Nicht alle Vornamen sind erlaubt

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Ben und Mia zählen derzeit zu den beliebtesten Vornamen in Deutschland. Das ergab die Auswertung von 27 Prozent der Geburtsmeldungen 2017 durch den Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld. Bei den Buben liegt Ben auf Platz eins, gefolgt von Jonas, Leon und Paul. Bei den Mädchen ist Emma am beliebtesten – es folgen: Hannah/Hanna, Mia und Sophia/Sofia.

Die beliebtesten Vornamen, die Eltern vergeben, sind aktuell Ben bei den Buben und Emma bei den Mädchen. Wäre es immer so schön einfach, würden die Standesämter – zumindest bei der Namenseintragung – einen langweiligen Job haben. Dem ist aber nicht so. Wenn es zu ausgefallen wird, müssen Gerichte eingreifen.

recht

von Maik Heitmann und Wolfgang Büser

In Deutschland ist die Vergabe von Vornamen nicht gesetzlich geregelt. Fest steht nur, dass jedes Baby vier Wochen nach der Geburt einen Vornamen haben muss. Der Rest liegt in den Händen der Eltern. Wenn diese allerdings zu kreativ werden, was den Vornamen des Sprösslings angeht, kann das Standesamt den Namen ablehnen. Regelmäßig landen Fälle vor Gericht. Hier einige kuriose Namensbeispiele:

„Bock“ als dritter Vorname erlaubt

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main musste klären, ob ein Mädchen mit drittem Vornamen „Bock“ heißen darf. Das Standesamt hatte den Eintrag verweigert, weil der Ausdruck „negativ besetzt“ und das Wohl des Kindes in Gefahr sei. Das sah das Gericht nicht so. Es gebe keinen Rechtsgrundsatz, dass ein bisher nur als Nachname bekannter Name nicht auch als Vorname genutzt werden könnte. Das gelte insbesondere dann, wenn dies der Nachname des Vaters sei und die Verbundenheit mit ihm dokumentiert werden solle. Die Eltern hatten sich hier für diesen Namen entschieden, weil das Mädchen den Familiennamen der Mutter erhielt. Zwar sei nicht auszuschließen, dass das Kind wegen des Namens gehänselt werde. Da es sich aber um den dritten Vornamen handele, müsse dieser ja nicht als Rufname im Alltag verwendet werden (Az.: 20 W 284/10).

„Luca“ ist statistisch männlich

Die Eltern eines Jungen dürfen ihrem Sohn den Namen „Luca“ auch ohne einen weiteren, geschlechtsspezifischen Vornamen geben. Weil die Namensstatistik der letzten Jahre eindeutig zeigt, dass „Luca“ (auch: „Luka“) überwiegend als Jungenname ausgesucht wurde, handelt es sich nicht um einen geschlechtsneutralen Namen (Oberlandesgericht Hamm, 15 W 343/04).

„Waldmeister“ bringt Spott und Häme

Ein Elternpaar aus Bremen wollte seinem Sprössling einen ganz besonderen, unverwechselbaren Namen mit auf den Lebensweg geben: Waldmeister. Der Standesbeamte verweigerte den Eintrag mit dem Hinweis, dass „das Wort Waldmeister als Vorname nicht nachgewiesen werden kann“. Die Justiz pflichtete dem bei. Es sei „zu befürchten“, so das Hanseatische Oberlandesgericht in Bremen, dass der Vorname dem Kind „Spott und Häme bringen“ könne. Das Wort „Waldmeister“ werde im deutschen Raum nicht als Vorname, sondern vor allem als Pflanzenbezeichnung und als Bestandteil für Getränke und Speiseeis assoziiert. Der Vorname berge daher die Gefahr, dass das Kind der Lächerlichkeit preisgegeben werde.

Zwar obliege den Eltern die Sorge für die Person des Kindes. Das umfasse auch das Recht, dem Kind einen Vornamen zu geben. Diesem Recht seien aber Grenzen gesetzt. Es könne kein Vorname gewählt werden, der die naheliegende Gefahr begründe, dass er dem Namensträger schaden könne (Az.: 1 W 19/14).

„Djehad“ wird falsch verstanden

Muslimische Eltern gaben ihrem Sohn den Namen „Djehad“ und beantragten beim Standesamt dessen Beurkundung. Das verweigerte dies mit der Begründung, der Name bedeute „Heiliger Krieg“ und gefährde somit das Kindeswohl. Es musste sich aber vom Kammergericht Berlin dahingehend aufklären lassen, dass es sich bei dem Wort „Djehad“ um eine im Arabischen auch als männlicher Vorname gebräuchliche Bezeichnung für die Verpflichtung des Muslims zu einem geistigen und gesellschaftlichen Einsatz für die Verbreitung des Glaubens handelt. Dass radikale Islamisten den Begriff im Sinne eines bewaffneten Kampfes gegen „Ungläubige“ auch mit Mitteln des Terrors führten, bedeute nicht, dass der Ausdruck für das Kind „verunglimpfend oder anstößig“ werde. Die Motive der Eltern bei der Auswahl des Namens spielen für die Prüfung des Kindeswohls keine Rolle (Az.: 1 W 93/07).

„Kai“ ist hierzulande ein Jungenname

Die Eltern eines Jungen dürfen ihrem Sohn den Namen „Kai“ als alleinigen Vornamen geben. Das gilt auch dann, wenn der Name „Kai“ in Skandinavien überwiegend für Mädchen gebräuchlich und auch als solcher in der Bundesrepublik zugelassen ist. Die „weibliche Herkunft“ stammt aus einem fremden Sprachkreis; in Deutschland ist „Kai“ für Jungen überwiegend verbreitet (Oberlandesgericht Hamm, 15 W 102/03).

„Sabsudin“ darf geändert werden

Ein sechs Jahre alter Junge wurde wegen seines Vornamens „Sabsudin“ von anderen Kindern gehänselt, worauf er – von Erzieherinnen und Lehrern bestätigt – „sehr empfindlich reagiert“. Das, so das Verwaltungsgericht Koblenz, sei ein „rechtfertigender Grund, den Vornamen zu ändern“. Das gelte insbesondere dann, wenn der Papa (der aus Afghanistan stammt, woher auch der Name kommt) keinen Kontakt mehr zu Mutter und Kind hat, keinen Unterhalt zahlt und der Filius mittlerweile katholisch getauft worden ist; ein Zusammenhang zur Religion des Vaters also nicht mehr besteht. Der Vater wollte die Änderung des Vornamens in „Sebastian“ auf dem Klageweg verhindern – allerdings erfolglos (Az.: 5 K 957/08).

Fünf Vornamen sind genug

Kinder dürfen keine Litfaßsäulen sein – Eltern sind nicht berechtigt, ihrem Sohn zwölf Vornamen zu geben (Chenekwahow, Migiskau, Nikapi-Hun-Nizeo, Alessandro, Majim, Chayara, Inti, Ernesto, Prithibi, Kioma, Pathar und Henrike), weil es „eine Zumutung für das Kind ist“, ein ganzes Arsenal von Vornamen zu haben und quasi als „Plakat elterlicher Bekenntnisse“ missbraucht zu werden.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte in einem Urteil bereits fünf Vornamen für ausreichend gehalten (BVfG, 1 BvR 994/98).

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