Manche Anlage birgt Risiko des Totalverlusts

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leser fragen – experten antworten Moni S.

: „Ich habe mich vor sechs Jahren bei der HCI Hanseatische Beteiligungstreuhand, Bremen, an dem Fonds HSC Optivita VII GmbH & Co. KG mit 5000 Euro beteiligt. Bitte teilen Sie mir mit, wie es mit diesem Fonds steht bzw. ob man zumindest die eingezahlte Summe jemals wiedersieht?“

Ronald Cameron: Wahrscheinlich meinen Sie den Fonds HSC Optivita UK VII. Der Fonds stammt von der Beteiligungsgesellschaft HCI Hanseatische Beteiligungstreuhand und ist eine Beteiligung an mehreren eingekauften englischen Lebensversicherungen. Um es einfach zu sagen, Sie sind Teilhaberin eines Geschäfts geworden und tragen sämtliche Risiken mit, unter anderem das Risiko eines Totalverlusts.

Normalerweise erzielen englische Lebensversicherungen mehr Rendite als deutsche Lebensversicherungen (sie investieren die Kundengelder hauptsächlich in Fonds und ähnliche Anlagen und haben viel mehr Erfahrung in solchen Bereichen als die deutschen Versicherer). Allerdings hat die Finanzkrise auch die englischen Lebensversicherungen getroffen. Aber das war/ist nicht das einzige Risiko, das Sie tragen müssen, sondern auch das Währungsrisiko. Und, um auf die eingezahlte Summe wiederzukommen, die Sie für die Beteiligung bezahlt haben, dürfen Sie nicht vergessen, dass die Vertriebskosten auch mitverdient werden müssen! Das sind viel mehr als die vier Prozent, die beim Abschluss einer normalen Renten- oder Lebensversicherung in Deutschland verlangt werden. Als Alternative zu einer Beteiligung an gebrauchten englischen Lebensversicherungen hätten Sie selber eine gebrauchte englische Lebensversicherung erwerben können. Vorteile: garantierter Wert der Versicherung und garantiertes Ablaufdatum – außerdem ist sie viel günstiger im Kauf als eine Beteiligung. Der einzige Nachteil ist das Währungsrisiko.

Manfred L.: „Von der Firma Infinus AG habe ich ein Angebot gesehen und möchte gerne wissen, wie sicher dieses ist. Es handelt sich um eine Orderschuldverschreibung mit einer Verzinsung von sechs Prozent, Laufzeit ein bis zehn Jahre. Ich könnte 10 000 Euro anlegen. Die Einlage würde wie folgt angelegt: 50 Prozent in aufgekaufte Lebensversicherungen, 20 Prozent in Fonds mit angekauften Lebensversicherungen, 20 Prozent Immobilien und 10 Prozent in Edelmetalle. Ich bin 72 Jahre alt und eher für konservative Investments. Was können Sie mir zu dieser Anlage sagen?“

Stefanie Kühn: Die von Ihnen beschriebene Anlage zählt zu den Unternehmensanleihen. Die Future Business KG aA emittiert Anleihen verschiedener Laufzeit und zahlt dafür einen Zins, der je nach Laufzeit zwischen fünf und acht Prozent beträgt. Die Sicherheit, die Sie haben, ist das Versprechen des Unternehmens, dass es Zins und Tilgung zahlen kann. Geht es pleite, ist ihr Geld ganz oder teilweise weg. Es besteht in jedem Fall ein Totalverlustrisiko, wie bei allen Anleihen.

Doch wie können Sie einschätzen, wie hoch Ihr Risiko ist? Zunächst könnte man sich die Frage stellen, welche Anlagerendite aus dem von Ihnen genannten Mix das Unternehmen erzielen müsste, damit die Firma wirtschaftlich arbeiten kann. Nehmen wir an, im Mittel sind 6,5 Prozent an den Anleger zu zahlen. Dann müsste der Anlagemix mindestens diese Rendite erzielen. Vermögensverwaltungen nehmen oftmals ein Prozent als Gebühr, also unterstellen wir, dass das Unternehmen noch ein Prozent für sich benötigt. Damit wären 7,5 Prozent zu erzielen. Das ist in der heutigen Zeit ohne Risiken schwierig.

Auslaufende Lebensversicherungen bringen zirka vier Prozent, da muss also dann sehr günstig eingekauft werden. Die Rendite müsste dann dadurch erzielt werden, dass demjenigen, dem die Police abgekauft wurde, ein sehr niedriger Preis gezahlt wurde. Beteiligungen, die in Lebensversicherungen investieren, haben derzeit oft keine guten Nachrichten für den Anleger. Insofern erscheint mir diese Anlage fragwürdig.

Mit Gold und Silber konnte eine solche Rendite zuletzt sehr gut erzielt werden, mit Immobilien je nach Lage auch. Den Anlageerfolg des Unternehmens könnten Sie sich also genau erläutern lassen, um zu verstehen, ob das Unternehmen es voraussichtlich nachhaltig schaffen wird, die Anleihen zu bedienen. Sie haben ausdrücklich von dem Wunsch nach einer konservativen Anlage gesprochen. Eine konservative Anlage bringt im heutigen Marktumfeld keine Zinsen von fünf Prozent und mehr.

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