Ölpreis drückt die Inflationsrate ins Minus

  • schließen
  • Weitere
    schließen

statistik . Frankfurt – Jetzt also auch in Deutschland: Erstmals seit September 2009 sind die Verbraucherpreise im Januar gesunken.

Das liegt vor allem am dramatischen Absturz der Ölpreise. Aber auch für Nahrungsmittel oder langlebige Gebrauchsgüter wie Fernseher oder Laptops müssen Verbraucher nach ersten Zahlen weniger bezahlen als vor einem Jahr.

-Warum sinken die Preise?

Der Preisrückgang ist vor allem auf den Absturz des Rohölpreises zurückzuführen. „Die Wirkung der sinkenden Preise für Mineralölprodukte auf die Höhe der Inflationsrate ist beträchtlich“, berichten die Landesstatistiker aus Hessen: Heizöl und Kraftstoffe herausgerechnet stiegen die Verbraucherpreise im Januar demnach um 0,6 Prozent. Insgesamt sanken sie hingegen um 0,6 Prozent – und damit noch deutlich schneller als in Deutschland insgesamt, wo die Preise um 0,3 Prozent zurückgingen.

-Sind sinkende Ölpreise nicht eigentlich gut für die Konjunktur?

Doch. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann betont: „Sie wirken wie ein kleines Konjunkturprogramm. Sie stützen die Kaufkraft der Konsumenten und führen zu höheren Gewinnen bei den Unternehmen.“ So müssen Verbraucher deutlich weniger für Benzin und Heizöl bezahlen und haben mehr Geld für anderes in der Tasche. Bei Unternehmen sinken die Produktionskosten. Auch dank dieser Ölpreis-Effekte hat die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose für 2015 gerade erst von 1,3 auf 1,5 Prozent angehoben.

-Droht nun ein Deflation?

Eindeutig nein, sagen Ökonomen. Bei einer Deflation fallen Preise über einen längeren Zeitraum quer durch alle Warengruppen. Weidmann sagt: „Eine für einige Monate unter null liegende Inflationsrate stellt für mich noch keine Deflation dar.“ Ein solcher Preisverfall liege erst vor, wenn es zu einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale aus negativen Inflationsraten, Rückgängen der Wirtschaftsleistung und Lohnsenkungen komme. Diese Gefahr halte er gegenwärtig für sehr gering. In der Eurozone waren die Preise schon im Dezember um 0,2 Prozent zum Vorjahr gesunken.

-Was ist schlecht daran, wenn die Preise fallen?

Das kann Verbraucher und Unternehmen dazu verleiten, Anschaffungen und Investitionen aufzuschieben – schließlich könnte es bald noch billiger werden. Das kann die Konjunktur abwürgen, so dass Firmen Mitarbeiter entlassen müssen.

-Warum strebt die EZB eine höhere Teuerung an?

Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Damit will sie ein Abrutschen in eine Deflation verhindern. Zudem ist Inflation gut für Schuldner, weil der reale Wert der Schulden von Staaten, Unternehmen und Verbrauchern sinkt.

-Was bedeutet die Preisentwicklung für Sparer?

Positiv ist, dass die Inflation im Moment die Ersparnisse nicht auffrisst. Allerdings sind auch die Zinsen niedrig wie nie: Die EZB hat den Leitzins praktisch abgeschafft, um den Preisauftrieb zu stärken. Daher werfen Tagesgeld oder Sparkonto kaum Zinsen ab. Auch die angekündigte Geldflut ist für Sparer keine gute Nachricht. h. schmidt

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare