70-prozentige Corona-Einbrüche mit neuer Idee abgefedert

Bei einem Rettungseinsatz mit Faceshield (von links): Petra Gruber (links) und Hannah Schmidmayer versorgen den Hilfebedürftigen. re

Bad Aibling – Nach Ausbruch der Corona-Krise erlitt das Bad Aiblinger Unternehmen Opticamms Formenbau GmbH erstmals einen Auftragseinbruch, ausgehend von der Automobilindustrie, der 70 Prozent des Auftragsvolumens ausmachte.

„Da unsere erste Leistungssäule der Werkzeugbau für hochwertige Kunststoffspritzgussteile ist, konnten wir den starken Auftragsrückgang aber branchenunabhängig abfedern“, sagt Geschäftsführer Michael Eigls perger.

Durch Kontakte zu einem 3D-Druck-Hub (Maker VS. Virus) habe man von dem großen Bedarf an Face-shields, also Gesichtsvisieren, erfahren.

HautverträglichesMaterial

Da diese vielfach von freiwilligen privaten Betreibern zeitaufwendig hergestellt wurden und sich gleich nach der Anwendung erste Probleme und Schwierigkeiten aufgrund der Unverträglichkeit des Materials auf der Haut sowie der starren Ausführung des Materials negativ auf die Anwender auswirkten, habe man die Initiative ergriffen: Aus eigenen Mitteln und dem vorhandenen Know-how seiner Branche fertigte das Unternehmen ein hochwertiges Werkzeug zur Serienherstellung mittels Spritzguss, welcher ebenfalls hausintern als dritte Leistungssäule abgedeckt wird.

„Somit verringerten wir die Fertigungszeit eines Visierhalters von circa zwei Stunden im 3D-Druck auf unter eine Minute. Zudem verwenden wir ein hautverträgliches und sehr angenehm weich tragendes Material, was es den Anwendern erlaubt, ohne unangenehme Druckstellen am Kopf und ohne Ausdünstungen von giftigen Inhaltsstoffen sich und ihr Gegenüber zu schützen.“ Als Material für das Visierschild wählte man ein hochwertiges und glasklares Polycarbonat.

Als das Unternehmen nach Ausgabe der ersten Exemplare so gute Rückmeldungen von den Anwendern erhielt, entschloss man sich, so Eiglsperger, diejenigen zu unterstützen, die keine Ausrüstung erhalten, aber tagtäglich den Viren im Arbeitsalltag ausgesetzt sind.

So schenkte das Unternehmen den Rosenheimer Maltesern 50 Faceshields und der Tafel in Rosenheim ebenfalls mehrere Exemplare als Dankeschön für die ehrenamtliche Zivilcourage der fleißigen Lebensretter und Helfer.

Die Faceshields werden von den Mitarbeitern im Rettungsdienst zusätzlich zu den jeweiligen Masken getragen und ersetzen Schutzbrillen, die als Spritzschutz Tröpfchen von den Augen fernhalten.

Ernst Schütz, Leiter der Malteser Rettungswache Rosenheim und Qualitätsbeauftragter für den Rettungsdienst der Malteser im Bezirk Ost-Oberbayern: „Der Vorteil dieser Faceshields ist, dass sie im Gegensatz zu Schutzbrillen nicht anlaufen, sobald man schwitzt oder fest unter der Maske ausatmet.“ Außerdem werden die Faceshields bei Bedarf auch von Mitarbeitern im Malteser Hausnotrufdienst sowie von ehrenamtlichen Helfern in den Einsatzdiensten verwendet. Jürgen Henfling, Rettungssanitäter und kommissarischer Zugführer, weiß aus der Praxis: „Sie sind auch bei einem längeren Einsatz noch sehr angenehm zu tragen und verrutschen auch nicht bei kritischen Situationen während der Rettungseinsätze“.

Die Zahnarztpraxis Pinder, Dr. Schleifenbaum und Dr. Dinzenhofer-Kessler setzt das Faceshield als zusätzlichen Spritzschutz ein, da es sich mit einer Lupenbrille mit integrierter Lampe perfekt kombinieren lässt. Zudem ist es thermisch desinfizierbar, sodass ein routinemäßiger Reinigungsprozess in der Praxis möglich ist, so Dr. Schleifenbaum. Elisabeth Bartel, Leiterin der Tafel Rosenheim, ist froh: „Als Brillenträgerin bin ich dankbar für das Faceshield, da meine Brille beim Arbeiten nicht mehr anläuft und ich dadurch eine klare und freie Sicht behalten kann.“ tn/el

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