Für die Osram-Mitarbeiter wird es finster

Mit einem neuen Sparprogramm greift Osram hart durch: Konzernchef Dehen „reagiert beherzt“ und streicht erneut ein Viertel der Stellen. In Bayern dürfte es vor allem den Standort Eichstätt treffen.

Zudem steht nach dem jetzt angekündigten zweiten Kahlschlag bald der nächste an.

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Mit einem neuen Sparprogramm greift Osram hart durch: Konzernchef Dehen „reagiert beherzt“ und streicht erneut ein Viertel der Stellen. In Bayern dürfte es vor allem den Standort Eichstätt treffen. Zudem steht nach dem jetzt angekündigten zweiten Kahlschlag bald der nächste an.

von thomas magenheim-hörmann

München – Wenn Siemens Konzernteile verkauft oder an die Börse bringt, beginnt für Beschäftigte regelmäßig das große Zittern. Die Liste ist lang von Infineon und BenQ über Nokia Siemens Networks bis Unify und nun Osram. Vor einem Jahr hat Mutter Siemens die Lichttochter an die Börse gebracht, begleitet vom Abbau von 8700 Stellen. Nun kündigt Osram-Chef Wolfgang Dehen – zumindest in der Dimension überraschend – nicht nur Teil zwei des Abbauprogramms namens „Push“ an und damit das Aus für weitere 7800 Arbeitsplätze. „Wir werden weitere Anpassungen über die zweite Welle hinaus haben, können die Dimension aber noch nicht absehen“, warnte der Manager sein Personal schon einmal vor.

Die aktuelle Sparrunde muss er anders als die erste gegen einige Widerstände durchsetzen. „Bei Osram folgt eine Radikalkur der anderen“, kritisiert Bayerns IG Metall-Chef Jürgen Wechsler. Ein Kahlschlag wie im neuerlichen Umfang sei auch vor dem Hintergrund des Technologiewandels in der Lichtbranche nicht mehr nachvollziehbar. Erneut müsse die Belegschaft Managementfehler ausbaden. Betriebsbedingte Kündigungen müssten ausgeschlossen bleiben.

Im Aufsichtsrat sei noch nichts beschlossen worden, sagt ein Vertreter des Gremiums, das sich am Dienstagabend getroffen hatte. Dehen habe seine neuen Rotstiftpläne dort und gegenüber Betriebsräten präsentiert. „Alle waren entsetzt“, beschreibt ein Beteiligter die Reaktion. In den Standorten schwanke die Stimmung mittlerweile zwischen Wut, Trauer und Hoffnungslosigkeit.

Die erste Abbauwelle sei noch gar nicht komplett umgesetzt, da komme eine zweite, noch radikalere mit der Drohung betriebsbedingter Kündigungen. Aufgrund von über acht Prozent operativer Rendite, zeigt man sich deshalb empört in den Reihen des leidgeprüften Personals. Auch von dessen Seite eingestanden wird allerdings die Härte des Technologiewandels.

Binnen drei Jahren sollen nun im Ausland weitere Osram-Werke dicht machen und 6100 Stellen wegfallen, nachdem die laufende Abbaurunde schon das Aus für elf Fabriken gebracht hatte. Heimischen Werken bleibt zumindest vorerst ein solches Schicksal erspart. Aber auch in Deutschland werden nochmal 1700 Arbeitsplätze abgebaut, aufsetzend auf die jüngst gestrichenen 1500 Stellen. Insgesamt arbeiten derzeit noch 33 900 Beschäftigte für Osram. Rund 9500 Stellen gibt es in Deutschland. Erneut betroffen sind nun die Standorte München, Berlin, Augsburg und Eichstätt.

Das Gros des jetzigen Kahlschlags spielt sich mit global nahezu 6000 Stellen in der Fertigung ab. Aber anders als bei der ersten Abbaurunde sind nun auch Verwaltung und Vertrieb mit knapp 2000 Arbeitsplätzen betroffen.

Mittelfristig Sorgen machen muss sich hierzulande wohl vor allem der Standort Eichstätt in Bayern, wo jetzt 40 Prozent des Personals gehen sollen. Dort werden im Schwerpunkt Halogenlampen gefertigt. Analog zum Verbot von Glühbirnen diskutiert die Politik derzeit einen Bann auch für diese Lampenart ab 2017. Seine Pläne gehen davon aus, dass der Bann bei Halogenlampen kommt, sagte Dehen.

Bei der jetzt zweiten Abbaurunde könne er keine betriebsbedingten Kündigungen ausschließen, müsse aber „beherzt reagieren“, sagte der Manager. Vollzogen sein soll alles binnen drei Jahren. Dann will der Manager jährlich 260 Millionen Euro eingespart haben. Einmalig kosten lassen will er sich den Abbau 450 Millionen Euro, abgesehen von einer möglichen Ergebnisdelle 2015 aber die Gewinnmarge von aktuell gut acht Prozent halten.

Die sonst von solchen Neuigkeiten begeisterte Börse zeigte Osram die kalte Schulter. Die im MDax notierte Aktie verlor zeitweise über neun Prozent und fiel auf unter 32 Euro, nachdem sie im Frühjahr noch bei 50 Euro notiert hatte. Analysten bemängeln, dass speziell das Geschäft mit Leuchtdioden (LED), auf dem viele Zukunftshoffnungen ruhen, bei den Münchnern nicht wie gewünscht läuft. Der Technologiewandel überrasche in seiner Dynamik derzeit die ganze Lichtbranche, sagte Dehen. LED-Licht auf Basis von Halbleitern verdrängt immer schneller traditionelle Stromsparlampen und Leuchtstoffröhren. Bei LED-Lampen fallen die Preise aber rasant und das Geschäft ist zumindest bei Osram nicht profitabel. Schwarze Zahlen schreiben dagegen die aussterbenden Technologien.

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