Neue Ideen für mehr Wohneigentum

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Gebaut wird derzeit viel in Deutschland – nur gehört das Haus oft nicht den Bewohnern selbst, sondern einem Fremdeigentümer, kritisiert der bayerische Bankenverband. Gezielte Steueranreize sollen das ändern. Foto: Heiko Wolfraum / dpa
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Gebaut wird derzeit viel in Deutschland – nur gehört das Haus oft nicht den Bewohnern selbst, sondern einem Fremdeigentümer, kritisiert der bayerische Bankenverband. Gezielte Steueranreize sollen das ändern. Foto: Heiko Wolfraum / dpa

Normalverdiener können kaum noch genügend Eigenkapital für den Bau eines Hauses oder den Kauf einer Eigentumswohnung ansparen. Verbände schlagen neue Förderinstrumente vor – die manchmal so neu gar nicht sind.

Immobilien

Von Sebastian Hölzle und Wolfgang Mulke

München – Manchmal liegt die Zukunft in der Vergangenheit – zumindest wenn es nach dem Bayerischen Bankenverband und dem unionsnahen Wirtschaftsbeirat Bayern geht: Noch vor Jahrzehnten ließen sich in Deutschland erhebliche Teile der Baukosten steuerlich geltend machen, aber 1996 war mehr oder weniger Schluss damit. Jetzt wollen die beiden Verbände an die damalige Idee anknüpfen und fordern ein knappes Jahr vor der Bundestagswahl Steuererleichterungen, damit sich vor allem Familien mit mittlerem Einkommen ein Eigenheim wieder leisten können.

Die beiden Verbände wollen die „Reaktivierung“ eines alten Instruments aus dem Einkommensteuergesetz, das Ende der 80er-Jahre in Deutschland eingeführt wurde. Konkret geht es nur um einen einzigen Paragrafen, den Paragrafen 10e des Einkommensteuergesetzes. Ende der 80er-Jahre trat das Gesetz in Kraft und galt in der damaligen Form bis Mitte der 90er- Jahre. Wer damals bauen wollte oder eine Immobilie erwarb, konnte bis zu 50 Prozent des Grundstückswertes und zusätzlich bis zu sechs Prozent der Anschaffungskosten des Gebäudes bis zu einer Höchstgrenze von etwa 10 000 Mark jährlich als Sonderausgabe geltend machen, erinnern die Verbände. Entsprechendes habe für Ausbauten und Erweiterungen, etwa den altersgerechten Umbau von Wohnungen gegolten.

„Damals ist die Wohneigentumsquote deutlich stärker gewachsen als heute“, sagt Silke Wolf, Geschäftsführerin des Bayerischen Bankenverbandes. Diese Quote ist in Deutschland alles andere als hoch: Sie sagt aus, wie viel Prozent aller Wohnungen eines Landes von den Besitzern auch selbst bewohnt werden. Und Deutschland ist im Laufe der Jahrzehnte ein Land der Mieter geblieben. Die Verbände weisen darauf hin, dass in Polen, Italien, Norwegen und Spanien über 75 Prozent der Immobilienbesitzer die Wohnung oder das Haus auch selbst bewohnen. „Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit einer Wohneigentumsquote von 45 Prozent deutlich zurück“, heißt es in dem Papier.

„Heute beobachten wir zwar eine starke Kreditvergabe, aber keine Erhöhung der Eigentumsquote“, kritisiert Wolf. Von einer neuen Bundesregierung erhoffen sich Bankenverband und der Wirtschaftsbeirat eine Renaissance der steuerlichen Wohnbauförderung. „Eine steuerliche Förderung von selbstgenutztem und familiengerechtem Wohneigentum ist deshalb ein wichtiger Beitrag für die politische Agenda der nächsten Legislaturperiode“, heißt es in ihrem Papier mit Verweis auf die Vorteile: Anders als bei einer direkten Förderung durch Zuschüsse hätten steuerliche Anreize eine „hohe soziale Treffsicherheit“. Damit ist gemeint: Wer aufgrund eines niedrigen Einkommens keine oder nur geringe Steuern zahlt, würde nicht in eine risikoreiche Wohnungsfinanzierung gelockt. Mittlere Einkommen würden angesichts eines steigenden Steuersatzes zuverlässig gefördert – und für „Luxusobjekte“ ließe sich eine Förderobergrenze definieren.

Ob sich eine künftige Bundesregierung für den Vorschlag begeistern lässt, ist aber längst nicht ausgemacht. Immerhin dürften dem Staat durch das Anreizprogramm 800 bis 900 Millionen Euro pro Jahr an Steuereinnahmen entgehen, räumt Wolf ein. Sie glaubt aber auch: Durch ein Ankurbeln der Bauwirtschaft sei gleichzeitig mit Mehreinnahmen zu rechnen.

Während die Verbände bereits an die Zeit nach der Bundestagswahl denken, will die aktuelle Bundesregierung noch in der laufenden Legislaturperiode eine familienfreundliche Bauförderung umsetzen. Auch ihr geht es um eine alte Idee, die frühere Eigenheimzulage: Bis Ende 2005 gab es die großzügige Eigenheimzulage von zuletzt bis zu gut 2000 Euro, die acht Jahre lang als Zuschuss vom Staat überwiesen wurde. Seither gewährt das Finanzamt lediglich eine kleine Abschreibung der Bau- oder Anschaffungskosten. SPD-Bauministerin Barbara Hendricks will Zuschüsse zum Eigenkapital in besonders nachgefragten Wohngebieten auf den Weg bringen. Schon 2017 könnten Familien je nach Kinderzahl auf einen zusätzlichen Betrag zwischen 8000 Euro und 20 000 Euro hoffen. Gefördert werden sollen aber nur Familien, die Zins und Tilgung ihres Baudarlehens auch sicher meistern können. Die Union bringt die Idee eines Baukindergelds ins Spiel. Dabei erhalten Familien 1200 Euro pro Kind und Jahr als Eigenheimhilfe. Entschieden ist jedoch noch nichts.

Auch Immobilienverbände haben Vorschläge erarbeitet, die Menschen mit mittlerem Einkommen den Haus- oder Wohnungskauf erleichtern sollen. Käufer könnten von der Grunderwerbssteuer befreit werden, wenn sie sieben Jahre lang im Eigenheim leben, schlägt der Präsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD), Jürgen Michael Schick, vor. Auch ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bei öffentlichen Verkehrsmitteln sei notwendig, um den Umzug in Randgebiete attraktiver zu machen. Vor allem aber fordern die Verbände eine Lockerung der neuen Kreditrichtlinie (siehe Kasten).

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