Neue Abbauwelle bei Weltbild

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Wie geht es weiter mit Weltbild? Das erste Zukunftskonzept ist gescheitert. Nun fallen weitere Stellen weg. foto: dpa

Bei Weltbild droht entgegen früherer Zusagen eine zweite Abbauwelle. Sie soll rund 600 von 2000 Stellen in Verwaltung, Logistik und den Filialen kosten.

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Bei Weltbild droht entgegen früherer Zusagen eine zweite Abbauwelle. Sie soll rund 600 von 2000 Stellen in Verwaltung, Logistik und den Filialen kosten.

von Thomas magenheim-hörmann

München – Wenn Mitarbeiterblogs einigermaßen verlässlich Auskunft über ein Unternehmen geben, erlebt der Augsburger Buchhändler Weltbild wieder einmal Tage des Schreckens. „Der Laden geht den Bach runter“, ist sich einer der dort Beschäftigten sicher. Deshalb werde er ab sofort produktiv nichts mehr tun und die Arbeitszeit nutzen, um Bewerbungen zu schreiben, kündigt er anonym an. Mitblogger sehen den jüngsten Sanierungsversuch ebenfalls als gescheitert an und rechnen mit einer Zerschlagung der gerade erst ihrer Insolvenz entronnenen Krisenfirma.

Die Wut der Beschäftigten richtet sich gegen den Düsseldorfer Milliardär und vermeintlichen Weltbild-Retter Walter Droege. Vor gut einem Jahr waren die Augsburger pleitegegangen. Gut 1000 Stellen konnte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nicht mehr retten, aber zumindest eine Zerschlagung vermeiden und den aus seiner Sicht sanierbaren Firmenkern an den Investor aus dem Rheinland verkaufen. Gemeinsam vereinbart wurde noch ein Zukunftskonzept unter dem Schlagwort Weltbild 2.0.

Wenige Wochen, nachdem die Tinte unter den Übernahmeverträgen trocken war, wollte Droege davon nichts mehr wissen. Zwei Tage lang haben von ihm bestellte Manager der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und Betriebsräten nun erklärt, dass nun ein zweiter Kahlschlag kommt, der noch einmal fast jede dritte Stelle kosten soll.

Weltbild wäre als Einheit dann nicht mehr überlebensfähig, meint Verdi-Mann Thomas Gürlebeck. Sein Kollege Timm Boßmann nennt die Pläne ein Sterben auf Raten. Droege plane die Spaltung des Konzerns und breche alle früheren Abmachungen. Rund 200 von 450 Stellen wolle er in der Augsburger Zentrale streichen. Weitere 200 von 500 Stellen stehen in Logistik und Versand zur Disposition. Dazu sollen 70 Filialen verkauft werden, wo nochmal gut 200 Beschäftigte arbeiten.

Nach außen bestätigt Weltbild diese Zahlen nicht, wohl aber Abbaupläne als solche und auch einen Teilverkauf von Filialen. Man habe sich gegenüber Verdi und Betriebsrat zu Stillschweigen und Vertraulichkeit verpflichtet. Die schmerzlichen Schritte seien bedauerlichweise nötig, weil Weltbild in der Übernahmephase an „Flughöhe“ verloren habe. Sie würden so sozialverträglich wie möglich umgesetzt. Sobald alles umgesetzt ist, sei Weltbild endgültig für die Zukunft gewappnet, versprechen die Manager. Auch ihre Äußerungen klingen zunehmend bedrohlich. „Wir haben eine zweite Chance bekommen. Ich glaube nicht, dass wir eine dritte Chance bekommen werden“, meinte Geschäftsführer Patrick Hofmann mit Blick auf Investor Droege. Hofmann und Mitgeschäftsführer Sikko Böhm streiten nicht ab, dass das Konzept Weltbild 2.0 für sie Makulatur geworden ist. Man müsse es neuen Realitäten anpassen. Die Mitarbeiter eventuell verkaufter Filialen würden im Übrigen von einem neuen Eigentümer übernommen.

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