So klappt der Start ins Berufsleben

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Strahlend blauer Himmel – dennoch sollten sich Azubis bereits in jungen Jahren gegen Berufsunfähigkeit absichern. fotolia

Über eine halbe Million junge Menschen starten dieser Tage in Deutschland ins Berufsleben. Der Ausbildungsbeginn erfordert einige Entscheidungen zu den persönlichen Finanzen und Versicherungen. Wir erklären, was Lehrlinge wissen sollten.

ausbildung

von Christian Marxt

Der Beginn der Berufsausbildung ist für viele junge Leute nicht nur ein großer Schritt ins Berufsleben, sondern oft auch zu größerer Selbstständigkeit. Wir haben die wichtigsten Tipps für einen reibungslosen Start zusammengestellt.

Gehalt

Im Schnitt hat ein Auszubildender in Deutschland im vergangenen Jahr 876 Euro pro Monat verdient. Das ergab die jährliche Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). In diesem Jahr wird wieder mit einem leichten Anstieg gerechnet. Damit die Ausbildungsvergütung jeden Monat richtig ankommt, brauchen Azubis ein Bankkonto.

-Girokonto: Wer noch kein eigenes Girokonto hat, muss nun eine Bank und ein Kontomodell wählen. Viele Banken bieten kostenlose Konten für Auszubildende an. Gebührenfreie Girokonten auch für die Zeit nach der Ausbildung gibt es etwa bei der DKB, ING-DiBa, Commerzbank oder bei Comdirect – aber auch bei einigen regionalen Instituten wie der Sparda-Bank München. Man sollte jedoch bei der Wahl nicht nur die Kosten berücksichtigen. Auch die Zahl der Geldautomaten, an denen man kostenlos Bargeld abheben kann, spielt oft eine wichtige Rolle.

-Vermögenswirksame Leistungen: Zusätzlich zum Gehalt gibt es vom Betrieb ein Geldpräsent. Die sogenannten vermögenswirksamen Leistungen können Azubis in bestimmte Geldanlagen investieren – zum Beispiel in einen Bausparvertrag. Der Betrag liegt derzeit zwischen rund 6 und 40 Euro monatlich. Die genaue Höhe regelt entweder der Ausbildungsvertrag, die Betriebsvereinbarung oder der Tarifvertrag für die jeweilige Branche. Im Zweifelsfall sollten Azubis im Personalbüro oder direkt beim Ausbilder nachfragen.

-Beihilfe: Auszubildende, die finanzielle Unterstützung benötigen, können bei der Bundesagentur für Arbeit eine Berufsausbildungsbeihilfe beantragen. Gerade wenn man für die Ausbildung umziehen muss, sind oft Zuschüsse von mehreren Hundert Euro möglich. Ein Online-Rechner der Bundesagentur für Arbeit gibt unter www.babrechner.arbeitsagentur.de Auskunft darüber, ob Anspruch besteht.

Versicherungen

Angehende Auszubildende sollten auch ihren Versicherungsschutz anpassen. Während einige Policen nach der Schulzeit wichtig sind, sind andere – wie etwa eine Hausratsversicherung – zunächst verzichtbar. „Nicht jede Versicherung muss sein bei dem niedrigen Einkommen als Azubi“, heißt es bei der Verbraucherzentrale.

-Krankenversicherung: Im Normalfall sind Auszubildende bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert. Azubis haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder sie bleiben bei der Krankenversicherung, in der sie bereits über ihre Eltern versichert waren. Oder sie wählen selbst eine andere gesetzliche Krankenversicherung aus. Das muss innerhalb der ersten 14 Tage nach Ausbildungsstart geschehen.

Vor der Auswahl lohnt es sich, die Kosten und Leistungen der Kassen zu vergleichen. Die Stiftung Warentest bietet unter www.test.de für 3,50 Euro einen Vergleich der in Bayern verfügbaren Krankenkassen an. Wer bereits vor der Ausbildung privat versichert war und das auch bleiben möchte, muss die Police laut Verbraucherzentrale beitragspflichtig fortführen.

