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Infrastrukturinvestments sind en vogue. Zwar können sie auch für Privatanleger interessant sein, doch sie sollten sehr genau hinsehen, in was sie investieren.

Infrastruktur-investments

von Gerd Hübner

Es geht um die ganz großen Summen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, zum Beispiel prognostiziert, dass bis zum Jahr 2030 weltweit mehr als 40 Billionen US-Dollar in den Ausbau der Infrastruktur investiert werden müssen. In der Tat gilt die Infrastruktur in vielen Teil der Welt baufällig.

In den USA, so Schätzungen der American Society of Civil Engineering, sind bis 2025 rund 3,3 Billionen Dollar an Investitionen nötig, um allein die Transportwege sowie die Trinkwasser- und Stromversorgung auf den aktuellen Stand zu bringen. Aber auch in der Eurozone ist das Thema weit oben auf der Agenda. Hier wird derzeit der von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker initiierte 315 Milliarden Euro schwere Investitionsplan, dessen Schwerpunkt bei der Entwicklung der Infrastruktur liegen soll, umgesetzt.

Breit angelegten Investitionen durch die öffentliche Hand, steht allerdings eines entgegen: die hohe Staatsverschuldung. Aus diesem Grund gehen Regierungen immer häufiger dazu über, bei Infrastrukturprojekten private Investoren mit an Bord zu holen. Und für diese können solche Anlagen hoch interessant sein. „Ein Vorteil von Infrastrukturinvestments liegt darin, dass sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stabilität und ihrer hohen Werthaltigkeit langfristige, sichere und planbare Zahlungsströme bieten“, erklärt Anlageexperte Michael Reuss von Huber, Reuss & Kollegen. „Außerdem“, ergänzt Andreas Görler von Wellinvest, Pruschke & Kalm, „bieten solche Investments einen gewissen Inflationsschutz, sind nicht so schwankungsintensiv und nur in geringem Maße konjunkturabhängig.“ Womit sie sich als Mittel zur Diversifikation und Risikoreduzierung in einem Portfolio eignen.

Doch so schön dies klingt, einfach ist es nicht. Auf der einen Seite ist der Infrastrukturbereich selbst ein weites Feld. Dazu zählen nicht nur Mautstraßen, Brücken, Schienennetze, die Trinkwasserversorgung oder Flughäfen, sondern auch Breitbandnetze, Datensicherheit oder der Bereich der alternativen Energieerzeugung. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl an Investmentvehikeln – von Aktien, über Anleihen bis hin zu direkten Investments. „Tatsächlich ist dieser Bereich für Privatanleger schwer zu durchschauen“, sagt Experte Reuss. „So kommen zum Beispiel direkte Beteiligungen an Infrastrukturprojekten für Privatanleger schon deshalb nicht in Frage, weil diese zu komplex sind und zu hohe Mindestanlagebeträge, oft in Millionenhöhe, erfordern.“ Eine Alternative stellen zwar direkte Infrastrukturanlagen über Fondsstrukturen dar. „Anleger sollten aber grundsätzlich nicht vergessen, dass Direktinvestments meist deutlich teurer sind und zudem oft eine mangelnde Liquidität aufweisen, sodass ein schneller Verkauf meist nicht umsetzbar ist“, warnt Görler. Zudem ist es hier für Privatanleger schwer, die guten und schlechten Fonds und Fondsanbieter zu unterscheiden.

Interessanter sind zwar Infrastrukturanleihen, da diese Vorteile wie eine hohe Liquidität, niedrige Transaktionskosten, eine geringe Komplexität aufweisen und zudem gut planbare Zahlungsströme bieten. Der Haken aber: Privatanleger suchen hier vergeblich nach einem offen zugänglichen Fonds. „Tatsächlich erachten wir Aktien von Infrastrukturfirmen als attraktivstes Investitionsfeld, da wir hier eine internationale Streuung für ein Portfolio erreichen können und gleichzeitig im Gegensatz zu Direktinvestments nicht auf hohe Liquidität verzichten müssen“, urteilt Gerd Häcker von der Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung. „Zudem können Anleger hier noch attraktive Cashflows in Form von attraktiven Dividenden erwirtschaften, die bei drei bis sechs Prozent liegen.“

Anleger können hier ein eigenes Portfolio aus verschiedenen Einzeltiteln aufbauen. Dabei gelte es laut dem Anlageprofi unter anderem auf Kriterien wie die Stabilität des Geschäftsmodells zu achten, die Verschuldung der Firma und die Zyklik der Ertragsentwicklung zu analysieren oder die Aggressivität des Managements in Sachen Wachstumsstrategie zu durchleuchten.

Wer das nicht selbst machen möchte, findet in passiven und kostengünstigen Exchange Traded Funds (ETF) oder in aktiv gemanagte Fonds eine Alternative. Dabei raten die Experten aber dazu, auf eine breite, möglichst globale Streuung im Fondsportfolio zu achten. Tatsächlich können sich vor allem die Ergebnisse der aktiv gemanagten Fonds sehen lassen. So hat der „First State Global Listed Infrastructure Fund“ in den vergangenen fünf Jahren laut dem Fondsanalysehaus Morningstar über 14 Prozent pro Jahr zugelegt. Allerdings müssen Anleger hier mit höheren Kursschwankungen rechnen, da Infrastrukturaktien sich von den Schwankungen des Aktienmarktes in der Regel kaum abkoppeln können.

Und ob sich die gute Entwicklung dieser Fonds in nächster Zeit fortsetzen wird, ist fraglich. „Da der Rückenwind durch die stark gesunkenen Zinsen langsam versiegt, werden die Renditen der vergangenen Jahre kein Maßstab für die künftige Wertentwicklung sein“, warnt Häcker. Eine Portfoliobeimischung dürfte angesichts der zu erwartenden Investitionen in den Sektor dennoch attraktiv sein.

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