Nasskalter Mai trübt Lage am Arbeitsmarkt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das anhaltend schlechte Wetter macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt negativ bemerkbar. Aber auch der konjunkturelle Rückenwind wird merklich schwächer.

weniger offene Stellen

Das anhaltend schlechte Wetter macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt negativ bemerkbar. Aber auch der konjunkturelle Rückenwind wird merklich schwächer.

von elke richter

München/Nürnberg – Der Frühjahrsaufschwung kurbelt den Arbeitsmarkt in Bayern heuer nicht so kräftig an wie in den Vorjahren. Im ungewöhnlich nasskalten Mai sank die Zahl der Arbeitslosen nur auf knapp 255 600. Das sind 4,7 Prozent weniger als im April, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit berichtete. Die Arbeitslosenquote sank von 3,9 auf 3,7 Prozent. Vor einem Jahr waren nur 3,5 Prozent ohne Stelle gewesen.

Doch trotz Beinahe-Rezession in Deutschland und wirtschaftlichen Schwierigkeiten in vielen Exportländern könne der Arbeitsmarkt in Bayern weiterhin als stabil bezeichnet werden, meint Behördenchef Ralf Holtzwart. Freilich räumte er ein: „Die weitere Entwicklung kann derzeit nur schwer prognostiziert werden.“ Auf der einen Seite sei das Geschäftsklima im für Bayern so wichtigen verarbeitenden Gewerbe erneut leicht gefallen. „Auf der anderen Seite sind die Auftragsbücher erstmals seit einem Jahr wieder etwas stärker gefüllt.“

Aktuell liegt die Arbeitslosigkeit im Freistaat zum zweiten Mal in Folge nicht nur über dem Niveau von 2012, sondern auch von 2011. Dabei schlägt sich die fehlende Schubkraft der Konjunktur nicht nur in der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl, sondern auch im Bestand an offenen Stellen nieder: Die Arbeitsagenturen hatten im Mai nur 64 000 Stellen im Angebot und damit fast 15 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) wartet nun sowohl auf die meteorologische als auch auf die konjunkturelle Frühjahrsbelebung. „Wir brauchen Geduld“, betonte er. Das Ziel, bis zum Jahr 2015 in Bayern Vollbeschäftigung zu erreichen, bleibe aber erreichbar.

Dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zufolge hat im vergangenen Jahr jeder fünfte Beschäftigte im Gastgewerbe und jeder zweite Leiharbeiter in Bayern seine Arbeit verloren. Gemessen am Beschäftigungsstand seien 8,7 Prozent der regulär Beschäftigten im Freistaat im Laufe des Jahres 2012 arbeitslos geworden.

Auch bundesweit schwindet nach der schwachen Frühjahrsbelebung die Hoffnung auf einen Jobaufschwung in der zweiten Jahreshälfte. Auf dem Arbeitsmarkt müsse man sich wahrscheinlich bis zum Jahresende auf eine Seitwärtsbewegung einstellen, sagte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise. Er berief sich dabei auch auf eine Umfrage bei den örtlichen Arbeitsagenturen. Demnach stehen die Zeichen auf Stagnation. Nach BA-Angaben waren bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern im Mai bundesweit 2,937 Millionen Männer und Frauen als arbeitslos registriert. Dies waren zwar 83 000 weniger als im April, aber 82 000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum April um 0,3 Punkte auf 6,8 Prozent zurück (Vorjahr: 6,7 Prozent).

Am Ausbildungsmarkt gibt es weniger Lehrstellen und weniger Bewerber als im Vorjahr. Bis dato wurden 439 000 offene Lehrstellen gemeldet, die Zahl der Bewerber lag bei 465 000.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare