Der Kampf um den Fahrschein

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Kunden der Deutschen Bahn kommen relativ leicht an ihre Fahrkarten. Die privaten Konkurrenten haben längst nicht in allen Bahnhöfen Verkaufsstellen. Der Marktführer verlangt dafür Miete. foto: dpa

Wer den Vertrieb in der Hand hat, kontrolliert das Geschäft. Das gilt auch für die Deutsche Bahn. Deren Konkurrenz begehrt schon länger dagegen auf. Und bekommt jetzt Hilfe vom Kartellamt.

Kartellamt gegen deutsche Bahn

Wer den Vertrieb in der Hand hat, kontrolliert das Geschäft. Das gilt auch für die Deutsche Bahn. Deren Konkurrenz begehrt schon länger dagegen auf. Und bekommt jetzt Hilfe vom Kartellamt.

Von Bernd Röder

Bonn – Der Fahrkartenverkauf der Deutschen Bahn ist zum Fall für das Bundeskartellamt geworden. Die Behörde überprüft, ob der Staatskonzern an den Bahnhöfen Verkaufsstellen der Konkurrenz verhindert.

-Wie verkauft die Bahn ihre Tickets?

Auf deutschen Bahnhöfen stehen rund 7000 Fahrkartenautomaten. Die Deutsche Bahn (DB) unterhält außerdem gut 400 Reisezentren. Fahrscheine gibt es auch in 2700 anderen Verkaufsstellen, oft Reisebüros außerhalb der Bahnhöfe. Knapp ein Drittel ihrer Tickets verkauft die Bahn inzwischen über das Internet. Dieser Anteil steigt Jahr für Jahr.

-Wer sind die Wettbewerber der Bahn?

Die DB hat im Fernverkehr fast keine Konkurrenz, im Nahverkehr jedoch eine ganze Menge. Es sind Privatbahnen und Töchter ausländischer Staatsbahnen, zum Beispiel Veolia (Bayerische Oberlandbahn), Netinera oder Benex.

-Welche Nachteile beklagen die Wettbewerber?

Ihr Interessenverband Mofair wirft der DB „Machtmissbrauch“ in den Bahnhöfen vor. Sie lasse Schalter anderer Anbieter dort nicht zu und verkaufe deren Tickets auch an ihren Automaten nicht. Mofair fordert ein „neutrales Vertriebssystem“.

Die DB müsse an ihren Automaten auch fremde Fahrscheine verkaufen. Ein Gesetz, das dies vorsah, scheiterte vorigen Sommer im Parlament. In dieser Legislaturperiode könnte es einen neuen Anlauf geben. Ein weiterer Kritikpunkt: Wenn die DB Tickets für Wettbewerber verkaufe, verlange sie üppige Provisionen, die je nach Partner auch noch unterschiedlich hoch seien.

-Was kann das für die Fahrgäste bedeuten?

Der Bahnhof ist das Tor zur Bahn. Wenn Bahnkunden nicht sehen, dass es auch andere Anbieter auf dem Schienennetz gibt, werden sie dem Marktführer Deutsche Bahn auch nicht untreu. Günstigere Angebote bleiben unentdeckt.

-Wie kommen Kunden an Fahrscheine der Bahn-Konkurrenten?

Bei der Deutschen Bahn ist es einfach: Eine Fahrkarte bekommen Kunden per Internet, am Automaten, Schalter oder im Zug. Bei der Konkurrenz ist es teilweise schwieriger, ein Ticket im Bahnhof zu bekommen. Die beiden Konkurrenten im Fernverkehr, HKX und Interconnex, haben längst nicht in allen Bahnhöfen Verkaufsstellen. Sie dürfen dort prinzipiell zwar Automaten aufstellen oder Verkaufsräume aufmachen – dafür verlangt die Deutsche Bahn aber Miete. Darauf weist Heidi Tischmann hin, Referentin für Bahnpolitik beim Verkehrsclub Deutschland VCD. In einigen Fällen haben die Bahnunternehmen auch Verträge mit Reisebüros oder Agenturen geschlossen, die im oder am Bahnhof liegen. Außerdem sind bei den Bahnkonkurrenten Fahrkarten im Internet oder direkt in den Zügen erhältlich.

Private Bahnunternehmen im Nahverkehr fahren im Auftrag der Verkehrsverbünde. Der Fahrgast zahlt den Verbundtarif. Zu erwerben sind die Tickets zum Beispiel an den Automaten der Verkehrsverbünde an den Bahnhöfen.

-Warum hat das Kartellamt jetzt ein Verfahren eingeleitet?

Die Behörde hat nach eigenen Angaben von mehreren Eisenbahnbetreibern Beschwerden über das Geschäftsgebaren der DB erhalten. Sie hat nun den Verdacht, dass der Staatskonzern seine marktbeherrschende Stellung beim Fahrkartenvertrieb ausnutzt. Die Behörde hört alle Beteiligten an und macht sich ein eigenes Bild.

-Wie lange dauert das Verfahren und was könnte dabei herauskommen?

Einen genauen Zeitrahmen gibt es nicht. Es wird aber sicherlich mehrere Monate bis zu einem Ergebnis dauern. Allein für die Antwort auf den umfangreichen Fragenkatalog des Kartellamts hat die Bahn sechs Wochen Zeit. Kartellamtssprecher Kay Weidner erläutert, es gehe nicht um Bußgelder oder Strafzahlungen. Am Ende des „Verwaltungsverfahrens“ könne die Behörde aber von der Bahn verlangen, ihre bisherige Geschäftspraxis zu ändern.

-Wie verteidigt sich die Bahn?

Die Bahn bestreitet, den Wettbewerb im Personenverkehr zu behindern. Die Konkurrenten könnten schon heute Flächen in Bahnhöfen für eigene Zwecke anmieten, sagt Vorstandsmitglied Ulrich Homburg. Sie verkauften ihre Tickets in Eigenregie oder über frei wählbare dritte Dienstleister. Die Forderung, Fahrkarten der Konkurrenz für den Fernverkehr in Bahn-Reisezentren mitzuverkaufen, entspreche aber „nicht dem Gedanken von freiem Wettbewerb“. Im Luftverkehr müssten die einzelnen Gesellschaften auch ihre Vertriebskanäle selbst betreiben.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare