"Neue Ketten sind gut für uns"

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Sein mittlerweile 48. Restaurant eröffnet Michael Heinritzi Ende September. Er ist der größte Lizenznehmer in Europa. Derzeit investiert er in den Umbau aller Küchen, um das Sortiment zu erweitern. Foto re

Seit 33 Jahren ist Michael Heinritzi Lizenznehmer des Fast-Food-Unternehmens McDonald‘s und ist mittlerweile der größte Franchisenehmer Europas. Mit einer kleinen Filiale an der Bahnhofstraße in Rosenheim fing die unternehmerische Laufbahn an.

Heute betreut Heinritzi 47 Filialen in Niederbayern, Oberbayern, Tirol und dem Salzburger Land. Die 48. wird in wenigen Wochen eröffnet.

∗ Herr Heinritzi, wie sehen Sie die Position von McDonald‘s in Deutschland, auch im Vergleich zu den USA?

Im Vergleich zu Deutschland hat McDonalds in den USA einen viel geringeren Marktanteil an der Systemgastronomie. Das Unternehmen definiert sich dort über den Preis und einen größeren Preiskampf unter den Mitbewerbern - dort gibt es mehr Mitbewerber in der Systemgastronomie. Das ist in Deutschland anders. Das Unternehmen hat hier eine starke Position und ist mit über 60 Prozent Marktanteil in der Branche mit weitem Abstand Marktführer. Und auch wenn es stimmen mag, dass es McDonald‘s in den USA zurzeit nicht so gut geht, für Deutschland und insbesondere Süddeutschland gilt das nicht. Mein Unternehmen hat in 2014 den Umsatz um fünf Prozent gesteigert und das Jahr 2015 läuft noch besser. Uns geht es so gut wie noch nie. In manch anderen Regionen in Deutschland sieht es vielleicht nicht ganz so gut aus.

∗ Sie sind heute der größte Lizenznehmer in Europa. Wie sind Sie zu McDonald‘s gekommen?

Als gelernter Gastronomie- und Hotelkaufmann komme ich aus der Branche. Ich bin gebürtiger Oberbayer und habe viele Jahre auch international gearbeitet. Nach der Zeit im Ausland wollte ich wieder nach Hause und habe durch Zufall den Vice President von McDonald‘s Deutschland kennengelernt. Mit ihm bin ich ins Gespräch gekommen und er meinte: Solche Leute wie dich suchen wir. Meine Bedingung war, dass ich wieder in meine Heimat zurück konnte. So kam es dazu, dass ich mein erstes McDonald‘s-Restaurant in der Bahnhofstraße 1 in Rosenheim eröffnet habe. Danach sind wir kontinuierlich gewachsen und eröffnen jetzt Ende September unsere 48. Filiale.

∗ Wie funktioniert das System des Lizenznehmens in Deutschland?

Es gibt keine Regionallizenzen, sondern für jede Filiale muss man sich neu bewerben. Zum Beispiel wird unser nächstes Restaurant jetzt in Parsdorf gebaut und Ende September in Betrieb genommen, vom Spatenstich bis zur Eröffnung benötigen wird nur drei Monate. McDonald‘s baut einen erweiterten Rohbau und übergibt diesen an den Lizenznehmer, der dann mehr als eine Million Euro in die Fertigstellung und die Ausstattung investiert. Die Pacht ist umsatzabhängig, hinzu kommt eine Lizenzgebühr, die zu entrichten ist. Insgesamt rechnet man zwischen 15 und 20 Prozent des Umsatzes, der an den Konzern abzuführen ist. Das ist nicht wenig, dafür hat man aber sofort einen hohen Bekanntheitsgrad und es stehen einem alle Bereiche wie Einkauf, Personalschulungen, Forschung und Entwicklung sowie Werbung zur Verfügung.

∗ McDonalds wird gerne als Fast-Food-Restaurant gesehen. Wie wird dem begegnet?

Ich glaube, das Fast-Food-Image hat McDonald‘s Deutschland schon vor acht Jahren mit der flächendeckenden Einführung der McCafés, einer hohen Investition in neue Ausstattung und neuen Designs abgelegt. Allein in meinen Restaurants wurden insgesamt 25 Millionen Euro investiert. Derzeit steht die nächste große Investition an. In den nächsten zwei Jahren werden alle Küchen umgebaut und die Bestellungen im Anschluss erst dann zubereitet, wenn der Gast das Produkt bestellt. Dieses System "made for you" ist zwar personalintensiver, aber durch die Frische der Produkte steigert sich unsere Qualität. Dann besteht auch die Möglichkeit, dass sich der Gast seinen Burger selbst zusammenstellt und auch verschiedene Brotsorten wählen kann. In unseren Rosenheimer Restaurants erfolgt der Umbau im kommenden Jahr. Wie auch in der Vergangenheit werden in Zukunft viele kleine Bauteile dazu beitragen, dass wir unsere Marktführerschaft nicht nur halten sondern auch ausbauen.

∗ Bei einer Kette wie McDonalds galt bislang immer die Devise: Der Kunde bekommt das gleiche Produkt, egal in welchem Land er eine Filiale aufsucht. Wird das mit dem neuen Konzept aufgeweicht?

Also die Core-Produkte wie der Big Mac & Co. bleiben weiterhin in jeder Filiale weltweit erhalten. Es wird zukünftig "Restaurants of the Future" geben, die neben dem Standardsortiment zusätzlich einige Edelburger und andere Serviceformen wie Tischservice oder digitale Bestellmöglichkeiten anbieten - auch bei uns.

∗ Ist der Kunde anspruchsvoller geworden?

Unsere Gäste sind gleichzeitig anspruchsvoller, aber auch preissensibler geworden. Das ist ein Spagat, den wir meistern müssen. Durch die Einführung des Mindestlohns - den ich im Übrigen sehr befürworte, denn qualifiziertes Personal muss auch entsprechend bezahlt werden - und die gute Binnenkonjunktur ist der Gast aber insgesamt wieder spendierfreudiger.

∗ Wie ist es mit Ihnen? Essen Sie selbst bei McDonald‘s?

Ja klar. Ich halte auch Mitarbeiterbesprechungen und Meetings am liebsten in meinen Restaurants und nicht im Büro ab, insofern bin ich auch täglich in meinen Betrieben und dann ergibt es sich automatisch, dass ich dort etwas esse. Außerdem probiere ich auch immer wieder die neuen oder saisonalen Produkte. Am liebsten mag ich dabei Rindfleisch. Ich bin aber auch eine Kaffeetante und dementsprechend gerne im McCafé. In Irschenberg ist das erste McCafé in Deutschland eröffnet worden.

∗ Das Produkt "Burger" liegt insgesamt im Trend. Ketten wie "Hans im Glück" zeigen, dass Verbraucher auch bereit sind, für ein gutes Produkt mehr zu zahlen.

Das stimmt und die neuen Ketten wie "Hans im Glück" sind gut für uns und beweisen, dass die Gäste große Burger lieben. Auch bei uns wird es vermehrt große Edelburger geben und jetzt auch Quinoa Veggieburger sowie rein vegetarische Salate. Zurecht haben sich die Vegetarier in der Vergangenheit beschwert, dass es nicht genügend Angebote gab. Zielgruppe ist bei uns jeder, vom Kind bis zum Rentner, von der Familie bis zum Geschäftsmann. Wir müssen uns für unsere Gäste immer etwas Neues einfallen lassen. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.

∗ In einigen Filialen wird auch ein Lieferservice oder die Bedienung am Tisch getestet. Auch in Ihren Restaurants?

Ein Lieferservice ist für uns insgesamt schwierig, da aufgrund der geringen Vorhaltezeit der Produkte nur in einem sehr eingeschränkten Radius um die Restraurants zugestellt werden kann. Ein Bringdienst wird daher bei uns nicht getestet. Wir sind aber immer wieder Testrestaurants für McDonald‘s Deutschland, aktuell Frühstück rund um die Uhr im McCafé in Irschenberg, sowie im McCafé Tischservice in einigen Restaurants, kalte Sandwiches oder zuletzt Suppen.

∗ Die Küchen werden umgebaut, in Parsdorf die nächste Filiale eröffnet - haben Sie auch für die Region weitere Pläne?

In der Region gibt es wenige weiße Flecken auf der Landkarte, wo es uns noch nicht gibt. Nimmt man den Umsatz in Relation zur Einwohnerzahl, so ist der Rosenheimer Raum außerdem einer der umsatzstärksten. In der Bahnhofstraße habe ich vor 33 Jahren den ersten Schritt in die McDonald‘s-Welt gemacht, mit dem "made for you" oder einer starken Digitalisierung, einem bargeldlosen Zahlungsverkehr und neuen Investitionen in unseren Restaurants gehen wir den nächsten Schritt in Richtung Zukunft. Es ist auch nicht auszuschließen, dass wir vielleicht neue Restaurants oder Satellites im Rosenheimer Raum eröffnen. Wir gehen dorthin, wo die Gäste uns erwarten, außerdem hängt mein Herz an Rosenheim und meine Zentrale ist im Hofbräuhausgelände und so wird es auch bleiben. Interview: Nina Kallmeier

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