik in der Region?

Auch in anderen Bereichen hat Aeronautec die Nase vorn. Dank der Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen wickelt das Unternehmen seit Jahrzehnten Großaufträge ab. Im Rahmen eines Projekts auf der arabischen Halbinsel haben die Tüftler aus Seeon erstmals ein Architekturgewebe aus PTFE mit Goldpigment-Beschichtung entwickelt.

Für den Einsatz einer 1000 Quadratmeter großen Tribünenüberdachung in Vaterstetten kam letztes Jahr zudem eine neuartige 3-D-Scantechnologie für das Aufmaß zum Einsatz. Für die Raiffeisenbank Altötting entwickelte aeronautec einen Eventschirm mit 250 Quadratmetern Fläche, der bis Windstärke Acht stabil ist. Ein Textildach von aeronautec sorgt zudem auf dem Chiemseedampfer „MS Edeltraut“, dem Flaggschiff der weißen Flotte der Fessler KG in Prien, für ganzjährigen Schutz.

Antiviral und antimikrobiell

Fitz: „Mit antiviral und antimikrobiell beschichteten Folien und Geweben sowie weiterentwickelten Überdachungs- und Schutzvorrichtungen für draußen reagieren wir auch auf neue Trends und Bedürfnisse in Zeiten von Corona.“

So sehen die Deckenelemente für das Sprengel Museum in Hannover montiert aus.
Blick in die Produktion von Deckenelementen für das Sprengel Museum in Hannover.

Kommentare