LANDWIRTSCHAFT

Milchkühe reisen Tausende Kilometer weit

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Kuhhandel mit Katar: Exporteur Youssef Farhat liefert Kühe aus Deutschland nach Katar.

Tiergroßhändler Youssef Farhat schickt aus Deutschland Rinder um die halbe Welt. Mit seiner Lieferung nach Katar sorgt er nun dafür, dass im Wüstenstaat trotz Wirtschaftsblockade anderer arabischer Länder die Milch fließen kann.

Von Miriam Schönbach

Weißenberg/Löbau – Genüsslich stecken die Kühe ihre Schnauzen in das frische Heu. Durch die geöffneten Stalltüren ist die Silhouette des Oberlausitzer Berglands in Sachsen zu sehen. Tiergroßhändler Youssef Farhat streicht einem Holstein-Rind über den Kopf. „Diese Tiere gehen in den Libanon“, sagt er. Dann müsse er den Stall säubern und desinfizieren. „Wir benötigen den Quarantäneplatz für unsere Lieferung nach Katar“, sagt der 57-Jährige. In den Wüstenstaat hat er vor zwei Wochen die ersten Kühe per Flugzeug auf den Weg gebracht. Weitere 500 sollen noch folgen.

Mit der Einfuhr der Milchkühe reagiert das Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel auf die Blockade, die die drei Nachbarländer Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Ägypten verhängt haben. Aus Protest gegen die angebliche Unterstützung des Landes für Terrororganisationen stellten sie Anfang Juni den Handel ein. Wenig später klingelte in Löbau bei Farhat das Telefon. Gefragt war ein Angebot für die Lieferung von Kühen nach Katar.

Für Farhat ist dieser Auftrag einer wie viele andere. Vor knapp 25 Jahren hat sich der Medizintechnik-Ingenieur auf den Handel mit Tieren spezialisiert. Er stammt aus dem Libanon. Über ein Stipendium der sozialistischen Länder kommt er 1978 in die damalige Tschechoslowakei. Zuerst macht er einen einjährigen Sprachkurs, dann beginnt er in Pilsen „Medizinische Kybernetik“ zu studieren. Nach dem Studium reist er als Vertreter einer libanesischen Firma durch die CSSR, um Milchprodukte für sein Heimatland einzukaufen.

Es ist Farhats Einstieg in das Exportgeschäft. Mit der Wende zieht er nach Deutschland. Seine Frau kommt aus der Oberlausitz. Hier spezialisiert er sich auf den Handel mit Tieren, vor allem Rinder. „Die Nachfrage ist riesig“, sagt er. Die Exportzahlen sprechen dafür: Im vergangenen Jahr wurden laut Deutschem Holstein Verband knapp 80 000 Zuchtrinder der Rasse Deutsche-Holstein in 39 Länder exportiert. Etwa ein Drittel ist in Europa geblieben, aber auch Nordafrika, Russland und arabische Staaten wollen Tiere von deutschen Weiden. Denn zwischen Nordsee und Alpen hat die Rinderzucht eine lange Tradition. Mit jährlich 60 000 bis 80 000 Tieren ist Deutschland mengenmäßig Export-Spitzenreiter. Große Zuchtbetriebe gibt es auch in den Niederlanden, in Frankreich und in Österreich.

Von den über 17 000 Herdbuchzucht-Betrieben in Deutschland bekommt Farhat seine Tiere. „Wir nehmen Kontakt zu den Zuchtverbänden auf. Von ihnen erfahren wir, wo es Tiere gibt“, sagt Erik Zelyk. Der Agraringenieur reist im Auftrag des Löbauer Tiergroßhändlers von Stall zu Stall, um sich die Rinder anzuschauen. Zwischen 5000 und 6000 Kühe müssen so jährlich seinen Qualitätsansprüchen entsprechen. Neben Katar und dem Libanon liefert der sächsische Unternehmer unter anderem bis nach Usbekistan, Nordafrika sowie in arabische Länder.

Farhat sammelt aus dem Wassertrog ein paar Heuhalme. „Diese Tiere gehen mit dem Schiff auf Reisen. Die Rinder für Katar bringen wir mit dem Flugzeug auf den Weg“, sagt er. Etwa zwölf Stunden vergehen vom Verladen der Kühe in der Sammelstelle in Weißenberg über den Flughafen Frankfurt bis zu ihrer Ankunft in Doha. Von der katarischen Hauptstadt werden sie zu einer Farm im Norden des Landes transportiert. Dort erwartet die rund 18 Monate alten trächtigen Rinder ein voll klimatisierter Stall.

Der Lieferung in den kommenden Tagen sollen in diesem Jahr noch weitere Transporte aus Deutschland folgen. „Wir rechnen auch danach weiter mit einer großen Nachfrage aus Katar. Vor der Krise gab es im Land wenig Interesse an der Landwirtschaft. Nun gibt der Staat Kredite für den Aufbau von Betrieben, um unabhängig Milch produzieren zu können“, sagt Farhat.

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