Italien schüttelt Finanzmärkte durch

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Die angespannte Lage in Italien hat den Eurokurs am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit Juli 2017 gedrückt. Auch Anleihen- und Aktienmärkte gerieten unter Druck. foto: dpa

Die politische Krise in Italien wirkt sich immer stärker auf die Finanzmärkte aus. Am Dienstag kam es zu heftigen Kurseinbrüchen, die teils an die der schweren Euro-Krise 2011/2012 erinnerten. Wir erklären, was Anleger jetzt wissen sollten.

von manuela dollinger

Die Sorgen um ein zunehmend EU- und Euro-feindliches Italien haben am Dienstag erheblich zugenommen und die Aktienmärkte belastet. „Das Gespenst einer nächsten Euro-Krise macht die Runde“, schrieb Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets in seinem Marktbericht.

Anleihen

Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sprach gar von „ersten Spuren von Panik“, vor allem am Anleihenmarkt. Dort setzte sich der Ausverkauf italienischer Staatspapiere fort. Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren. Portugiesische Anleihen mit gleicher Laufzeit rentierten mit bis zu 2,4 Prozent – ein Hoch seit Herbst 2017. In Spanien stiegen die Renditen ebenfalls. Zum Vergleich: Deutschland genießt an den Finanzmärkten viel mehr Vertrauen – der Bund kann sich schon für 0,31 Prozent Geld über zehnjährige Bundesanleihen besorgen.

Aktien

Auch die Aktienbörsen in Italien und Spanien gerieten ins Taumeln. So sackte der Mailänder Leitindex FTSE MIB um bis zu 3,7 Prozent ab. Besonders heftig erwischt es Bankaktien. Auch Griechenland bekam die Turbulenzen zu spüren. Dort stürzte der Aktienmarkt um 2,5 Prozent ab. Und auch der Dax konnte sich nicht entziehen. Er ging mit minus 1,53 Prozent bei 12 666,51 Punkten aus dem Handel. Wie oft bei schlechten Nachrichten aus der Peripherie der Eurozone gaben Bankaktien besonders stark nach.

Euro

Der Euro geriet ebenfalls unter Druck und fiel fast bis auf 1,15 US-Dollar – der niedrigste Stand seit Juli 2017. Die Europäische Zentralbank (EZB) warnte vor einer Eskalation der Lage.

Akuten Handlungsbedarf für Anleger sieht Finanzberaterin Stefanie Kühn angesichts der Turbulenzen jedoch nicht. „Wer seine Anlagen langfristig ausgerichtet hat, muss nun nicht in Panik reagieren“, sagt sie – gibt aber zu bedenken: „Die strukturellen Probleme in Italien sind bekannt und müssten angegangen werden. Solange das nicht geschieht, bleibt hier ein deutliches Risiko bestehen – für die Börsen, Europa und den Euro. Neuwahlen könnten die Angst vor dem Italexit weiter schüren.“

Ähnlich beurteilt die Lage Christian Rott vom GAH-Geldanlagehaus. „Wie so oft, liegt in der Ruhe die Kraft und hektisches Kaufen oder Verkaufen von Aktien hat sich in der Vergangenheit meist nicht bewährt. Zur aktuellen Lage sollte man aber wissen, dass Italien mehr oder weniger Griechenland als Sorgenkind Europas abgelöst hat“, so der Anlageexperte.

Nach der gescheiterten Regierungsbildung droht in Italien ein Zweikampf zwischen den beiden populistischen Kräften Fünf Sterne und Lega sowie Staatspräsident Sergio Mattarella. Die Fünf Sterne streben ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten an, da er aus ihrer Sicht mit der Weigerung, den Euro-Kritiker Paolo Savona zum Finanzminister zu ernennen, gegen die Verfassung verstoßen habe. Das Land steuert auf Neuwahlen zu. Ein Abbau der Schuldenlast Italiens wird so erschwert. Italien hat gemessen an der Wirtschaftskraft die höchste Verschuldungsquote der Eurozone nach Griechenland. „Auf dem Weg bis zur Wahl werden sicherlich viele Spekulationen aufkommen, was und wie es mit Italien weitergeht. Und genau dies dürfte sich nicht beruhigend auf die Märkte auswirken und zu weiteren Schwankungen führen“, glaubt Rott. „Denn die Börsen mögen eines nicht: Unsicherheit.“

Wer angesichts der rückläufigen Kurse den Moment nutzen möchte, um in den Aktienmarkt einzusteigen, sollte das mit Bedacht tun, rät Kühn. „Die Aktienmärkte befinden sich im Jahr 10 des Aufschwungs. Wenn jemand jetzt einsteigen will, rate ich Anlegern, in Tranchen einzusteigen. Sie könnten größere Summen auf zwei bis drei Jahre aufteilen und entweder als Sparplan oder als verteilte Einmalkäufe investieren.“

Es könne sich derzeit durchaus lohnen, einen Blick auf sein Depot zu werfen und bei sehr gut gelaufenen Werten die entsprechenden Gewinne mitzunehmen, findet Anlageexperte Rott. Als klassische Krisenwährungen gelten Edelmetalle – vor allem Gold. „Auch hier kann sich eine Beimischung lohnen, vor allem bei einer weiteren Zuspitzung der (politischen) Unsicherheiten“, so Rott.  mit dpa

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