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Lindes Hürdenlauf zur Firmenehe mit Praxair

Aldo Belloni,Linde-Chef, will Kritiker von der Fusion überzeugen.
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Aldo Belloni,Linde-Chef, will Kritiker von der Fusion überzeugen.

München – Noch knallen bei Linde nicht die Sektkorken.

Der Dax-Konzern hat in dieser Woche zwar eine Hürde auf dem Weg zur Fusion mit Prax-air genommen. Die Mindestannahmequote für den Umtausch der Linde-AG-Aktien in Papiere der Linde PLC wurde erfüllt – allerdings erst nachdem sie von 75 auf 60 Prozent gesenkt und die Frist um zwei Wochen verlängert worden war. Es bleiben offene Baustellen. Die Fusion, die bis Ende 2018 abgeschlossen werden soll, könnte noch scheitern.

„Wir werten die aktuelle Quote von 67,9 Prozent als klare Zustimmung der Aktionäre zur angestrebten Fusion“, betont zwar Linde-Chef Aldo Belloni am Freitag. Fest steht aber auch, dass Aktionäre, die ihre Anteile umgetauscht haben, diese theoretisch auch wieder zurücktauschen können – bis zum Anlauf der neuen Frist am 7. November. Danach können Anteile weitere zwei Wochen umgetauscht, aber nicht mehr zurückgetauscht werden. Bei Linde geht man davon aus, dass am Ende 75 Prozent getauscht werden. Das hänge auch damit zusammen, dass passive Investoren ihre Anteile erst umtauschen können, wenn in den entsprechenden Indizes die Aktien der alten Linde in die neue zum Umtausch eingereichte Aktiengattung umgetauscht werden. Für den Dax ist das bereits passiert.

„Sollte die endgültige Umtauschquote unter 74 Prozent liegen, könnet die Fusion doch noch scheitern“, räumt aber auch Belloni ein. Dann nämlich könnte die Linde PLC, die steuerlich in Großbritannien angesiedelt werden soll, der amerikanischen Besteuerung unterliegen – was am Ende unrentabel werden könnte.

Daneben müssen noch zahlreiche Kartellbehörden zustimmen. Vier der 24 benötigten Genehmigungen habe Linde bereits erhalten, hieß es am Freitag: Pakistan, Paraguay, Russland und die Türkei stimmten ohne Auflagen zu. Entscheidend werden Europa und die USA – und die Frage, wie viel Geschäft hier verkauft werden muss. Fallen die Auflagen zu hoch aus, könnte die Fusion wiederum unrentabel werden.

Dazu kommt auch noch Ärger im eigenen Haus, mit dem sich das Linde-Management auseinandersetzen muss. So lehnen die meisten Arbeitnehmervertreter die Fusion nach wie vor ab. Die Äußerungen eines Praxair-Managers, der die Zukunft des Anlagenbaus zur Disposition gestellt haben soll, sorgen zusätzlich für Wirbel.

Die laufenden Geschäfte bereiten dagegen aktuell weniger Sorgen – mit Ausnahme des Healthcare-Geschäfts, das aufgrund von Auflagen in den USA schwächelt. Insgesamt sank der Umsatz im dritten Quartal zwar um 1,3 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Währungsbereinigt stiegen die Erlöse aber um 1,8 Prozent. Der um Einmaleffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um 2,9 Prozent auf gut eine Milliarde Euro zu. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 271 Millionen Euro. Gut elf Prozent weniger als im Vorjahr, hier machten sich Kosten für das Sparprogramm und die Fusion bemerkbar. manuela dollinger

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