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Kurse in Athen fallen – Gerät Griechenland in die Lindner-Falle?

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Das deutsche Wahlergebnis drückte die Kurse in Athen – schlechte Aussichten für den Euro mit Eule. foto: Boris Roessler/dpa

Athen/Berlin – Das Urteil am Montag aus Athen fiel überraschend milde aus: „Schäuble hatte gute und schlechte Seiten“, sagte der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos über den nun scheidenden deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Der in Griechenland für lange Zeit meistgehasste Europäer könnte sich bald für das Land als das kleinere Übel erweisen.

 Als nach der Bundestagswahl klar wurde, dass Schäuble sein Amt mit dem Ende der Großen Koalition verlieren würde, stürzten in Athen die Börsenkurse ab. Am Tag nach der Wahl verlor der Athex Large Cap (das ist so etwas wie der griechische Dax) um bis zu 7,5 Prozent. Das passierte am Montag – ausgerechnet an dem Tag, an dem die EU das Defizit-Verfahren gegen Griechenland beendete – eigentlich ein Grund für steigende Kurse.

 Beobachter sprachen vom Lindner-Effekt. FDP-Chef Christian Lindner gilt als möglicher Nachfolger Schäubles, aber auch als Verfechter einer harten Linie gegenüber Athen. Einen Schuldenschnitt, so forderte er, dürfe es nur geben, wenn Athen gleichzeitig die Euro-Zone verlässt. Das beutelte vor allem die griechischen Bankenwerte, die noch deutlicher nachgaben.

 Weil Finanztitel im Leitindex besonders stark vertreten sind, gab der marktbreitere Athex Composite Index nicht ganz so stark nach. Er verlor in der Spitze 6,3 Prozent.

 Allerdings hielt das Börsenbeben nicht lange an. Am Dienstag und Mittwoch bewegen sich die Kurse seitwärts und am gestrigen Donnerstag konnten sie einen Teil ihrer Verluste wettmachen. Gestern Nachmittag lag der Athex Large Cap noch zwei Prozent und der Composite Index nur noch rund 1,5 Prozent unter den Schlusskursen vom Freitag.

 In jüngster Zeit gibt es Anzeichen, dass Griechenland die wirtschaftliche Talsohle hinter sich gelassen hat. Ende Juli konnte das Land eine Anleihe mit fünfjähriger Laufzeit und einer Rendite von 4,6 Prozent platzieren, die mehr als zweifach überzeichnet war. So viel musste das Land Gläubigern auch vor der Euro-Einführung bieten.   mp

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