Für Auslandsaufenthalte macht eine Auslandskrankenversicherung Sinn. Einige Leistungen der Krankenkassen sind zwar im europäischen Ausland inbegriffen, allerdings kann es bei schwereren Unfällen und Erkrankungen schnell sehr teuer werden – nicht nur außerhalb der EU. Auch bei Reisen in Länder, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht, wird ein notwendiger Rücktransport von der Krankenkasse meist nicht bezahlt.

-Berufsunfähigkeit: Grundsätzlich sind Berufseinsteiger in der gesetzlichen Rentenversicherung ab Beginn ihrer Ausbildung vor den finanziellen Risiken eines Unfalls bei der Arbeit geschützt. Nach einem Jahr kommt auch eine Absicherung bei Freizeitunfällen und Krankheiten hinzu. Darauf weist die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) hin. Ist eine weitere berufliche Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich, wird eine Erwerbsminderungsrente gezahlt. Daneben stehen den Berufsstartern bereits nach sechs Monaten Leistungen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation zu. Ist der Berufsstarter bereits verheiratet oder hat Kinder, erhalten diese Angehörigen im Todesfall eine Hinterbliebenenrente.

Wer sich zusätzlich privat absichern will, kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abschließen. Verbraucherschützer wie auch der Bund der Versicherten raten zum Abschluss einer solchen Police. Im Versicherungsfall sind die Ansprüche dort höher als bei der gesetzlichen Versicherung. Azubis profitieren davon, dass sie jung und gesund sind. Das bringt in der Regel günstigere Tarife, bestätigt die Stiftung Warentest. Mit zunehmendem Alter können Krankheiten und Verletzungen dagegen zu einem höheren Beitrag führen.

-Haftpflicht: Eine Haftpflichtversicherung ist für jeden unverzichtbar. Sie springt ein, wenn Versicherte einen Schaden verursacht haben. Häufig sind Auszubildende im Rahmen der Privathaftpflichtversicherung der Eltern mitversichert, wenn sie sich in der ersten Berufsausbildung befinden. Ist dies nicht der Fall, sollte unbedingt eine eigene Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen werden, empfiehlt die Verbraucherzentrale. Für Azubis gibt es bereits Angebote ab 30 Euro im Jahr.

Steuern

Für Azubis und ihre Eltern gilt es ein paar Dinge zu beachten, um ohne Probleme durchs Steuerjahr zu kommen. Auszubildende müssen ihrem Ausbildungsbetrieb ihre Steueridentifikationsnummer, das Geburtsdatum und die Religionszugehörigkeit mitteilen. Die Angaben sind nötig, damit der Arbeitgeber den Lohnsteuerabzug vornehmen kann. Denn auch die Ausbildungsvergütung unterliegt der Steuerpflicht. Wer seine Steuer-ID, die automatisch per Post zugestellt wird, nicht zur Hand hat, sollte sich an das Bundeszentralamt für Steuern wenden. Die elfstellige Nummer gilt ein Leben lang.

-Lohnsteuer: Ob Azubis Lohnsteuer zahlen müssen, hängt vom Einzelfall ab. Da die meisten ledig sind und keine Kinder haben, werden sie in die Steuerklasse I eingeordnet. In der Regel fallen dort erst für Vergütungen von rund 1000 Euro im Monat Lohnsteuern an, erklärt der Lohnsteuerhilfeverein für Arbeitnehmer (LSTHV). Wer Steuern zahlt, kann sich diese gegebenenfalls über die Einkommensteuererklärung erstatten lassen – auch bis zu sieben Jahre danach noch. Der LSTHV rät Lehrlingen, von Beginn an Belege und Quittungen zu sammeln, die mit der Ausbildung in Verbindung stehen – zum Beispiel Rechnungen für Fachliteratur oder Berufskleidung.

-Eltern: Viele Auszubildende kommen nicht ohne finanzielle Unterstützung der Eltern aus. Das Gehalt reicht vor allem in großen Städten wie München nicht für Miete und Leben. Eltern können daher bestimmte Beträge steuerlich geltend machen. Muss das Kind etwa auswärts wohnen, können die Eltern einen Ausbildungsfreibetrag in der eigenen Steuererklärung absetzen. Auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge der Kinder können laut Bund der Lohnsteuerhilfevereine als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Allerdings seien die direkten Ausbildungskosten des Kindes – wie zum Beispiel für Fachliteratur oder die Fahrtkosten zur Berufsschule – nicht bei den Eltern absetzbar.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare