Mineralöl in Labello & Co.

In diesen 18 Produkten wiesen die Prüfer der Stiftung Warentest kritische Substanzen nach – darunter Markenartikel wie Labello, Bebe oder Blistex. Wer sichergehen will, sollte auf diese Produkte verzichten, lautet der Ratschlag der Warentester. Der Pflegestift von Sebamed patzte im UV-Test. Foto: Stiftung Warentest
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In diesen 18 Produkten wiesen die Prüfer der Stiftung Warentest kritische Substanzen nach – darunter Markenartikel wie Labello, Bebe oder Blistex. Wer sichergehen will, sollte auf diese Produkte verzichten, lautet der Ratschlag der Warentester. Der Pflegestift von Sebamed patzte im UV-Test. Foto: Stiftung Warentest

Eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt: 18 Lippenpflegeartikel sind mit kritischen Substanzen belastet. Die gute Nachricht: Empfehlenswerte Produkte gibt es schon ab 29 Cent.

lippenpflege im Test

Schutzbedürftige Lippen brauchen regelmäßig fettreiche Pflege, damit sie geschmeidig bleiben. Ob Labello oder Blistex, als Stift oder aus der Tube – viele Menschen nutzen Lippenpflegemittel oft und reichlich. Umso wichtiger, dass die Produkte frei von kritischen Substanzen sind. Denn über den Mund gelangen sie leicht in den Körper. Die Stiftung Warentest hat für die aktuellen Ausgabe des „Test“-Hefts 35 Lippenpflegemittel untersucht. In 18 Produkten fanden die Tester kritische Substanzen, darunter namhafte Marken wie Labello, Blistex oder Bebe. Die gute Nachricht: 15 Lippenpflegemittel können die Test-Experten empfehlen – darunter fast alle Naturkosmetikprodukte.

Kritische Substanzen in Markenprodukten

Kritisch in Produkten zur Lippenpflege sind vor allem bestimmte Kohlenwasserstoffe: Dabei handelt es sich um sogenannte Mosh (Mineral oil saturated hydrocarbons), das sind gesättigte Kohlenwasserstoffe, Moah (Mineral oil aromatic hydrocarbons), das sind aromatische Kohlenwasserstoffe sowie Posh (Polymer oligomeric saturated hydrocarbons), das sind synthetische Kohlenwasserstoffe, die den Mosh ähnlich sind. Die Tester wollten wissen, ob diese Substanzen in Lippenpflegemitteln enthalten sind.

Stoffe können sich im Körper anreichern

Regelmäßige Anwender schlucken im Jahr rund 20 Gramm Lippenstift, hat der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) der EU-Kommission errechnet – das sind in etwa vier Lippenstifte. „Potenziell bedenklich“ ist aber schon die Menge an Mosh, die die Verbraucher über Lebensmittel aufnehmen, schätzt die Europäische Lebensmittelbehörde Efsa. Denn viele Mosh können sich im Körper anreichern, etwa im Fettgewebe, in Leber oder Milz.

Die gesundheitlichen Folgen sind bisher nicht vollständig geklärt. Das gilt auch für Posh-Bestandteile. Moah-Bestandteile sieht die Efsa noch kritischer: Sie stuft einige als „potenziell krebserregend“ ein. Mosh und Moah in Kosmetik stammen aus Zutaten auf Mineralölbasis. Posh kommen über synthetisch hergestellte Inhaltsstoffe, oft aus Ausgangsstoffen wie Kohle oder Biomasse, in die Produkte.

Naturkosmetik als Alternative

Wer sichergehen will, Kosmetik ohne Mosh, Posh und Moah zu kaufen, sollte einen Blick in die klein gedruckte Liste der Inhaltsstoffe werfen – oder ein Naturkosmetikprodukt kaufen: Unter den 15 Lippenpflegeprodukten, in denen die Stiftung Warentest keine kritischen Substanzen gefunden hat, sind sechs der sieben Produkte mit Naturkosmetik-Siegel. Im Granatapfel-Lippenbalsam von Bee Natural wiesen die Prüfer allerdings sehr geringe Mengen an Mosh nach – trotz Naturkosmetiksiegel. Möglicherweise gelangten sie als Verunreinigung im Herstellungsprozess ins Produkt.

Dennoch hält die Stiftung Warentest den Balsam nicht für empfehlenswert. Denn Verbraucher sollen bei zertifizierter Naturkosmetik davon ausgehen können, dass sie vollständig frei von Mineralölbestandteilen ist. Das sehen die Vorgaben für zertifizierte Naturkosmetik so vor.

Einer patzt beim Sonnenschutz

Bei Produkten, die einen angemessenen Sonnenschutz auslobten, prüften die Tester, ob sie den versprochenen Lichtschutzfaktor einhalten. Bei fast allen Produkten im Test war dies der Fall. Nur ein Stift patzte beim UV-Schutz: der Lippenbalsam Sebamed Schützende Lippenpflege. Kritischen Inhaltsstoffe enthält er aber nicht.

Produkte ohne kritische Substanzen

In folgenden 15 Produkten fanden die Prüfer keine kritischen Substanzen: Bepanthol Lippencreme, dm Alverde Sonnen-Lippenpflege Bio- Sanddorn Bio-Olive, dm Balea Lippenpflege Sensitive, dm Balea Men Active Care Lippenpflege, Dr. Bronner’s All-one Zitrone-Limette Lippenbalsam, Dr. Hauschka Lip Balm, Eos Lippenbalsam Granatapfel Himbeere, Lavera Basis sensitiv Lippenbalsam, Lidl Cien Care Lippenpflege (mit 29 Cent am günstigsten), Lush Rose Lollipop Lippenbalsam, Müller Aveo Lippenpflege Classic, Rituals Smooth Operator Caring Lip Balm, Rossmann Alterra Lippenpflege Bio-Kamille, Rossmann Isana Lippenpflege Classic mit Mandelöl und Weleda Everon Lippenpflege.

Von diesen Stifte wird abgeraten

Dem Test zufolge enthalten 15 Produkte laut Deklaration mineralölbasierte Inhaltsstoffe – kritische Substanzen wurden nachgewiesen. Der Ratschlag der Stiftung Warentest: „Allen, die sichergehen wollen, empfehlen wir, auf diese Produkte zu verzichten.“

Belastet sind: Balmi Super Cube Lip Balm Coconut (Gehalt an Mosh und Posh: 26 Prozent/Gehalt an Moah: 0,57 Prozent), Bebe Young Care classic (47/0,13), Blistex Lippenbalsam Lip Relief Cream (17/0,07), Carmex feuchtigkeitsspendender Lippenbalsam (17/0,49), Chupa Chups Lippenpflege mit Geschmack Erdbeer (35/0,06), Essence Balmy Kiss Moisturizing Lip Care 01 it’s spa time! (6/0,06), Eucerin Lip Aktiv (13/0,21), Labello Original Lippenpflegestift (14/0,21), Labello Sun Protect Lippenpflegestift (7/0,19), Lip Smacker Coca Cola Lippenpflegestift mit Geschmack (10/0,15), Minions Lippenbalsam Cola (20/0,04), Neutrogena Lippenpflege (12/0,02), Pepsi Lip Balm (69/0,09), The Body Shop 01 Lip Care (28/Moah nicht bestimmbar) und Yves Rocher Nourishing Macadamia Lip Balm Protection (2/0,04).

Vier Produkte enthielten laut Deklaration zwar keine mineralölbasierten Inhaltsstoffe, im Test fielen sie trotzdem durch: Bee Natural Lippenbalsam Granatapfel (Gehalt an Mosh und Posh: 0,4 Prozent/Moah nicht nachweisbar), La Roche-Posay Nutritic Lippen (22/Moah nicht nachweisbar), Sebamed Schützende Lippenpflege (Mosh, Posh und Moah nicht nachweisbar – allerdings wurde der UV-Schutz nicht eingehalten) und Vichy Aqualia Thermal Lippenbalsam (24/Moah nicht nachweisbar).  mm

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