AUTOMOBILINDUSTRIE

VW reformiert Vergütungssystem für Top-Manager

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Wolfsburg – Bei Volkswagen gilt für die Top-Manager nach dem Abgasskandal und massiver öffentlicher Kritik künftig eine Obergrenze bei den Gehältern.

Der Aufsichtsrat beschloss am Freitagabend in Wolfsburg eine Reform des Vergütungssystems, wie VW mitteilte. Der Vorstandschef soll künftig höchstens 10 Millionen Euro im Jahr verdienen, die Vorstandsmitglieder maximal 5,5 Millionen. Diese Maximal-Einkommen könnten aber nur bei einer „herausragenden Unternehmensentwicklung“ erreicht werden. Neben den Obergrenzen sieht das neue System vor, dass die Kriterien für die variable Vergütung, darunter umstrittene Bonuszahlungen, verschärft werden. Im Gegenzug wird das Fixgehalt angehoben.

Das neue System gilt vom Geschäftsjahr 2017 an. Hohe Managergehälter bei Volkswagen hatten für viel Kritik gesorgt. Der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn kam 2011 auf ein Einkommen von rund 17,5 Millionen Euro. Dies lag vor allem an hohen Bonuszahlungen angesichts von hohen Gewinnen. Auch hohe Bonuszahlungen im vergangenen Jahr, trotz Abgasskandal, hatten Empörung ausgelöst. 2015 hatte Volkswagen angesichts der immensen Kosten für den Diesel-Skandal den größten Verlust der Konzerngeschichte verzeichnet. Unterm Strich lag das Ergebnis bei minus 1,6 Milliarden Euro. VW-Vorstandschef Matthias Müller sagte laut Mitteilung, der Vorstand stehe voll zur „Modernisierung“ des Vergütungssystems und habe einer Modifikation der laufenden Verträge zugestimmt.

Hohe Managergehälter hatten zuletzt auch die politische Debatte neu entfacht. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte gesagt, es sei eine Frage der Gerechtigkeit, dass die Politik gegen ausufernde Gehälter und Pensionen von Top-Managern vorgehe. Die SPD will den Spielraum der Unternehmen künftig einengen und den Steuerbonus bei hohen Managergehältern per Gesetz begrenzen. Aktionärsvertreter hatten sich für eine Obergrenze von zehn Millionen Euro im Jahr bei den Managergehältern ausgesprochen.

Für Kritik hatte auch eine hohe Abfindung bei Volkswagen für Ex-Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt gesorgt. Die 66-Jährige bekam nach nur 13 Monaten im Amt eine Abfindung von rund 12 Millionen Euro.

Der weltgrößte Autohersteller Volkswagen hatte bereits 2016 angekündigt, sein Vergütungssystem für Führungskräfte ändern zu wollen. Die Initiative für eine Reform hatten das Land Niedersachsen und der Betriebsrat ergriffen, wie zu hören war. Das Land ist VW-Großaktionär und mit zwei Mitgliedern im Aufsichtsrat vertreten.

Die Gewerkschaft IG Metall will nun in allen Unternehmen eine Obergrenze für Vorstandsgehälter fordern. Dies sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, der auch Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, dem Magazin „Spiegel“.

Andreas Hoenig

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