„Klimawandel trägt zur Dauer von Wetterlagen bei“

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Sturzfluten könnten „nahezu überall“ auftreten, sagt der Risikoforscher der Münchener Rückversicherung, Peter Höppe. -Herr Höppe, Gewitter, Tornados, voll gelaufene Keller – muss sich Deutschland darauf vorbereiten, dass solche schweren Unwetter in Zukunft zur Regel werden?

Abgedichtete Keller seien „sicher sinnvoll“, verhinderten aber nicht immer den Schaden.

Die wiederholten Starkniederschläge, die lokal zu schweren Überschwemmungen geführt haben, sind um diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Dass das derzeitige, starke Tief allerdings so lange an einem Ort verweilt wie derzeit, ist schon eher selten.

-Liegt es am Klimawandel?

Anhand unserer Daten stellen wir grundsätzlich fest, dass schadenträchtige Schwergewitterereignisse in Europa in Anzahl und Schadenhöhe zunehmen. Es wird auch vermutet, dass der Klimawandel den Jetstream...

-...ein starkes Höhenwindsystem in der Atmosphäre, das sich um die ganze Erde zieht...

... ja, genau. Es wird vermutet, dass der Klimawandel den Jetstream beeinflusst und zur langen Verweildauer von Wetterlagen wie derzeit beiträgt. Um es aber klar zu sagen: Ereignisse wie die der vergangenen Tage und Wochen sind nicht einfach auf den Klimawandel zurückzuführen. Die hat es auch ohne Klimawandel schon gegeben.

-Wie teuer sind diese Unwetter?

Verlässliche Schätzungen zu den gesamtwirtschaftlichen oder auch versicherten Schäden aus der aktuellen Unwetterserie sind erst in einigen Wochen möglich. Nur vielleicht soviel: In den betroffenen Orten sind die Folgen der Sturzfluten dramatisch, aber die einzelnen Ereignisse waren lokal relativ begrenzt. Das war 2013 bei einer ähnlich anhaltenden Wetterlage anders: Damals führten enorme Flusshochwasser zu Gesamtschäden von nahezu 10 Milliarden Euro.

-Wie kann sich jeder schützen?

Wie in den letzten Tagen zu sehen war, können solche Sturzflutereignisse unabhängig von großen Flüssen nahezu überall auftreten. Präventionsmaßnahmen wie abgedichtete Keller und Rückhaltebecken sind sicher sinnvoll, können lokale Extremereignisse wie in den letzten Tagen aber nicht verhindern.

-Hilft die Versicherung?

In den meisten Fällen wären die eingetretenen Schäden gut versicherbar gewesen. In Deutschland sind über die Gebäude- und Hausratversicherung sturmbedingte Schäden und Hagelschäden versichert. Nahezu 90 Prozent der Gebäudeeigentümer haben eine solche Police abgeschlossen. Ganz anders ist es bei den wasserbedingten Schäden durch lokale Starkniederschläge, wie sie jetzt aufgetreten sind: diesen Versicherungsschutz, die sogenannte erweiterte Elementargefahrendeckung, haben im Mittel über Deutschland nur etwa 38 Prozent der Gebäudebesitzer.

Interview: Hanna Gersmann

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