Kein Olivenöl schneidet gut ab

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Olivenöl wird in Güteklassen eingeteilt. Die höchste heißt „nativ extra“. foto: panthermedia

Olivenöl zählt zu den beliebtesten Speiseölen. Doch gute Qualität ist Mangelware. Von 24 Ölen im Test – darunter Eigenmarken von Aldi, Lidl und Co sowie klassische Marken wie Bertolli – schneidet keins gut ab. Zehn Produkte sind mangelhaft. Sie täuschen vor, mehr zu sein, als sie sind.

test

Wer im Supermarkt vor dem Speiseölregal steht, findet fast ausschließlich Olivenöl der höchsten Güteklasse. Sie heißt „nativ extra“ – oder „extra vergine“, wie die Italiener sagen. Auch im Test der Stiftung Warentest für die Februar-Ausgabe der Zeitschrift „Test“ wurden ausschließlich native Olivenöle extra untersucht. An Öle dieser Kategorie stellt die EU-Olivenölverordnung viele Ansprüche. Sie müssen unter anderem sensorisch fehlerfrei sein. Alle 24 Olivenöle in der Untersuchung (Preise: 5,05 bis 14,70 Euro pro Liter) sind Mischungen von Olivenölen aus verschiedenen Ländern.

Zehn Öle sind mangelhaft

Im Ergebnis schmecken zehn Öle ranzig, stichig oder alt: Carapelli Bio, Carapelli Il Nobile, Kaiser´s Tengelmann/A&P, Norma/Belluccino, Penny, Pietro Coricelli Il Biologico Bio, Real Quality fruchtiger Geschmack, Rewe/ja!, Sol d´Olio und Kunella Feinkost Italienische Art. Das ist mangelhaft. Die Öle dürften eigentlich nicht als „nativ extra“ verkauft werden, so die Tester; neun allenfalls eine Güteklasse tiefer: als „nativ“. Ein Öl (Kunella) ist nicht nur sensorisch fehlerhaft, sondern zudem auch verfälscht, weil es raffiniertes Olivenöl enthält.

Die Besten sind nur Durchschnitt

Olivenöl ist nicht gleich Olivenöl, die geschmackliche Vielfalt ist groß. Ausdrucksstarke Olivenöle riechen und schmecken intensiv fruchtig, deutlich bitter und scharf. Sie sind besonders ausgewogen – also ein Geschmackserlebnis. Intensive und vielseitige Noten nach Blüten, frischgeschnittenem Gras, Artischocke oder Tomatenblättern zeichnen sie aus. Die meisten Öle im aktuellen Test sind dagegen keine kulinarische Offenbarung, sondern durchschnittliche Massenware: Sie sind mittelfruchtig, nur leicht scharf, wenig bitter. Individuelle Noten sind kaum ausgeprägt.

Erfreulich: Die drei besten Öle im Test stammen von Discountern und kosten somit nur rund 5 bis 6 Euro pro Liter. Es sind Gut Bio von Aldi (Nord), Primadonna von Lidl und Vegola von Netto-Marken-Discount. Sie sind befriedigend. Natives Olivenöl extra muss also nicht teuer sein. Für kleines Geld darf aber niemand sensorische Spitzenqualität erwarten, so die Stiftung Warentest.

Viele Öle sind mit Mineralölen belastet

Das größte Schadstoffproblem bei Olivenöl sind Mineralöle. Alle Öle enthalten gesättigte Mineralöl-Kohlenwasserstoffe – Mosh genannt. Sie können sich im Körper anreichern. Fast jedes zweite Öl ist deutlich damit belastet. Ein Öl ist zudem hoch mit Moah belastet. Die aromatischen Mineralöl-Kohlenwasserstoffe, Moah, gelten als potenziell krebserregend. Ein anderes Öl, das von Kunella, fiel Warentest durch den Weichmacher DEHP auf. DEHP kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Eine akute gesundheitliche Gefahr geht aber von keinem der geprüften Produkte aus – selbst für den, der ausschließlich Olivenöl in der Küche verwendet. Allerdings nimmt der Mensch Mineralöle und Weichmacher auch aus anderen Quellen auf. Mit Pflanzenschutzmitteln und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen ist kein Olivenöl nennenswert belastet.

Ergebnisse aus dem letzten Test

Auch vor einem Jahr hat die Stiftung Warentest einen Olivenöltest veröffentlicht. Damals in der Auswahl: 26 Olivenöle der höchsten Güteklasse mit einer klaren Herkunftsangabe, darunter auch sehr teure (Preise: 5,35 bis 40 Euro pro Liter). Laut Etikett kamen sie entweder aus Italien, Griechenland, Spanien oder Portugal oder sogar nur aus einer Region wie der Toskana oder Kreta. Jedes zweite Öl fiel damals durch und schnitt mangelhaft ab – wegen Schadstoffen, geschmacklicher Fehler oder falscher Herkunftsangabe. Nur eins war gut. Von insgesamt 50 Olivenölen, die die Stiftung seit 2016 geprüft hat, erreicht also nur ein Olivenöl ein gutes test-Qualitätsurteil: das spanische Olivenöl O-Med Picual. Es kostet 40 Euro je Liter und ist online und im Feinschmeckerhandel zu haben.  mm

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