Der Online-Marktplatz für Knochenmehl: Byprotex will Lebensmittelverschwendung bekämpfen

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In Biogasanlagen werden können die Lebensmittel-Nebenprodukte verarbeitet werden, die über Byprotex gehandelt werden.

Andreas Wieser aus der Nähe von Ebersberg gründet den Online-Marktplatz „Byprotex“ für tierische und pflanzliche Nebenprodukte. Seine Ziele: den Weltmarkt revolutionieren– und  Lebensmittelverschwendung bekämpfen.

Von Max Wochinger

Frauenneuharting – Andreas Wieser, 42, sitzt vor einem runden Tisch in seinem Haus in Frauenneuharting im Landkreis Ebersberg. Vor ihm liegen unzählige Zeitungsartikel und DIN-A4-Seiten mit Kreisdiagrammen. Er spricht von B2B-Marketing, Blockchain und KYC Analysis. Die Sprache der Branche ist Englisch. Wieser, Glatze, weißes Hemd, Jeans, will in einen Weltmarkt einsteigen. Seit Tagen ist er am Telefon: EU-Politiker, Konzernvorstände, internationale Medienhäuser und Vertreter der Vereinten Nationen sprechen mit ihm. Denn gemeinsam mit drei Mitgründern hat er Anfang Februar das Unternehmen „Byprotex“ gegründet.

Byprotex funktioniert wie Ebay - für bestimmte Produkte

Darum geht’s: Byprotex will Hersteller und Käufer von tierischen und pflanzlichen Nebenprodukten direkt zusammenbringen. Auf einer Internetseite, die funktioniert wie der Online-Marktplatz Ebay. Das Start-up begleitet zudem die gesamte Abwicklung: Marktanalyse, Transport, Finanzierung.

Ein Beispiel macht das Geschäftsmodell verständlicher: Beim Bierbrauen bleibt Treber über, ein Nebenprodukt, das Brauereien selbst nicht weiter verwenden. Brauhäuser können den Treber nun auf Byprotex zum Verkauf anbieten. Hersteller von Schweinefutter oder Biogasanlagenbetreiber können die Malzrückstände auf der Online-Plattform kaufen und für ihre Produktion weiterverarbeiten.

Zwei große Makler bestimmen bislang den Handel

Bisher hätten professionelle Makler diese Nebenprodukte von sogenannten Renderern, also Lebensmittelaufbereitern, gekauft und beispielsweise an Tierfutterhersteller weiterveräußert, sagt Wieser. Das Geschäft sei aber extrem intransparent, Marktchancen würden verpasst. Zwei große Makler würden den deutschlandweiten Handel mit den Nebenprodukten dominieren.

Wieser weiß, wovon er spricht, denn bei einem davon war er bis vor Kurzem beschäftigt. Es gehe um hunderte Millionen Euro Gewinn. „Sie verkaufen die Produkte mit einer Gewinnmarge von teils zehn bis 50 Prozent weiter.“ Zum Preisnachteil von Käufer und Verkäufer – und letztlich auch vom Endkonsumenten.

Wieser sieht Raum für sinkende Verbraucherpreise

Der dreifache Vater findet das unfair. Er will den Handel revolutionieren, die Branche digitalisieren und die Makler damit überflüssig machen. „Das Geschäft wird immer noch mit Faxgeräten, E-Mails und Telefon abgewickelt“, sagt der promovierte Controller kopfschüttelnd. Handelspapiere etwa würden handschriftlich ausgefüllt.

1,5 Prozent des Verkaufspreises sollen künftig in sein Unternehmen fließen, plus Einnahmen aus kostenpflichtigen Zusatzdienstleistungen. Käufer und Verkäufer der Nebenprodukte hätten dann mehr Spielraum beim Preis. Auch Verbraucherpreise für Hundefutter und Biodiesel etwa könnten sinken, sagt Wieser. Denn die „Zeche dieser ineffizienten Branche“ zahle der Endverbraucher.

Anbieter und Abnehmer auf der Byprotex-Plattform zusammenführen

Zudem könne die Plattform ein globales Problem bekämpfen: Lebensmittelverschwendung. Durch den intransparenten Markt gingen „Unmengen Lebensmittel verloren“. Weltweit werden Lebensmittel im Wert von 990 Milliarden US-Dollar vernichtet, sagt Wieser. „Angebot und Nachfrage wissen nichts voneinander.“ Mit seiner Plattform will er Anbieter und Abnehmer zusammenführen, die sonst womöglich gar nicht voneinander erfahren würden. Und das muss schnell gehen, schließlich gehe es um verderbliche Rohstoffe. Schweineblut soll so zu Fischfutter werden, aus Frittierfett Biodiesel.

Mögliche Investoren aus der ganzen Welt melden sich bei Wieser. Sie schätzen den Wert der jungen Firma auf rund fünf Millionen Euro. Unterstützung kommt zudem von Politikern und Wirtschaftsgrößen aus der Region. Auf jedem Kontinent will Wieser Vertriebsstrukturen aufbauen, in Shanghai und den USA gebe es konkrete Pläne. „In den nächsten Monaten zeigt sich, ob der Markteintritt gelingt“, sagt er. Sieben Produkte sind bereits online. Der Verkäufer ist ein Lebensmittelaufbereiter aus Erding. Der Wert der Produkte: rund 600 000 Euro.

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