Medigene rüstet auf im Kampf gegen Krebs

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biotechnologie München – Kaum gegründet, schon gekauft.

Das Biotech-Unternehmen Medigene mit Sitz in Martinsried bei München hat die Trianta Immunotherapies GmbH übernommen. Trianta wurde Ende 2013 als Ausgründung des Helmholtz-Zentrums München gegründet. Mit der Übernahme setzt Medigene auf ein Forschungsfeld, das als die Zukunft im Kampf gegen Krebs gilt: Immuntherapie.

In der Wissenschaft ist man sich einig: Die Immuntherapie wird zu einer ernsthaften Alternative in der Krebsbehandlung. Während die Chemotherapie Tumore mit Strahlung und chemischen Mitteln bekämpft, bringt die Immuntherapie das Immunsystem dazu, die Krebszellen selbst zu bekämpfen. Im Dezember hat das Magazin Science die Immuntherapie zur wichtigsten wissenschaftlichen Entdeckung des Jahres 2013 gekürt.

Trianta forscht genau in diesem Bereich. Geschäftsführerin Dolores Schendel ist Professorin für Immunologie und seit 1998 Direktorin des Instituts für Molekulare Immunologie des Helmholtz-Zentrums. Künftig wird sie bei Medigene im Vorstand für Forschung und Entwicklung zuständig sein. „Experten schätzen, dass in zehn Jahren über 60 Prozent der Krebsarten mit Immuntherapien behandelt werden“, sagt Schendel, die 15 Immuntherapie-Spezialisten zu Medigene mitbringt.

Trianta arbeitet an drei Immuntherapie-Plattformen, die sich ergänzen. Der Fokus liegt auf sogenannten T-Zellen, auch Killerzellen genannt. „T-Zellen sind von Natur aus die beste Waffe gegen Krebs“, so Schendel. Dabei handelt es sich um weiße Blutkörperchen, die dem Körper Schutz vor Bakterien bieten. „Sie können aber auch mobilisiert werden, um Tumorzellen zu bekämpfen“, erklärt Schendel. Vereinfacht funktioniert das so: T-Zellen werden dem Patienten entnommen und bearbeitet. Zurück im Körper erkennen sie den Krebs und fressen die Krebszellen auf. Das Gute: Die T-Zellen haben ein Langzeitgedächtnis. Taucht der Krebs später wieder auf, treten sie erneut in Aktion.

Frank Mathias, Vorstandsvorsitzender bei Medigene, spricht von einer richtungsweisenden Übernahme. Immuntherapie sei die Zukunft der Krebstherapie. Medigene erwirbt 100 Prozent der Trianta-Geschäftsanteile. Die bisherigen Trianta-Gesellschafter erhalten gut 1 Million neu ausgegebene Medigene-Aktien im Wert von 4 Millionen Euro sowie Zahlungen beim Erreichen künftiger Meilensteine. Das Grundkapital der Aktiengesellschaft erhöht sich so von derzeit 9,8 Millionen auf 10, 8 Millionen Euro. Die Immuntherapie stoße auf großes Interesse – bei der Pharmaindustrie und bei Investoren, sagt Finanzvorstand Peter Llewellyn-Davies. „Wir gehen davon aus, dass die Finanzierung des Unternehmens bis Anfang 2015 gesichert ist.“

Trianta beschäftigt sich mit unterschiedlichen Krebsformen und -stadien. Momentan laufen klinische Phase I/II-Studien in München und Oslo zur Behandlung von akuter myeloischer Leukämie und Prostatakrebs. Um ein Datum für die Marktreife der Wirkstoffe zu nennen, sei es noch zu früh, so Llewellyn-Davies. Bis dahin durchlaufen Wirkstoffe drei Phasen der klinischen Entwicklung. Das dauert Jahre, manchmal Jahrehnte. Und erst dann wird sich zeigen, ob die Übernahme ein Erfolg war. manuela dollinger

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