GELDPOLITIK

Notenbanker beschwichtigt Kritiker aus Bayern

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München – Dass er in München auf eine skeptische Zuhörerschaft stoßen würde, dürfte François Villeroy de Galhau klar gewesen sein: Villeroy ist Chef der französischen Notenbank, im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) unterstützt der Franzose die aggressive Geldpolitik Mario Draghis.

Es war daher kaum verwunderlich, dass der Gouverneur der Banque de France gestern bei einem Besuch vor Unternehmern in München versuchen würde, seine Kritiker in Bayern zu beschwichtigen.

„Ich weiß, dass in Deutschland lebhaft über die Geldpolitik der EZB debattiert wird“, sagte Villeroy und versuchte die Gunst der bayerischen Unternehmer zu gewinnen, indem er das Vorgehen der EZB schlicht als eine Politik bezeichnete, die „in weiten Teilen deutschen Werten entspricht“. Das seien Unabhängigkeit, Vertragstreue, Preisstabilität und Nachhaltigkeit.

„Manche Kritiker mögen die Geldpolitik für das Ergebnis einer südeuropäischen Marotte halten“, sagte Villeroy, doch das sei nicht der Fall. Der EZB-Rat nehme den Auftrag, die Preisstabilität sicherzustellen, sehr ernst. Mit Preisstabilität sei eine Inflation gemeint, die weder zu hoch noch zu niedrig ist – also nahe dem Ziel von zwei Prozent. Villeroy glaubt, dass selbst die deutsche Inflationsrate im Durchschnitt des Jahres 2017 trotzt eines erwarteten Spitzenwertes im ersten Quartal weiterhin unter diesem Wert liegen wird.

„Ich verstehe natürlich die Sorgen der deutschen Sparer angesichts der niedrigen Zinsen“, sagte Villeroy. „Es ist nicht unser Ziel, die Zinsen über einen zu langen Zeitraum niedrig zu halten.“ Wann diese Phase zu Ende ist, sagte er aber nicht. Er wies vielmehr darauf hin, dass niedrige Zinsen kein Selbstzweck seien. Sie seien die notwendige Bedingung für die allmähliche Rückkehr zum Inflationsziel der EZB und die Sicherstellung höherer Zinsen in der Zukunft.

„Auch in Deutschland und in Bayern profitieren die Unternehmen, Mitarbeiter, Verbraucher und Immobilienkäufer von den niedrigen Zinsen der EZB“, verteidigte Villeroy den Draghi-Kurs. Die Maßnahmen sorgten für günstige Bedingungen bei Finanzierungen von Unternehmen und Haushalten. Außerdem böte die Euro-Zone und der günstige Wechselkurs des Euro unbestreitbare Vorteile für deutsche und bayerische Exporteure – „von Airbus über Dräxlmaier bis hin zu Braukon“, betonte Villeroy.

Die bayerischen Unternehmer blieben trotzdem bei ihrer Skepsis. Der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Alfred Gaffal, sagte: „Alles in allem hat die bayerische Wirtschaft fundierte Zweifel an der gegenwärtigen Politik des billigen Geldes.“ Es bestehe die Gefahr, dass die Verschuldung in den Euro-Staaten durch die niedrigen Zinsen weiter steige. „Wenn die Zinsen dann wieder anziehen, steigt die Belastung enorm“, warnte der Verbandschef.

Auch eine Finanzmarktblase infolge der hohen Liquidität sei möglich. Auf den Aktien- und Immobilienmärkten würde eine Blasenbildungen durch Strafzinsen begünstigt, so Gaffals Befürchtung – und Sparer würden durch die Geldpolitik „de facto“ enteignet. Sollte die Inflation weiter anziehen, wären Sparer von zusätzlichen Vermögensverlusten betroffen.

Bei aller Skepsis räumte der vbw-Präsident aber ein, dass die EZB durch ihr Eingreifen in der Euro-Schuldenkrise dazu beigetragen habe, die Finanzmärkte zu stabilisieren. Und wie Villeroy ist auch Gaffal der Ansicht, dass die Abwertung des Euros infolge der EZB-Politik die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Exporteure verbessert habe. „Damit hat die EZB einen Beitrag zur konjunkturellen Erholung und zum Abbau der Arbeitslosigkeit im Euroraum geleistet.“

Angesichts des wachsenden Nationalismus in Europa sagte Gaffal, die EU bringe der bayerischen Wirtschaft überwiegend Vorteile. „Wir stehen zu Europa“, bekräftigte er. Man brauche aber eine Geldpolitik, die Maß und Mitte hält. sebastian Hölzle

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