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Was passiert, wenn die Milchquote fällt

Über 30 Jahre steckten die Bauern im planwirtschaftlichen Korsett – die Milchquote regelte, wie viel Milch sie an die Molkereien liefern durften. Zum 1. April läuft die Quote aus. Was kommt auf die Bauern zu – und was auf die Verbraucher?

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Über 30 Jahre steckten die Bauern im planwirtschaftlichen Korsett – die Milchquote regelte, wie viel Milch sie an die Molkereien liefern durften. Zum 1. April läuft die Quote aus. Was kommt auf die Bauern zu – und was auf die Verbraucher?

Was war die Milchquote überhaupt?

Als die Milchquote 1984 in der Europäischen Gemeinschaft (EG), dem Vorläufer der EU, eingeführt wurde, gab es zu viel Milch auf dem Markt. Die Bauern produzierten und produzierten, weil die EG die Mengen, die die Landwirte auf dem freien Markt nicht verkaufen konnten, zum Garantiepreis abnahmen. Die EG lagerte Überstände ein – so entstanden die sprichwörtlichen Butterberge und Milchseen.

Die Garantiepreise konnten schlicht nicht mehr finanziert werden. Durch die Quote wurde nun genau festgelegt, welche Mengen der einzelne Landwirt an Molkereien oder an der Milchbörse verkaufen durfte. So sollten Angebot und Nachfrage angepasst, die Preise und damit das Einkommen der europäischen Landwirte gesichert werden.

Wer mehr lieferte als erlaubt, musste eine Abgabe zahlen. Expansion war nur möglich, wenn der Bauer ein Lieferrecht dazukaufte – einfach mehr Kühe anzuschaffen, reichte nicht. Die Bauern, die ihren Hof aufgaben und ihr Milchkontingent loswerden wollten, freuten sich dagegen über den Geldsegen. Künftig dürfen die Landwirte so viel Milch produzieren, wie sie wollen.

Warum fällt die Quote jetzt weg?

Das ist Teil der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union. Einige Argumente für die Abschaffung sind: mehr Wettbewerb, hohe Kosten für die Milchquote – außerdem habe es trotz der Mengenbeschränkung starke Preisschwankungen gegeben.

Werden Milch und Butter jetzt billiger?

Das kann so genau niemand vorhersagen. Die Preise diktieren in der Regel die großen Discounter. Gut möglich, dass sie das Quotenende zum Anlass nehmen, um Druck auf die Molkereien auszuüben, ihnen die Produkte billiger zu verkaufen. Aber die Lebensmittelpreise in Deutschland hängen inzwischen auch am Weltmarkt. Dass Anfang März die Discountkette Aldi die Preise für Butter anhob, führten Experten beispielsweise unter anderem auf eine Dürre in Neuseeland und die Euro-Schwäche zurück.

Und auf die vorhergehende Preissenkung auf den russischen Einfuhrstopp von Milch und Milchprodukten. Das Ende der Milchquote ist nur einer von vielen Faktoren, die bei der Preisfindung eine Rolle spielen.

Werden noch mehr Höfe aufgeben?

Innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte ist die Zahl der Milchviehbetriebe in Bayern rasant zurückgegangen – von 155 000 auf knapp 37 000. Ob das so rasant weitergeht, hängt im Wesentlichen davon ab, ob der Preis, der dem Landwirt für das Kilo Milch bezahlt wird, weiter sinkt. Tut er das, so dürfte sich das Höfesterben in Bayern noch einmal beschleunigen. Viele Betriebe werden dann aufgeben anstatt zu expandieren, um günstiger produzieren zu können. Experten gehen aber davon aus, dass weltweit der Bedarf an Milch und Milchprodukten steigt – das könnte eine Chance für Bayerns Bauern sein. Einen „gewissen Konzentrationsprozess“ erwartet Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) dennoch.

Gibt es bald nur noch „Agrarfabriken“?

Bayern ist stolz auf seine bäuerlich geprägte Landwirtschaft mit gerade einmal durchschnittlich 35 Kühen pro Betrieb. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liegt laut Bauernverband bei 56 – in Brandenburg sogar bei 224 Milchkühen. Wenn aber bei niedrigem Milchpreis die kleinen Betriebe in Bayern nicht mehr über die Runden kommen, dürfte der Trend zur Konzentration weitergehen. Denn riesige Betriebe können günstiger produzieren und im Schichtbetrieb melken. Doch in Teilen Bayerns ist schon allein die Landschaft ein begrenzender Faktor – einen 100-Kühe-Betrieb in den Alpen wird es so schnell nicht geben, weil gar nicht genug Futter vorhanden ist. Almbauern bekommen zusätzliche Subventionen.

Werden Molkereien jetzt überschwemmt?

Das ist eher nicht zu erwarten. Denn einfach mehr Kühe in den Stall stellen, melken und die Milch abholen lassen – so leicht funktioniert das nicht. Die Fläche für die Futtergewinnung ist begrenzt. „Sie wird wegen der Bebauung sogar geringer“, sagt Martin Ponfick, vom „Ring junger Landwirte“. „Da gibt es eine gewisse natürliche Grenze.“ Auch die nötigen Arbeitskräfte müssen vorhanden sein, um mehr Milch erwirtschaften zu können.

Hat die Quote etwas gebracht?

Der Bauernverband hat hier eine eindeutige Meinung: „Die Milchquote ist gescheitert“, sagt der stellvertretende Präsident Günther Felßner. Sie habe die heimischen Milchbauern sogar in den vergangenen Jahren empfindlich gebremst: „Während die Milchmenge und auch die Nachfrage nach Milchprodukten weltweit gestiegen sind, ist die Erzeugung in Deutschland in den vergangen Jahren in etwa stabil geblieben. Hier wurde ganz klar Entwicklungspotenzial verschenkt – und schuld ist für mich klar die Milchquote.“

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) trauert der Quote nicht hinterher: „Staatliche Markteingriffe sind auf Dauer keine Lösung und angesichts des globalisierten Marktes auch nicht mehr realistisch.“ Statt die Einkommen der Milchbauern verlässlich zu stabilisieren, hätten die Preise für Rohmilch in den vergangenen 30 Jahren trotz der Quote um bis zu 20 Cent je Kilo geschwankt.

Wie geht es jetzt weiter?

Da es in Deutschland kaum noch Wachstumspotenzial gibt, richten sich die Hoffnungen auf den Export. Die weltweite Nachfrage nach Milch und Käse soll Prognosen zufolge stetig steigen. Doch jahrelang habe die Quote Europa gebunden, während die USA, Neuseeland oder Australien die Produktion ausweiteten, erläutert der Bauernverband: „Wenn die EU hier nicht mitspielt, wird sie am Ende von den weltweiten Märkten verdrängt.“

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter warnt indes vor einer höheren Abhängigkeit vom Weltmarkt. Da nur relativ kleine Mengen global gehandelt werden, dürften die Preisschwankungen künftig heftiger werden – „mit langen Tälern und kurzen Spitzen“. dpa

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