Inflation auf höchstem Stand seit Juli 2013

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Obst und Gemüse sind in Bayern im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent beziehungsweise um 7,5 Prozent teurer geworden. In Deutschland kletterte die Inflationsrate auf 1,9 Prozent – so hoch wie lange nicht mehr. Foto: panthermedia

So hoch war die Inflationsrate in Deutschland schon lange nicht mehr: 1,9 Prozent maßen die Statistiker im Januar. Volkswirte glauben, dass die Teuerung demnächst sogar die Zwei-Prozent-Marke knackt.

Teuerung

Von Sebastian Hölzle

Wiesbaden/München – Gestern hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden seine erste Schätzung veröffentlicht: Demnach sind die Preise in Deutschland im Vergleich zum Januar des Vorjahres um 1,9 Prozent gestiegen. Eine ähnlich hohe Inflationsrate war zuletzt im Juli 2013 zu beobachten, trotz der anziehenden Preise erhalten sie praktische keine Zinsen.

-Ziehen die Preise auch in Bayern an?

Ja – wenn auch nicht ganz so stark wie im Rest der Republik. In Bayern haben sich Waren und Dienstleistungen im Vergleich zum Januar 2016 um 1,7 Prozent verteuert, wie das Statistische Landesamt gestern mitteilte. Die Teuerungsrate verharrte damit auf dem selben Wert wie im Dezember (siehe Grafik).

-Was waren die größten Preistreiber in Bayern?

„Zur Zunahme des allgemeinen Preisniveaus hat maßgeblich der Anstieg bei den Energiepreisen beigetragen“, erklärten die Statistiker. Demnach ist Heizöl im Freistaat um 36 Prozent teurer geworden. Kraftstoffe wie Benzin und Diesel sind um 11,1 Prozent gestiegen. Verteuert hat sich auch Obst und Gemüse – jeweils um 6,6 Prozent beziehungsweise 7,5 Prozent.

-Welche Produkte sind billiger geworden?

Den Statistikern zufolge ist Gas um 5,7 Prozent billiger geworden. Niedriger als im Vorjahr seien im Januar auch die Preise vieler technischer Produkte wie Laptops oder Wäschetrockner gewesen.

-Hat die hohe Inflationsrate in Deutschland die Volkswirte überrascht?

Nein. Ökonomen haben die hohe Teuerung bereits vorhergesagt. „Der Anstieg der Inflationsrate kommt wenig überraschend und ist primär den im Jahresvergleich deutlich höheren Rohölpreisen zuzuschreiben“, sagt Johannes Mayr, Leiter Volkswirtschaft bei der BayernLB. Vor einem Jahr sei der Rohölpreis auf seinen Tiefpunkt gesunken. „Dann ist der Preis innerhalb eines Jahres von 29 auf über 55 Euro je Barrel gestiegen“, erklärt der Ökonom. In Prozent seien das immerhin über 80 Prozent gewesen. Zwar kauft der Endverbraucher kein Rohöl, aber über das jetzt verteuerte Heizöl und die höheren Kraftsoffpreise, bekommt der Käufer den Preisanstieg zu spüren.

-Wie lange wird dieser Effekt anhalten?

„Die Inflationsrate dürfte noch bis April von den höheren Ölpreisen getrieben sein“, sagt Mayr mit Blick auf die Ölpreisentwicklung des vergangenen Jahres. Konkret bedeutet das: Gut möglich, dass die Teuerungsrate in Deutschland bis dahin sogar kurzzeitig die Zwei-Prozent-Marke knackt. Im Frühjahr werde die Rate dann schrittweise wieder etwas abnehmen.

-Wie wird EZB-Chef Mario Draghi auf die steigenden Preise reagieren?

„Die EZB wird sich davon nicht beeindrucken lassen“, glaubt BayernLB-Volkswirt Mayr. Auch der französische Notenbankchef und Draghi-Unterstützer François Villeroy de Galhau hatte vergangene Woche bereits vorhergesagt, dass er einen „Spitzenwert“ bei der Inflation in Deutschland im ersten Quartal des Jahres 2017 erwarte – Signale, am geldpolitischen Kurs der EZB zu rütteln, gab es dagegen keine.

-Wie werden sich die Verbraucherpreise mittelfristig entwickeln?

Nach dem Rückgang der Inflationsrate in der zweiten Jahreshälfte 2017 hält Mayr für Deutschland in den kommenden Jahren eine Rate im Bereich von zwei Prozent für realistisch. „Wenn die EZB eine Durchschnittsinflation von zwei Prozent in der Eurozone erreicht, bedeutet das automatisch, dass in Ländern wie Deutschland, die konjunkturell etwas besser dastehen, die Inflationsrate über zwei Prozent liegen wird.“ Diese höhere Teuerung könne man als Kosten Deutschlands für die Währungsunion interpretieren.

-Wie entwickeln sich die Preise in anderen Ländern der Eurozone?

„Der Preisanstieg in Deutschland bleibt grundsätzlich höher“, sagt Mayr. Grund dafür sei, dass die konjunkturelle Erholung in Deutschland weiter fortgeschritten sei. Heute veröffentlicht das europäische Statistikamt Eurostat die neuen Zahlen. Trotz eines auch hier zu erwartenden Sondereffekts durch den gestiegenen Ölpreis rechnen Bankenvolkswirte mit einer Teuerung in der Eurozone von nur 1,5 Prozent.

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