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Wie wir künftig mit Maschinen sprechen

Ob TV oder Smartphone, sogar die Waschmaschine kann heute über Sprache gesteuert werden. Allerdings kennt die Technik Grenzen – immer dann, wenn es im Hintergrund laut wird. Der Chiphersteller Infineon verspricht Abhilfe: Die Münchner kombinieren Sprach- und Gestensteuerung und wollen so die Interaktion zwischen Mensch und Maschine revolutionieren.

von manuela dollinger

München – Kennen Sie Siri, Cortana oder Alexa? Bei den Damen handelt es sich um Sprachassistenten, die bereits in Millionen Haushalten oder integriert ins Smartphone den Befehlen ihrer Besitzer lauschen. Auf Zuruf spielen sie Musik aus dem Netz ab, sagen Rezepte oder den Wetterbericht auf oder regeln Licht und Temperatur. Spracherkenungssoftware von Microsoft (Cortana), Apple (Siri), Amazon (Alexa) und Co sorgt dafür, dass technische Geräte uns immer besser verstehen. Immer mehr Geräte werden mit solchen Assistenten ausgestattet. Allerdings kennt die Technik Grenzen.

„Das Problem bei der Sprachsteuerung heute ist, dass die Software immer auf das lauteste Geräusch im Raum hört“, erklärt Andreas Urschitz. Er leitet beim Münchner Chipkonzern Infineon den Bereich „Power Management & Multimarkets“. In der Praxis bedeutet das: Fährt ein lauter Zug neben dem Haus vorbei, hustet eine Person im Raum oder laufen lärmende Kinder durchs Zimmer versagt die Sprachsteuerung gerne mal. Die Münchner wollen dieses Problem lösen – mithilfe einer Technik, die Sprach- und Gestensteuerung kombiniert.

Bereits seit zweieinhalb Jahren entwickelt Infineon gemeinsam mit Google eine Technologie zur berührungslosen Gestensteuerung von Maschinen. Radarsensoren von Infineon und Software von Google kommen beim Projekt „Soli“ zum Einsatz. Im Mai 2016 wurden bereits erste Prototypen vorgestellt, in denen die Technik verbaut wurde – zum Beispiel ein Lautsprecher vom Hersteller Harman. Reibt man Daumen und Zeigefinger in Sichtweite des Geräts aneinander, lässt sich so etwa die Lautstärke regeln. Mit einem Wink kann man den Sender wechseln. Im zweiten Halbjahr 2017 soll der Lautsprecher auf den Markt kommen.

Aufbauend auf „Soli“ hat Infineon die Technik nun weiterentwickelt. „Wir kombinieren Gesten- und Sprachsteuerung, um das Verständnis zwischen Mensch und Maschine weiter zu verbessern“, erklärt Urschitz. Geräte sollen so sowohl auf Gesten als auch auf Sprache reagieren, die Fehleranfälligkeit der Spracherkennung entsprechend sinken.

Technisch möglich wird die Kombination aus Gesten- und Sprachsteuerung dadurch, dass Radarsensoren und Mikrofone gekoppelt werden. „Der Radarsensor scannt den Raum und erkennt eine Person. Daraufhin weist der Sensor das Mikrofon an, nur auf die Sprachbefehle dieser einen Person zu hören“, erklärt Urschitz die Funktionsweise der neuen Technik, die Infineon diese Woche beim Mobile Wold Congress in Barcelona vorstellt. Bereits im Vorfeld des Branchentreffens sei die Audio-Radar-Fusion auf viel Interesse gestoßen, sagt Urschitz. Namen nennt er zwar nicht. Doch dürfte für jeden, der mit Sprachsteuerung arbeitet, die Technik aus München interessant sein.

Urschitz kann sich viele Anwendungs-Möglichkeiten vorstellen: Nicht nur Sprachassistenten und die Steuerung von Haushaltsgeräten könnten verbessert werden. „Auch ein Türschloss könnte ich mir vorstellen. Statt Passwort oder Fingerabdruck wird der Bewohner per Radarsensor identifiziert und kann per Sprachbefehl die Tür öffnen.“

Entwickelt und gebaut werden sowohl die Radarsensoren als auch die Mikrofone für die neue Technik bei Infineon in Regensburg. Zeitgleich wird – gemeinsam mit Google – weiterentwickelt. Die Gestensteuerung etwa muss noch perfektioniert werden. Bisher erkennen Geräte lediglich ein paar Befehle. Geplant ist ein ganzes Gesten-Alphabet. Auch die Mikrofone, die bei der Technik verbaut werden, entwickelt Infineon weiter. Neueste Errungenschaft sind winzige, extrem leistungsstarke Silicium-Mikrofone, die Infineon ebenfalls erstmals in Barcelona präsentieren wird. In einem Smartphone verbaut, verdoppeln die Mikros laut Infineon die Entfernung, aus der die Sprachsteuerung funktioniert.

Im nächsten Schritt will Infineon die Technik so ausbauen, dass Geräte sowohl über Sprache, als auch über Gesten gesteuert werden können. In der Praxis soll das dann so aussehen: Per Sprachbefehl wird der Fernseher angeschaltet und das Programm gewählt. Läuft der Film, kann der Fernseher – anders als heute – weiterhin per Sprache gesteuert werden. Durch den Radarchip können die Mikrofone gezielt auf die sprechende Person gerichtet werden. Alternativ kann der Fernseher aber auch per Fingerzeig bedient werden – ein Wisch und das Programm wechselt, ein weiterer und der Fernseher schaltet sich ab.

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