Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Wie Primark das Textilbündnis spaltet

Der Beitritt des umstrittenen irischen Mode-Discounters Primark sorgt für eine Zerreißprobe im „Bündnis für nachhaltige Textilien“. Aus Protest ist ein Sportartikelhersteller aus dem Allgäu ausgetreten. Der Vorwurf: Das Bündnis sei zur Farce geworden.

faire kleidung

Der Beitritt des umstrittenen irischen Mode-Discounters Primark sorgt für eine Zerreißprobe im „Bündnis für nachhaltige Textilien“. Aus Protest ist ein Sportartikelhersteller aus dem Allgäu ausgetreten. Der Vorwurf: Das Bündnis sei zur Farce geworden.

Von Lars Becker

München – Es ist Bewegung im „Bündnis für nachhaltige Textilien“. Die in Textilskandale verwickelte Firma Primark kommt rein – die Immenstädter Vorbildfirma MDC Sportswear GmbH geht aus diesem Grund raus. Inzwischen wird heftig darüber diskutiert, ob die Initiative von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) wirklich weltweit soziale und ökologische Fortschritte an allen Stationen der Produktionskette von Textilien bringen kann – oder vielmehr dazu dient, umstrittene Firmen mit einer Art Schutzschirm der Bundesregierung vor Vorwürfen der Öffentlichkeit zu schützen und reinzuwaschen. „Greenwashing“ lautete auch der Vorwurf von MDC Sportswear beim Austritt.

Der Vorwurf wurde im Bundestag zum Thema, als über einen Antrag der Grünen zum Thema „Kleidung fair produzieren – EU-Richtlinie für Transparenz- und Sorgfaltspflichten in der Textilproduktion schaffen“ debattiert wurde. Der Linken-Abgeordnete Niema Movassat zitierte aus dem Brief des MDC-Geschäftsführers Michael Pfister an das Ministerium und sieht das Textilbündnis vor dem Scheitern: „Herr Müller sagt, dass bis 2017 mindestens 75 Prozent der Unternehmen des deutschen Einzelhandelsmarktes Mitglied des Bündnisses sein werden. Das klingt toll, aber da gilt eben: Masse vor Klasse. Denn es wird keine allgemeinen Verpflichtungen geben, sondern jedes Unternehmen wird das machen, was es will. Es bringt nichts, wenn man Mitglied eines Bündnisses ist, am Ende aber nichts verpflichtend umsetzen muss. Das ist eine Farce.“

Tatsächlich fehlen bislang verbindliche Vorgaben in dem im Oktober 2014 gegründeten Bündnis, dem inzwischen 180 Firmen der Branche angehören. Das Bündnis soll den Beschäftigten in asiatischen Billiglohnländern existenzsichernde Löhne und den Schutz vor ökologischen Zerstörungen bringen. Aber passiert ist bislang nicht viel. Das sorgt für Kritik. Es häufen sich Forderungen nach handfesten Konsequenzen für Mitglieder, die sich dem Thema Nachhaltigkeit nicht wirklich verpflichten.

„Entscheidend ist natürlich, dass es uns gelingt, uns auf strenge Vorgaben zu einigen, um tatsächlich Verbesserungen zu bewirken. Auch die Sanktionsmaßnahmen für Mitglieder, die diese Vorgaben nicht erfüllen, müssen klar sein. Im äußersten Fall sollen Mitglieder vom Bündnis ausgeschlossen werden können“, fordert Jan Lorchvom baden-württembergischen Bergsport-Hersteller Vaude. Sein Unternehmen ist ebenfalls Mitglied im Textilbündnis.

Die Firma wurde 2015 als Deutschlands nachhaltigste Marke ausgezeichnet – und ist damit genau wie die Firma MDC ein Vorbild für die Branche. Allerdings spricht sich Vaude weiter dafür aus, auch „problematische“ Mitglieder im Textilbündnis aufzunehmen. „Wir sehen prinzipiell jeden Beitritt positiv, egal wie stark sich eine Firma bisher engagiert hat. Wenn eine Firma dem Textilbündnis beitritt, ist dies zunächst einmal ein klares Signal, dass dieses Unternehmen sich an der Verbesserung der Umwelt- und Sozialstandards in der Textilproduktion beteiligen möchte“, so Lorch gegenüber dem Branchenportal ispo.com. Die niedrige Eintrittsschwelle sei bewusst gewählt worden, um auch jene ins Boot zu nehmen, die noch nicht so weit sind, sich aber auf den richtigen Weg machen wollen.

Zu denen gehören Discounter wie KiK, Tchibo und Primark – das Unternehmen, das von MDC explizit als Grund für den Austritt genannt wurden. „Für KiK ist die Verbesserung der Produktionsbedingungen in den Herstellungsländern ein wichtiges Anliegen“, sagt Firmensprecherin Olga Bakanow. „Das Textilbündnis kann nur dann seine Ziele erreichen, wenn die Marktführer in der Bekleidungsindustrie und im Handel Mitglied sind.“

Lidl hat sich selbst verpflichtet, bis 2020 auf den Einsatz von krebserregenden Chemikalien wie PFC in der Kleidung zu verzichten. Auch Aldi Nord und Aldi Süd sind seit Oktober 2015 Mitglieder des „Bündnisses für nachhaltige Textilien“ – und weisen den Vorwurf des „Greenwa-shings“ weit von sich. Das Textilbündnis sei vor allem deshalb wertvoll, „weil es eine relevante Anzahl von ganz unterschiedlichen Akteuren aus Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Regierung an einen Tisch zusammenbringt, um gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten“, heißt es in einer Stellungnahme. Und weiter: „Wir bedauern es grundsätzlich, wenn einzelne Mitglieder aus dem Bündnis für nachhaltige Textilien austreten, da ein Bündnis nur funktionieren kann, wenn eine möglichst große Marktabdeckung vorliegt und man gemeinsam handelt.“

Kommentare